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Krebssportgruppe der VT Zweibrücken

Krebssportgruppe der VT Zweibrücken : Sport ist die halbe Miete

Seit 32 Jahren erhalten Frauen nach ihrer Krebs­erkrankung neue Fitness und Lebensfreude in der Krebssportgruppe der VT Zweibrücken. Sie traf die Zeit der Corona-Pause besonders hart.

„Hurra, wir leben noch!“ Wenn die „Sportgruppe nach Krebs“ bei der VTZ auf einen persönlichen Geburtstag oder, wie vergangenen Mittwoch, auf den 32. Jahrestag anstößt und das (Über)leben feiert, ist das von besonderer Bedeutung. Denn tatsächlich vermittelt Hilde Grigat, nach dieser Zeit die langjährigste Übungsleiterin der VTZ, noch viel mehr als körperliche Fitness. „Es ist eine Gemeinschaft, die uns trägt, die uns Lebensmut und Lebensfreude schenkt. Und die Art, wie sich Hilde um uns kümmert und was für uns tut, ist einfach einmalig. Dafür sind wir ihr auf ewig zutiefst dankbar“, betonen die Frauen.

Gisela Wedekind, die bereits 1976 die Diagnose „Brustkrebs“ erhielt, ist von Anfang an dabei. „Damals wurde man ja völlig allein gelassen damit“, erinnert sie sich. So zählt die mittlerweile 81-Jährige zu den „Weisen“, von deren Lebenserfahrung die Jüngeren oder Neulinge lernen und sich auffangen lassen können. „Wer über seine Krankheit sprechen möchte, findet Gehör und Unterstützung. Wer nicht mag, wird nicht danach gefragt“, beschreibt Hilde Grigat, die Anfang Dezember ebenfalls 80 Jahre alt wird, den Umgang.

Wer sich den Altersdurchschnitt der insgesamt 16 Aktiven von Mitte 40 bis über 80 Jahren und dann das sportliche Programm anschaut, kann nur staunen. Hilde Grigat, Übungsleiterin mit Leib und Seele, fordert ihre Gruppe auf abwechslungsreiche Weise, am Boden, im Stehen und in der Fortbewegung, mit Trainingsgeräten wie Reifen, Keulen, Terrabändern oder Pezzibällen. Besonders beliebt sind die Rhythmusspiele mit den aus mit Sand gefüllten Joghurtfläschchen selbst gemachten „Brasil“-Shakern. „Die trainieren die inneren Oberarm-, Brust- und Schultermuskeln, und zu fetziger Musik macht es so viel Spaß“, strahlt die Übungsleiterin.

Doch auch die kleine Formation mit Hula-Hoop-Reifen zu „Dornenvögel“ brachte die Gruppe ins Schwitzen und zum Lachen. „Ich bin voller Respekt, wie beweglich und ausdauernd die Seniorinnen sind und welche Koordination sie haben“, staunt Carmen La Gaipa bis heute. Die jetzt 55-jährige Unternehmerin aus Elversberg kam vor neun Jahren zu der Zweibrücker Gruppe. Sie sagt: „Sie sind für mich ein Vorbild. Ich habe gedacht, wenn sie alle mit so viel Lebensfreude altern und dabei so fit sind, kann ich das auch.“ Für sie ist besonders wichtig, sich die Auszeit zu nehmen und gut auf sich zu achten und nicht, wie früher, nur im Unternehmen und Familie zu funktionieren. „Das Kontaktverbot war eine Katastrophe für uns“, bestätigen auch die übrigen Damen. Trotz der wöchentlichen Übungsanleitungen per WhatsApp hätten sich die Muskeln merklich abgebaut und vor allem die Gemeinschaft habe extrem gefehlt. „Bei uns wird halt nicht gejammert, denn jedem tut mal irgendetwas weh. Wir sitzen alle im selben Boot“, erklärt Ingelore Krieger, die stellvertretende Übungsanleiterin für Wassergymnastik. Alle hoffen, auch diese im ehemaligen evangelischen Krankenhaus bald wieder aufnehmen zu können. „Sie tut auch beleibteren oder steiferen Frauen gut, weil sie sich dort durch den Wasserauftrieb leichter bewegen können“, erklärt Hilde Grigat.

Die Kombination von Wasser und Land brachte vor drei Jahren auch Ingrid Stadtler aus Waldmohr und 2019 ihre Freundin Marita Eckel nach Zweibrücken. Die beiden finden „toll, dass beides in derselben Gruppe stattfindet“. Die VTZ-Krebs-Sportgruppe lockt sogar Frauen aus dem benachbarten Frankreich nach Zweibrücken. Dabei erfahren sie auf privaten Wegen davon, wenngleich nach Aussage von Hilde Grigat alle Gynäkologen informiert seien. Doch auch hier, wie auf jedem Heilungsweg, seien Selbstverantwortung und Eigeninitiative gefordert. Dazu trägt der Zusammenhalt in der Gruppe bei. So schwärmen alle von den gemeinsamen Reisen nach Rom, Wien, Prag oder Straßburg, von Ausflügen zu Weihnachtsmärkten oder den jährlichen Weihnachtsfeiern.

Doch auch im Leid hält die Krebssportgruppe zusammen. „Wir waren schon mal weit über 30“, erinnern sich die Urgesteine. Viele seien mittlerweile gestorben. Um die Gruppe auch dabei kompetent führen zu können, hat Hilde Grigat eine Fortbildung in Trauerbegleitung gemacht. Doch viel lieber zelebrieren die Damen ihre Lebensfreude und wünschen sich noch viele gemeinsame Jahre. Hilde Grigat weiß: „Sport ist dabei die halbe Miete!“

Übungsstunden der VTZ-Krebssportgruppe: mittwochs, 9.30 bis 10.30 Uhr, Wassergymnastik; freitags von 16 bis 17 und 17 bis 18 Uhr ruht aktuell; Interessierte dürfen im Rahmen der 3G-Regel einfach „schnuppern“ kommen. Infos und Anmeldung bei Hilde Grigat, Tel. (0 63 32) 1 71 49.