2nd Bridge Blues Band : Blues zum Gedenken an Otmar Klein

Die 2nd Bridge Blues Band bewies bei ihrem Konzert in der Himmelsbergkapelle, dass der Blues am Schwarzbach zuhause ist.

Vor einem Jahr starb Otmar Klein, Mitglied der 2nd Bridge Blues Band. Der Verein „Kultur in der Himmelsbergkapelle“ nahm dieses Datum zum Anlass, für den bekannten und beliebten Musiker einen Gedenkabend zu veranstalten.

Schon weit vor Beginn des Konzertes platzte die Kapelle aus allen Nähten, neue Stühle wurden aufgestellt, und doch bekamen einige Besucher nur einen Stehplatz. Zu Anfang ging es weit zurück in die Zweibrücker Geschichte, zur Stunde Null, den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Zweibrücken lag in Trümmern und eine neue Generation machte sich an den Wiederaufbau. Neue Töne waren in Zweibrücken zu hören, auch bedingt durch die Besatzungsmächte. Der Soldatensender CFNZ – Canadian Forces Network Zweibrücken – sendete Lieder von Elvis und Co., die den damals 16-jährigen Wolfgang Ohler begeisterten. „Der Wunschtraum seit meiner Jugend war es, einmal zu einer Bluesband zu gehören“, sagte er.

Auf die Erfüllung seines Traumes musste er lange warten. Doch 2004 war es endlich soweit: Zusammen mit der 2nd Bridge Blues Band brachte er eine CD „Kalte Krieger“ heraus, zu der er die Texte beisteuerte. Eine Einführung in das Lebensgefühl dieser Zeit lieferte der Titel „Halbstark“, gefolgt vom „Schwarzbachblues“, eins der Lieblingsstücke von Otmar Klein, der Blues immer als Existenzphilosophie in Noten begriffen hätte, so Ohler.

Dass Blues mehr ist als Tristesse und Elend bewies das Lied „Die Lieb ist fort“, in dem sich Ärger und Trotz über eine verlorene Liebschaft mischten. „Otmar meinte immer, ein Bluesstück müsste einfach sein, in Melodie und Text“, kommentierte Ohler, bevor er sich als „Storyteller“ selbst auf die Bühne stellte, zum Lied „Traumpfade“. „Es gibt Wege, die führen aus der Zeit hinaus“, sagte er zu seinen Spaziergängen durch die Heimatstadt. Der Exerzierplatz, einst militärisch genutzt, nach dem Krieg ein Trümmerfeld, sei heute eine Skateranlage sinnierte er.

Gefühlvoll ging es weiter, als Karin, Otmars Frau, die Bühne betrat und mit „Flieg mich zum Mond“ eine sehr persönliche Version von „Fly me to the Moon“ zu Gehör brachte. Ins Hier und Jetzt führte der zweite Teil des Konzertes, in der die 2nd Bridge Blues Band ihr ganzes musikalisches Können ausspielte. Auf der Bühne standen Herren im besten Seniorenalter, die vor Energie sprühten und die mit ihren deutschen Texten die Tücken des modernen Lebens aufs Korn nahmen. „Wir zeigen, dass Blues auch eine ironische Seite haben kann“, sagte Sänger Rolf Lehberger, „für uns ist Blues auch Partymusik“.

Und schon legten sie los, analysierten den mickrigen Füllstand von Chipstüten und stellten den Freund vor, der trotz schicken Cabrios und junger Geliebter etwas zum Jammern findet. Dass der Blues auch die Musik gestandener Männer sein kann, die sich selbst nicht so ernst nehmen, bewiesen die Bandmitglieder mit dem witzigen „Ü 40 Blues“, dessen erste Zeilen lauten: „Ich bin jetzt über 40 und spür mein rechtes Knie...“ Ganz frisch trotz seines langen Musikerlebens präsentierte sich Helmut Duden am Bass, der nach 30-jähriger Bandpause neu zur 2nd Bridge Blues Band gekommen ist. „Er hat die Finger eines 20-Jährigen“, meinte Rolf Lehberger. Doch auch die beiden anderen Musiker der Band, Andi Rumpf an der Gitarre und Marc Kambach am Schlagzeug, zeigten ein variantenreiches Spiel und musikalische Perfektion. Spielerisch meisterte die Band die Blues-Stücke mit Jazz-Anklägen.

Das Publikum belohnte das mit lang anhaltendem Applaus. „Heute morgen wach ich auf und mein Schatz ist nicht mehr da“, sang Rolf Lehberger in der Zugabe. Ein typischer Blues, konnte man meinen – bevor man erfuhr: die Liebste war nur Brötchen holen. Diese witzigen, sich selbst nicht so ernst nehmenden Texte sind ein echtes Markenzeichen der Band. Und das kam in der Himmelsbergkapelle gut an.

Das nächste Konzert des Vereins Kultur in der Himmelsbergkapelle findet am Freitag, 24. Mai, statt. Dann präsentiert das Himmelsbergchörchen Lieder und Spirituals.