Gegen Zweibrücker Saatkrähen-Population Ratsmitglied für Einsatz von Falken in Allee

Zweibrücken · Die Stadt lehnt den Wunsch von Patrick Lang (FWG) nach Infotafeln in Sachen Ästlingen ab, was diesen verwundert und „enttäuscht“. Lang plädiert mit Blick auf das kommende Jahr dafür, zwecks Vergrämung der Krähen den Einsatz von Falken in der Allee zu prüfen.

 Turmfalke Philipp sitzt erhaben auf der Hand einer Falknerin. Saatkrähen fürchten die Falken, etliche Kommunen setzen sie daher im Kampf gegen ausufernde Krähen-Populationen ein. Teils mit Erfolg (siehe Info-Box).

Turmfalke Philipp sitzt erhaben auf der Hand einer Falknerin. Saatkrähen fürchten die Falken, etliche Kommunen setzen sie daher im Kampf gegen ausufernde Krähen-Populationen ein. Teils mit Erfolg (siehe Info-Box).

Foto: dpa/Daniel Karmann

Den Kleinen helfen – aber sich nicht von den Großen auf dem Kopf herumtanzen lassen. Das ist die Einstellung von Patrick Lang in Sachen Saatkrähen. Das FWG-Ratsmitglied ist bereits seit Monaten in dieser Richtung aktiv, die Situation in der Allee treibt ihn um.

Auf der einen Seite sucht Lang eine Lösung für die Nachwuchstiere, die sogenannten Ästlinge, die immer wieder bei ihren ersten Flugversuchen auf den Boden purzeln; auf der anderen Seite hat er bereits wiederholt Vorschläge für ein wirksames Vorgehen gegen die ausufernde Population in der Flaniermeile gemacht.

Lang darf für sein Engagement keine Lorbeeren erwarten. Denn das Thema Saatkrähen ist emotional aufgeladen, die Fettnäpfe stets in Reichweite. Die einen sind die vielen Tiere leid und würden sie nur allzugerne vertreiben, andere hingegen schätzen die pechschwarzen Vögel und fordern, dass der strenge Schutz, unter dem sie stehen, gewahrt wird.

Auch in Bezug auf die Verwaltung rennt Lang nicht zwingend offene Türen ein, wie eine Antwort der Stadt auf seine Anfrage in der jüngsten Ratssitzung hin deutlich macht. Das FWG-Mitglied wollte wissen, ob es nicht möglich sei, dass das Rathaus an allen vier Abschnitten der Allee (Rosengartenstraße und Gestütsallee von der Fußgängerzone bis zur Schließ, durchschnitten von der Saarlandstraße) Infotafeln anbringt, die die Passanten für die Situation der Ästlinge sensibilisiert (wir berichteten)?

Die Reaktion der Stadt fällt kurz und knapp aus, wie Lang im Gespräch mit dem Merkur berichtet. In dem Antwortschreiben heißt es: „Da die diesjährige Brut- und Aufzuchtphase abgeschlossen ist, erübrigt sich derzeit eine entsprechende Beschilderung. Aber auch für die nächste Saison beabsichtigt die Verwaltung keine weiteren Schilder aufzustellen.“

Die Stadt weist daraufhin, dass bereits an allen vier Abschnitten der Allee beidseits, also auf insgesamt acht Tafeln, schon auf die Gefahr herabfallender Äste und niedergehenden Kotes hingewiesen wird; kämen nun noch Infotafeln bezüglich der Ästlinge hinzu, wäre „eine Überbeschilderung“ die Folge. Diese führe dann leicht dazu, dass Passanten gar keine Schilder mehr zur Kenntnis nähmen. Abschließend erklärt die Stadt: „Um dies zu vermeiden, wird die Verwaltung im nächsten Jahr eine aktivere Öffentlichkeitsarbeit bezüglich des Umgangs mit Ästlingen betreiben.“

Lang befriedigt diese Antwort nicht. „Diese Gefahr der Überschilderung sehe ich überhaupt nicht“, erklärt er. „Das wären gerade jeweils zwei Schilder an allen Abschnitten der Allee. Da kann man doch nicht von ,Überschilderung’ sprechen!“ Teuer wäre die Maßnahme auch nicht, betont er, Lang schätzt die Gesamtkosten für acht Tafeln auf maximal ein paar hundert Euro. „Das sollte uns für Naturschutz nicht zu viel sein“, mahnt er.

