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Landfrauenkreisverband Südwestpfalz

Landfrauenkreisverband Südwestpfalz : Landfrauen prangern Missstände an

Mit einem bunten Programm feierten mehr als 200 Frauen und einige Männer in der Mehrzweckhalle Hermersberg den Landfrauentag des Landfrauenkreisverbands Südwestpfalz.

Vertreterinnen aus mehr als 30 Ortsvereinen mit über 2200 Mitgliedern begegneten sich kürzlich bei einem großen „Familienfest“, um neue Beziehungen zu knüpfen und bestehende Freundschaften zu intensivieren. Mit einer sensationellen Kuchen- und Tortenauswahl, die jeder Konditorei Ehre gemacht hätte, und wunderschöner Tischdekoration erwiesen sich die Hermersberger Landfrauen unter dem Vorsitz von Irmtraud Müller als liebenswürdige und emsige Gastgeberinnen.

„Es sind Beziehungen zu Menschen, die das Leben lebenswert machen“, sagte die Kreisverbandsvorsitzende, Beate Schnur aus Bottenbach, bei ihrer Begrüßung. Sie freute sich, dass bereits in diesem Jahr unter anderem mit Rimschweiler und Großsteinhausen drei neue Ortsverbände gegründet wurden. Die Anwesenheit von Vertretern der politischen Gremien bestätige die politische Bedeutung der Landfrauen, die in Zeiten politischer Unsicherheit Stabilität für das Land böten.

Christoph Reichert in Vertretung für die verhinderte Landrätin Susanne Ganster, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben, Lothar Weber, sowie der Erste Beigeordnete der Ortsgemeinde Hermersberg, Dirk Palm, würdigten unisono das Engagement der Landfrauen als größtem Bildungsträger im ländlichen Raum mit der rhetorischen Frage: „Was wären die Dörfer ohne die Landfrauen?“ Die Vorsitzende des Landfrauenverbands Pfalz, Ilse Wambsganß, erinnerte daran, dass die Landfrauen schon immer „am Puls der Zeit“ und dabei vorausschauend gewesen seien.

Im kommenden Jahr feiert der Kreisverband Südwestpfalz sein 70-jähriges Bestehen. Am 25. September werden die Landfrauen in Mainz für den Erhalt von Geburtshilfe und Gynäkologie im ländlichen Raum demonstrieren. Sie habe zu hören bekommen, sagte Ilse Wambsganß: „Mit einer Geburt verdient eine Klinik kein Geld, sondern nur mit Knie- und Hüft-Operationen.“ Es könne nicht sein, dass schwangere Frauen 70 Kilometer bis zur nächsten Geburtsstation zurückzulegen hätten, weil die Stationen geschlossen würden. „Stehen Sie auf für den ländlichen Raum!“, forderte sie vehement. „Kinder sind unsere Zukunft!“

Um Zusammenhalt und Freundschaft drehte sich auch das Theaterstück von den „Drei Räubern“, das die Schulabgänger-Kinder des Hermersberger Kindergartens nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Toni Ungerer aufführten. Selbstbewusst wechselten die 17 Kinder zwischen Schattenspiel hinter dem beleuchteten Vorhang und Liveauftritt und begeisterten abschließend mit einem Freundschaftslied.

Der Kinderchor des Hermersberger Männergesangvereins Frohsinn sang, ebenfalls unter Leitung von Kita-Leiterin Anja Schwarz, witzige Lieder, wie den Gummibärchen-Song, und warf Goldbären von der Bühne in die Menge.

Der Festvortrag der rheinhessischen Buchautorin Anne Rahn hatte das Thema „Die neue Lust am Garten“. Passend zu dem Gastgeschenk des Landfrauenkreisverbands, einem Röhrchen mit Samen für eine Bienen- und Insektenweide, stellte sie Blumen und Kräuter vor, die als „hoch frequentiertes Insektenrestaurant blühen“. Dazu gehören auch Obstbäume.

Auch auf den Klimawandel ging die begeisterte Gartenfachfrau ein, die selbst über 2000 Quadratmeter Gartenfläche auf unterschiedliche Weise bepflanzt und viel experimentiert. Die Buchautorin empfahl wunderschöne Blühpflanzen und Kräuter, etwa aus dem mediterranen Bereich, die mit wenig Wasser prächtig gedeihen. Die Empfehlung zu Steingärten habe dem Rechnung tragen wollen, berichtete sie aus eigenen Erfahrungen – und sei als „pflanzenlose Steinwüste missverstanden worden“. Sie selbst hat positive Erfahrung, beispielsweise mit altbekannten Pflanzen wie Fette Henne, Diamantgras, Mittelmeer-Verbene, Prachtkerzen, Steppensalbei oder Iris (Schwertlilie) gemacht.

Eine weitere Lanze brach sie für Dahlien, bei denen die gesamte Pflanze essbar sei, und überhaupt für Blumen und Kräuter auf dem Speiseplan. Besonders rote Pflanzen wie Rote Beete enthielten Antioxidantien, die sich positiv auf Herz und Kreis auswirken und sogar krebshemmend sein sollen. Spitzenreiter bei den Insektenpflanzen sei die wilde Möhre. Auch Fenchel, der stehenbleibe, anstatt auf dem Küchentisch zu landen, wachse zu einem herrlichen Busch, lud die Fachfrau dazu ein, auch einmal eine Gemüsepflanze im Garten zu belassen.

„Expirementieren Sie!“ riet sie den Landfrauen. Die Gärtnerin Anne Rahn, die selbst ohne irgendwelche Chemie im Garten agiert, erinnerte an die Vorteile angeblicher „Schädlinge“: „Wir brauchen die Insekten und auch Blattläuse als Nahrung für unsere Vögel.“  

www.landfrauen-pfalz.de