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Konzept für Bebauung am Kirchberg vorgestellt

Baugebiet Kirchberg : Plan beruhigt auch Skeptiker

Der Entwurf sieht lockere Bebauung oder minimale Versiegelung bei dem Gebiet Wohnen am Kirchberg vor. Dennoch setzt der Bauausschuss die Beschlussempfehlung aus. Die Entscheidung über die Aufstellung des Bauplans fällt im Stadtrat.

Eine lockere Bebauung, eine minimale Versiegelung, öffentliche und private Grünflächen, Dachbegrünung der Garagen oder Verbot von Steingärten sind einige Vorgaben, die Planerin Yvonne Volgger vom Büro Agsta Umwelt aus Völklingen für das Baugebiet Wohnen am Kirchberg in Ixheim macht. „Unsere Fraktion ist nicht begeistert von neuen Baugebieten. Wir favorisieren Innenverdichtung und Gebäudesanierung“, erklärte Norbert Pohlmann (Grüne) in der Sitzung des Bauausschusses.

„Aber der vorgestellte Plan ist das ökologischste Konzept für ein Baugebiet“, meinte Pohlmann. Er regte allerdings an, dass man nicht nur eine Dachbegrünung für die Garagen, sondern auch für die Wohnhäuser vorschreiben sollte. Auch Rolf Franzen (CDU) bekannte in der Sitzung, dass er dem Vorhaben „kritisch“ gegenüber gestanden habe. Vor allem wegen der Beeinträchtigung der Kaltluftschneise durch die Bebauung des Hangs oberhalb der Taubenstraße. Doch eine Aussprache mit Gerhard Herz vom Zweibrücker Naturschutzbeirat habe ihn überzeugt, dass die „wesentlichen Kaltluftströme“ erhalten bleiben.

Deshalb habe er seine Haltung „zum Positiven geändert“, betonte Franzen und er sei „auf die Linie der CDU eingeschwenkt“, die schon lange weitere Baugebiete fordere, wie Thomas Eckerlein (CDU) anmerkte. Damit könnte der Wegzug von Zweibrückern verhindert werden. Nach Einschätzung Eckerleins sollte man es nicht bei Empfehlungen für ökologisches Bauen belassen. „Man muss zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen vorschreiben. Franzen forderte zudem neben der bereits vorgesehenen Bepflanzung am südlichen, westlichen und teilweise am östlichen Rand auch eine solche Richtung Taubenstraße festzuschreiben.

Der frühere Baudezernent Franzen monierte, dass der Ausschuss gleich nach der Vorstellung des Plans und der Vorstellung des Klimagutachtens des Meteorologen Rainer Röckle eine Beschlussempfehlung aussprechen sollte. „Üblicherweise sollte man das erst noch einmal in den Fraktionen beraten.“ Dem folgte auch Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) und setzte den Beschluss in der Sitzung aus. Erst im Stadtrat soll ein Beschluss für die Aufstellung eines Bebauungsplans gefasst werden. Dann könnten auch die Anregungen aufgenommen werden.

Zunächst hatte der Meteorologe Röckle eine klimagutachterliche Stellungnahme abgegeben. Wegen der Diskussion um Kaltluftströme beim Verfahren Klimawandel-Anpassungscoach habe man ein solches Gutachten in Auftrag gegeben, erklärte Wosnitza. Nach Aussage Röckles erfolge die Kaltluftzufuhr für Zweibrücken über das Schwarzbach- und Hornbach-, das Bickenalbtal sowie kleine „Seitentälchen“.

Durch die Bebauung des Gebiets auf dem Kirchberg würde die Produktion von Kaltluft an dieser Stelle „reduziert“. Eine Kaltluftzufuhr aus dem Bereich würde ebenfalls verringert. Allerdings gebe es keine „Fernwirkung“ für die Zweibrücker Kernstadt. Über die Grünfläche im Baugebiet, die Rote Klamm und den Sportplatz fließe weiter Kaltluft nach Ixheim. Betroffen seien die Anwohner der direkt angrenzenden Tauben- und Keltenstraße.

Es gebe bei solchen Auswirkungen keine Grenzwerte wie zum Beispiel bei der Lärmbelastung, sagte Röckle, aber man könne Planhinweise in Bebauungspläne aufnehmen. Auch der Klimawandel-Anpassungcoach Christian Kotremba hatte in einer Stellungnahme – kein Klimagutachten – formuliert, dass ein solches Baugebiet nur umgesetzt werden soll, wenn eine Kaltlufteinfuhr durch Baumaßnahmen gewährleistet bliebe. Zum Beispiel durch geringe Versiegelung oder durch die Ausrichtung der Häuser.

Aufbauend auf Röckle habe sie den Vorentwurf erstellt, sagte Volgger in der Bauausschusssitzung. So werde die Ringstraße, die das Gebiet erschließt lediglich sechs Meter breit. Weiter dürfen Hausvorflächen nicht versiegelt werden, stattdessen sollen Rasengittersteine verwendet werden, und es dürfen keine Schottergärten entstehen. Auch geschlossen Mauern oder hohe Zäune und Hecken sind in dem Gebiet verboten.

„Wird das auch alles kontrolliert?“, fragte Franzen. In dem Gebiet werden Grünflächen, eine Fläche für Regenrückhaltung und ein Spielplatz angelegt. Zudem wurde die Zahl der Grundstücke auf 46 reduziert. Die Grundstücke sind zwischen 550 und 850 Quadratmeter groß. Eines sogar 1000 Quadratmeter. „Sind die nicht zu groß?“, fragte Thomas Körner (FWG). Nach seiner Erfahrung gehe der Trend Richtung 400 Quadratmeter. Kleinere Grundstücke widersprechen der Vorgabe einer aufgelockerten Bebauung, meinte Franzen. Als Ausgleich für das Baugebiet verzichtet die Stadt auf die mögliche Ausweisung eines Baugebiets Beckerswäldchen/Am Ölkorb. Das bleibt weiter Grünland.