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Land impft künftig Astrazeneca plus Biontech oder Moderna

Rheinland-Pfalz : Land impft künftig Astrazeneca plus Biontech oder Moderna

Die Stiko hat überraschend ihre Empfehlung zur Corona-Schutzimpfung mit Astrazeneca erneut geändert. Der Schritt stellt ein logistisches Problem für Impfzentren und Hausärzte dar.

(dpa) Rheinland-Pfalz stellt die Corona-Zweitimpfungen bei Astrazeneca in den 32 Impfzentren von Montag an auf Biontech und Moderna um. „Darüber hinaus werden künftig mit Astrazeneca beginnende Impfserien in den Impfzentren in einer verkürzten Frist von mindestens vier Wochen mit einem der mRNA-Impfstoffe beendet“, kündigte das Gesundheitsministerium am Freitag in Mainz an. Am Zeitpunkt der bereits vergebenen Termine für Zweitimpfungen ändere sich aber nichts.

Damit schließe sich Rheinland-Pfalz dem bundesweiten Vorgehen an, über das bei einer Sondersitzung der Gesundheitsminister am Freitag beraten worden sei. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte am Donnerstag überraschend mitgeteilt, dass Menschen, die eine erste Dosis des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca erhalten haben, künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie den von Biontech oder Moderna erhalten sollen. Die Wirksamkeit sei bei dieser Kombination höher und die Frist bis zur zweiten Impfung könne verkürzt werden, erläuterte das Gesundheitsministerium.

Die erneute Änderung der Empfehlungen zum Einsatz von Astrazeneca stelle das Land wieder vor große Herausforderungen, sagte Landesimpfkoordinator Daniel Stich (SPD). „In Rheinland-Pfalz betreffen die Änderungen rund 65 000 bereits terminierte Zweitimpfungen in den 32 Impfzentren.“

Die Landesvorsitzende des Hausärzteverbands, Barbara Römer, sagte, diese Kombination zum Schutz vor einer Infektion mit der sich ausbreitenden Delta-Variante sei medizinisch sinnvoll, sehr effizient und in den Hausarztpraxen „schon jetzt individuell gelebte Praxis“. Der Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf sei aber auch bei zwei Impfungen mit Astrazeneca oder mit Biontech äquivalent.

„Mit dieser vollkommen unabgestimmten Meldung stürzt die Stiko bundesweit ohne jede Not Arztpraxen in ein logistisches Impfchaos“, kritisierte Römer. Die nicht abgestimmte Kehrtwende der Impfkommission erschüttere zum wiederholten Mal das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen in die Impfkampagne schwer, der Schaden sei immens. Der Beratungsbedarf in den Praxen sei „erneut explodiert“ und die Umplanung langfristig abgestimmter Zweitimpfungen führe zu organisatorischem Chaos.

Im Impfzentrum in Zweibrücken hat die aktuelle Entwicklung am Freitag für teils heftige Diskussionen gesorgt. Impfkoordinator Matthias Freyler sprach von „harschen Streitgesprächen“. Zudem scheint die Impfkampagne ins Stocken zu geraten, die Wartelisten seien nahezu leer.

(dpa)