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Knallbunte Version des Mittelalters

Knallbunte Version des Mittelalters

Ritchie Blackmore kennt man als soliden Hardrocker von Deep Purple. Doch sein aktuelles Projekt „Blackmore's Night“, bei dem er mit seiner hübschen Frau auf der Bühne steht, klingt ganz anders. Wer das nicht wusste, traute am Sonntag in der Zweibrücker Festhalle seinen Ohren nicht.

Ein Deep-Purple-Konzert hätte sicher weniger Fragen aufgeworfen. Die Ex-Band von Ritchie Blackmore spielt ja heute noch soliden Hardrock wie eh und je. Warum aber tut sich Blackmore das an? "Das", das ist seine aktuelle Band "Blackmore's Night", die am Sonntagabend in der ausverkauften Zweibrücker Festhalle gastierte. "Wer das noch nicht weiß, hat die letzten zwanzig Jahre verpennt", meinte dazu der in der Region bekannte Gitarrist Jürgen Rath. "Blackmore's Night" ist nämlich sehr weit vom Sound Deep Purples entfernt, auch wenn Blackmore im Vorfeld behauptet hatte, er würde heute noch Rock spielen. Mittelalterliche Musik sei es, die er mit seiner Ehefrau Candice Night zelebriere - wobei hier ein dickes Fragezeichen erlaubt ist. Tonaufnahmen gibt es bekanntermaßen nicht aus dieser Epoche, die zudem als recht düstere der Menschheitsgeschichte gilt. Beim Ehepaar Night/Blackmore kommt das Mittelalter reichlich bunt und kitschig rüber - allein das rosa-türkise Gewand der Frontfrau und Sängerin erinnert mehr ans knallige Mode-Label Ed Hardy als ans Jahr 1234.

Die Musik wiederum besteht aus stampfenden Polkas oder mit viel Zuckerguss angerührten Balladen - osteuropäische Beiträge zum European Song Contest lassen da grüßen. Jene, die "das" noch nicht wussten, reiben sich verwundert die Augen oder die Ohren. Wie konnte es dazu kommen, dass jener Mann, der solche Meilensteine des Rock wie "Smoke on the Water" oder "Black Night" gesetzt hat, dessen Stil auf der E-Gitarre so unverkennbar war im Hardrock , nun im Wams auf der Bühne steht und auf der akustischen Gitarre Material spielt, das oft hart an den Schlager grenzt? Die naheliegende Antwort: Blackmores überaus attraktive Ehefrau hat einen immensen Spaß auf der Bühne. Und der in früheren Zeiten nur mürrisch dreinblickende Ritchie hat sich davon offenbar anstecken lassen. Mit seinen 70 Jahren wirkt er vitaler als einst; als Papa zweier junger Kinder durchlebt er offenbar derzeit seine zweite oder dritte Jugend.

Die schlichte Fröhlichkeit der Musik reißt außerdem die zum Teil mittelalterlich gekleideten Fans immer wieder von den Sitzen; auch stellt sich als wahr heraus, dass "Blackmore's Night" "immer was Anderes, je nachdem, wonach es uns ist" (Zitat Blackmore) spielen - da herrscht fast anarchische Freiheit auf der Bühne, da gibt es massenhaft Anspielungen von Dschingis Khans "Moskau" über Jimi Hendrix ' "Purple Haze" bis zur deutschen Nationalhymne. Mit "Soldier of Fortune" schenkt die Band den Rockfans sogar einen Deep-Purple-Song. Etwas seltsam nur, dass die Musiker erstens das Publikum so lange warten lassen und zweitens keine Zugabe spielen.