Kultur in der Himmelsbergkapelle : Weggehen, Evakuierung, Wiederkommen

Am Dienstagabend liest die pfälzische Autorin Sigrid Georgine Stemler in der Himmelsbergkapelle aus ihrem biografischen Roman „Nahe der Grenze“. Er entstand aus den Erinnerungen und Erzählungen ihrer Mutter, die im Kuseler Land beide Weltkriege miterlebt hat.

Karg geht es zu in den Dörfern und Weilern im französisch-deutschen Grenzgebiet zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Familien sind groß, Verdienstmöglichkeiten und Versorgungslage schlecht. Berthas Mutter stirbt an Auszehrung kurz nach der Geburt ihres zehnten Kindes. Der Vater zieht die Kinder im Schatten des Ersten Weltkrieges groß, streng, aber gerecht. Drei Brüder lassen ihr Leben im Krieg. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges muss Bertha hochschwanger ihren Heimatort verlassen. Außerdem ist die Mutter gezwungen ihre vierzehnjährige, älteste Tochter in der Dienstverpflichtung zurückzulassen. Die Odyssee der Familie durch die deutschen Lande, die Vielzahl der Gefahren und Entbehrungen, aber auch glückliche Momente der Gemeinsamkeit schildert Sigrid Georgine Stemler in ihrem biografischen Roman „Nahe der Grenze“. Die Autorin will damit ein bewegendes Zeugnis eines Familienschicksals in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit und dem beginnenden Wirtschaftswunder geben. Vorwiegend spielt der Roman in der Großregion.

„Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir bereit sind, uns auch Themen anzuschauen, denen wir sonst gerne aus dem Weg gehen“, weiß Pfarrerin Elisabeth Brach. Deshalb hat die Vorsitzende des Fördervereins „Kultur in der Himmelsbergkapelle“ die Autorin Sigrid Georgine Stemler auch für den morgigen Dienstag, 9. April, um 19 Uhr zu einer Lesung dort eingeladen.

„Frau Stemler hatte sich bei uns gemeldet und gefragt“, erzählt die Pfarrerin, die sich freut, dass zunehmend kulturelle Angebote an den Verein herangetragen werden. Geschrieben hat die Autorin aus dem Kreis Kaiserslautern den autobiografischen Roman aus den Erinnerungen und Erzählungen ihrer Mutter – eine Art persönliche Familienchronik, die sie als Buch vielen Lesern zugänglich macht.

Ihre Mutter hat in Hilst im Kuseler Land gelebt und dort die beiden Weltkriege miterlebt. So thematisiert das Buch auch „Weggehen – Evakuierung – Wiederkommen“. „Das sind Themen, die viele Menschen in Zweibrücken und dieser Region und anderswo auch so erlebt haben“, erwartet die Pfarrerin eine große Resonanz auf die Autorenlesung.

Auch das aktuelle Flüchtlingsthema in Deutschland wird davon berührt. In der Pause sowie zum Ausklang des Abends besteht die Gelegenheit, bei Getränken mit der Autorin sowie miteinander ins Gespräch zu kommen. „Dabei dürfen gerne auch eigene Erlebnisse geteilt werden“, bietet die Winterbacher Pfarrerin an. Außerdem kündigt sie noch eine Überraschung im Anschluss an die Lesung an. Der Eintritt ist frei, eine Spende zu Gunsten des Vereins wird dankend angenommen.