1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Esther Bejarano in Zweibrücken: KZ-Überlebende trägt sich in Goldenes Buch ein

Esther Bejarano in Zweibrücken : KZ-Überlebende trägt sich in Goldenes Buch ein

Zeitweilig war es gestern Vormittag mucksmäuschenstill in der Aula des Hofenfels-Gymnasiums. Und das, obwohl sie mit Schülern aller Klassenstufen voll besetzt war. Der Grund: Esther Bejarano, Zeitzeugin des Nazi-Terrors und Überlebende des KZ Auschwitz, war zu Gast, um den Gästen aus ihrem Buch „Erinnerungen“ vorzulesen und gemeinsam mit der Microphone-Mafia (mit Sohn Joram Bejarano und Kutlu Yourtseven) auch musikalisch ein Zeichen zu setzen.

Was die 93-Jährige vorlas, erinnerte zeitweise an dramatische Filme über den zweiten Weltkrieg und doch – und das war wohl auch das Erschreckende, was zu bestürzten Gesichtern unter den Schülern führte – war es eben genau das, was es damals war. So erzählte Esther Bejarano wie schon am Vorabend in der Alexanderskirche in Zweibrücken von der Fahrt in überfüllten Wagons ins Sammellager. „Man wusste nicht, wohin die Reise ging. Viele alte und kranke Menschen starben noch auf der Reise“, las sie vor. Dann berichtete sie von dem ersten Aussortieren mit dem direkten Ticket in die Gaskammer, während die Arbeitsfähigen, entkleidet, rasiert und ihrer Identität beraubt wurden. „Unsere Namen wurden abgeschafft, wir waren nur noch Nummern.“ 41948 war Esther Bejarano schließlich nur noch. „Niemand von uns wusste, ob und wann man in die Gaskammer geschickt wurde“, erzählte sie weiter und schilderte eindrucksvoll von dem Glück im Unglück, das ihr wiederfahren war, indem sie Mitglied des Mädchenorchesters wurde, obwohl sie das gewünschte Instrument – das Akkordeon – nie zuvor gespielt hatte. Doch irgendwie gelang es ihr und so rettete ihr ausgerechnet die Musik zunächst das Leben. Bejaranos dramatische Reise ging weiter und sie nahm die gesamte Aula mit auf diesen Weg bis zur Flucht und die Befreiung durch die amerikanischen Streitkräfte. „Es war nicht nur meine Befreiung, es war meine zweite Geburt“, erklärte sie, bevor sie mit ihren Begleitern auch musikalisch die Bühne eroberte. Dass es sich bei solch einem Besuch um eine große Ehre handelt, wusste auch die Stadt Zweibrücken. Darum überraschte sie Bürgermeister Christian Gauf auch mit einem besonderen Wunsch: Esther Bejarano solle sich doch im Goldenen Buch der Stadt verewigen.