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Künstlerin Leslie Huppert bietet Kurse in JVA Zweibrücken an

Leslie Huppert bietet Kurse in der JVA Zweibrücken an : Mit dem Pinsel zu mehr Selbstwertgefühl

Die Künstlerin Leslie Huppert bietet für die Gefangenen der JVA Zweibrücken einen besonderen Kurs an.

Jeden Samstag öffnet sich in der Zweibrücker Justizvollzugsanstalt ein Fenster in die Freiheit. Dann beschäftigen sich die weiblichen Häftlinge mit dem Thema „Zuhause in mir“. Angestoßen hat das Kunstprojekt Leslie Huppert, die als Freie Künstlerin im Saarland und in der Pfalz arbeitet. „Die Frauen sind super“, sagt Kursleiterin Huppert begeistert, „sie sind total fleißig und konzentriert, dabei voller Ideen“.

Die Künstlerin erarbeitete im Rahmen des Förderprojektes „Jedem Kind seine Kunst“ des Landes Rheinland-Pfalz ein Konzept, das sie nun in der JVA Zweibrücken umsetzt. Über mehrere Stunden können die Insassinnen eigene Werke erschaffen. „Als Häftling ist man aus der Gesellschaft ausgeschlossen und von seinen Liebsten getrennt“, bemerkt Leslie Huppert, „somit bekommt der Begriff Heimat eine neue Bedeutung.“

Der einzige Ort, an dem die Gefangenen ihre Gedanken, Hoffnungen und Träume bewahren könnten, sei der eigene Kopf. Diese Ideen von dort aufs Papier oder die Leinwand zu bringen ist die Aufgabe der Kursteilnehmerinnen. Und so sind Bilder von Freunden, geliebten Menschen, Kindern oder Tieren entstanden.

Das gestalterische Können ist in einer gemischten Gruppe natürlich unterschiedlich ausgeprägt. Für die Anfängerinnen ohne jegliche Vorerfahrung fotografiert Leslie Huppert die Motive zunächst ab. Danach werden sie elektronisch bearbeitet und anschließend mittels eines Beamers als Vorlagen auf Leinwände projiziert. Im Anschluss können sie farblich ausgestaltet werden. Fortgeschrittene Teilnehmerinnen zeichnen und malen selbstständig, meist ohne Projektor. „Diese Vorgehensweise ermöglicht es den Gefangenen relativ schnell, gute Ergebnisse zu erreichen, selbst wenn sie bisher keine künstlerische Erfahrung haben“, erklärt Huppert.

Gerade bei Menschen, die nur schwer Geduld aufbringen und nicht die beste Frustrationstoleranz aufweisen, biete sich diese Technik an. Die Teilnehmerinnen seien stolz auf ihre Ergebnisse und können sich somit selbst motivieren. „Ich stelle oft einen Zugewinn an Selbstvertrauen fest. Überhaupt haben wir hier in der JVA eine tolle Arbeitsatmosphäre, die Frauen helfen sich gegenseitig. Wenn Teilnehmerinnen aus dem Kurs ausscheiden, weil sie entlassen werden, helfen die Frauen, die schon länger im Kurs sind, denen, die neu hinzukommen“, so Huppert weiter.

Die Künstlerin hat schon mehrere Projekte mit Strafgefangenen durchgeführt, zum Beispiel mit jungen Insassen der Justizvollzugsanstalten Saarbrücken und Ottweiler. Immer wieder ist sie erstaunt darüber, wie viel Kreativität bei den Kursteilnehmern frei wird. Menschen, die ihr Leben lang die Erfahrung gemacht hätten, dass sie nichts wert seien, könnten plötzlich aus dem eigenen erfolgreichen künstlerischen Schaffen ein enormes Selbstvertrauen ziehen. Sie habe mit jungen Strafgefangenen zu tun gehabt, die als schwierig galten, die nach Ansicht von Erziehern Probleme mit der Aufmerksamkeit hätten und die dann in ihrem Kurs mit unendlicher Geduld und Konzentration ihre eigenen Projekte fertigstellten.

Leslie Huppert, die selbst schon zahlreiche Ausstellungen und Kunstprojekte im In- und Ausland verwirklichte, sieht ihre Arbeit in Gefängnissen als soziale Plastik. Der Begriff bezeichnet eine Kunst, die den Anspruch verfolgt, auf die Gesellschaft gestaltend einzuwirken. Der Ansatz der Künstlerin, den Menschen im Gefängnis ihre eigene Kreativität nahezubringen und sie in ihrem Selbstvertrauen zu stärken, könnte durchaus auch Auswirkungen auf das Leben nach der Haft haben.

Durch die aktuelle Corona-Pandemie konnte der Kurs nicht immer im Präsenzunterricht stattfinden. An einigen Terminen mussten die Teilnehmerinnen per Skype mit ihrer Kursleiterin online kommunizieren.

Der erneute Lockdown verhinderte auch den geplanten Besuch von Konrad Wolf, Kulturminister in Rheinland-Pfalz und RLP-Justizminister Herbert Mertin. Sie wollten der JVA Zweibrücken einen Besuch abstatten und sich über das Kunstprojekt informieren.