Das FWG-Ratsmitglied sagt, es sei „enttäuscht“ über die Antwort der Stadt. Das gelte auch für Vanessa Carstens von der Wildvogelhilfe, die gemeinsam mit ihrem Mann immer wieder Ästlinge, die Bürger in der Allee aufklauben und zu ihr bringen, in Obhut nimmt, sagt Lang. Er habe mit Carstens gesprochen. „Es wäre für sie und ihren Mann eine Entlastung, wenn Schilder darüber informieren würden, dass die Ästlinge in Ruhe gelassen werden sollten.“ An manchen Tagen, bringt Lang in Erinnerung, erhalte Carstens bis zu 20 Anrufe besorgter Bürger, die Ästlinge auf dem Boden hocken sehen (wir berichteten).

Die Bürger müssten wissen, dass man die Tiere nicht angreifen solle. „Jedes Tier, das aufgegriffen wird, obwohl das nicht nötig wäre, ist zum Tode verurteilt,“ warnt Lang. Die Elterntiere würden nach einer gewissen Zeit zu ihrem Nachwuchs hinunterflattern und den Ästling so lange am Boden versorgen, bis sich dieser wieder aufrappeln könne.

Woher sollten das Passanten wissen, wenn sie nicht mittels Infotafeln informiert würden? Nicht jeder lese Zeitung und kenne die Hintergründe, gerade Tagestouristen seien meist nicht im Bilde.

Lang sagt, die Stadt habe diesmal zwar „recht schnell auf eine Anfrage geantwortet, binnen 14 Tagen“ (Lang hatte zuletzt lange Antwortzeiten kritisiert, wir berichteten) – aber die Antwort selbst sei dann doch nichtssagend. Der FWG’ler findet, die Antwort zeuge davon, „dass sich die Stadt nicht viel Gedanken gemacht hat.“

Gedanken macht sich Lang indes über die ausufernde Krähen-Population in der Allee. Die Nachwuchstiere zu schützen, sei selbstverständlich. Aber ohnmächtig zuzuschauen, wie die Kolonie von Jahr zu Jahr wächst (mittlerweile hat die Zahl der Horste nach Schätzung des UBZ die 1000er-Marke überschritten) sei der falsche Weg. Lang weiß um den strengen Schutz, unter dem die Tiere stehen; er beobachtet aber auch, dass mittlerweile etliche Kommunen im Kampf gegen diese auf Falken setzen – die natürlichen Feinde der Krähen. Das schwebt Lang auch für Zweibrücken vor. „Ein Erfolg wird sich gewiss nicht von heute auf morgen einstellen – aber wir müssen tätig werden“, mahnt er. Der FWG’ler schätzt, dass die Turmfalken „über einen Zeitraum von rund zehn Jahren“ eingesetzt werden müssten, um nachhaltig die Saatkrähen-Population einzudämmen. Besonders wirksam sei es wohl, Turmfalken am Turm der Heilig-Kreuz-Kirche anzusiedeln. „Ich habe mit dem Naturschutzbund darüber gesprochen, dort hieß es, ein solches Vorgehen wäre akzeptabel“, sagt das Ratsmitglied. „Es ist wichtig, künftig einen natürlichen Gegner aufzubauen“, findet Lang.

 Patrick Lang, MItglied der FWG im Zweibrücker Stadtrat.

Patrick Lang, MItglied der FWG im Zweibrücker Stadtrat.

Foto: FWG Zweibrücken

Im kommenden Jahr, wenn die Diskussion um die vielen Krähen erfahrungsgemäß neu aufflamme, solle die Stadt handeln.

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