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Kunst AG des Hofenfels-Gymnasiums

Kunst AG des Hofenfels-Gymnasiums : Kreativ drucken und gestalten

Das Erlebnis-Druckmuseum ist ein Eldorado für die Kunst-AG des Hofenfels-Gymnasiums. Als einzige Schule in Rheinland-Pfalz von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert, können die Schülerinnen und Schüler hier Drucktechniken erproben, mit Elementen spielen und sich kreativ ausleben. Auf hohem Niveau.

An jedem Freitagnachmittag erwacht die ehemalige Druckerwerkstatt von Kurt Werle, in der früher der Pfälzische Merkur entstand, zu neuem Leben. Die Zweibrücker Kunsterzieherin Iris Seyler nutzt das daraus entstandene Erlebnis-Druckmuseum, um mit den Schülerinnen und Schülern ihrer Jahrgangsstufen übergreifenden Kunst-AG des Hofenfels-Gymnasiums darin zu wirken. Die Lehrerin beschreibt: „Die Kunst-AG möchte über den Zeitraum eines Schuljahres künstlerische Arbeiten mit Bleilettern und typografischen Gestaltungselementen des klassischen Buchdruckverfahrens ausführen.“

Dabei kommen unterschiedliche Drucktechniken wie Hoch-, Tief- oder Materialdruck zum Einsatz. Bei der Kombination der Druckgrafiken mit Schrift unterstützt der erfahrene Schriftsetzermeister Kurt Werle, einer der letzten seiner Art, die jungen Künstler. Die neunköpfige Gruppe ist sich einig: „Wir profitieren enorm von seinem Wissen.“

Mit diesem Projekt soll der jüngeren Generation das traditionsreiche und mittlerweile nahezu ausgestorbene Handwerk der Druckkunst und darüber hinaus die klassischen Buchdruckverfahren mit beweglichen Lettern und die über 500 Jahre alte Entwicklungsgeschichte nahe gebracht werden.

Was in der Beschreibung so trocken klingt, vermag die 14- bis 18-jährigen Jungkünstler zu begeistern und zu kreativen Höhenflügen zu inspirieren. „Die Gruppe ist ein Selbstläufer“, lacht Iris Seyler. Sie selbst staunt immer wieder über die Vielfalt an Ideen und die regelrecht professionelle Umsetzung. Aktuell druckt die AG verschiedene Plakate. „Man kann so vieles ausprobieren, mit den verschiedenen Elementen spielen. Es macht einfach Spaß“, bestätigt Johanna Baier und die Gruppe nickt. Es gebe kein „richtig“ oder „falsch“.

In „Mut zum Plakat“ werden Lettern unterschiedlicher Schriftarten und Größe verwendet und farblich gestaltet. Sowohl bildlich als auch textlich sowie über den Farbverlauf von Gelb über Grün zum Blau verwandelt Janosch Fuhrmann eine Banane in einen Fisch. Zu „Vasistas“, der französischen Übersetzung der deutschen Frage „Was ist das?“ in „Kippfenster“, haben gleich mehrere Schüler ein Plakat gestaltet. Außerdem haben sie die meistgestellte Frage ihrer Lehrerin in Lettern umgesetzt: „Wo sind meine Schlüssel?“

Das Grafik-Talent Lucas Mendes (17) hat einen Teil der Drucke zudem zeichnerisch ausgestaltet, wie etwa „Affengeil“. „Ich hab mich davor intensiv mit Affen beschäftigt“, ging der interessierte Zwölftklässler gleich in die Tiefe und kupferte nicht etwa nur Bilder ab. Einfacher ging es mit der „Kröte“, die einen Tierkörper als „ö“ erhielt.

Kurt Werle freut sich, dass seine ehemalige Werkstatt von den jungen, interessierten Menschen so eifrig genutzt wird. Der 82-Jährige ist von den Ergebnissen ebenso begeistert, wie die Schüler selbst. Diese sind sehr dankbar, dass sie die Möglichkeit im Druckmuseum haben. Vielen fällt es schwer, ihr Lieblingsplakat für das Zeitungsfoto auszuwählen. Dabei sind die Plakatdrucke nicht das einzige Projekt, an dem die Schüler arbeiten. „Katharina schreibt ein Buch, das wir dann illustrieren und binden“, berichtet Lou Rottländer. Auch darauf darf man gespannt sein.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz vergibt jedes Jahr im Rahmen des Schulprogramms „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“ Zuwendungen an Projekte, bei denen sich Schülerinnen und Schüler mit Denkmälern und anderen Aspekten des Kulturerbes auseinandersetzen. Zum Schuljahr 2021/22 wurden bundesweit 59 Schulen aus 13 Bundesländern für die Teilnahme ausgewählt. Darunter war auch das Hofenfels-Gymnasium als einzige Schule in Rheinland-Pfalz, das mit der Kunst-AG unter Leitung von Iris Seyler für das Projekt „Gutenbergs Erbe für Digital Nativs“ eine Förderung von 1900 Euro erhält. „Von diesem Geld konnten wir Farbe und weiteres Material anschaffen“, freuen sich die Teilnehmer. Alle hoffen, dass sie sowohl am Tag der Druckkunst, 15. März, zu einem „Tag der offenen Tür“ ins Druck-Erlebnismuseum in der Luitpoldstraße einladen können sowie auf eine Ausstellung im Oktober in der Bibliotheca Bipontina.