Kinderlieder und Ohrwürmer

Wenn wie an diesem Freitag alles seinen normalen Gang geht, werde ich Morgen für Morgen von Musik geweckt. Nicht aus dem Radiowecker, sondern aus dem Kinderzimmer. Die Nachwuchseinheiten zwei und drei haben sich angewöhnt, ihre Erweckung mit dem Absingen mannigfachen Liedgutes kundzutun.

Sicher, das ist besser als wildes Geschrei, aber die Nachtruhe ist dennoch dahin.

Zudem ist die Liedauswahl erschreckend variationsarm. Bis zum dritten Advent war es noch "Ich geh mit meiner Laterne", mittlerweile wurde es abgelöst von "O Tannenbaum". Das wird sich voraussichtlich bis Ostern halten. Da frage ich mich: Kann man die Liedauswahl gezielt beeinflussen oder kann man das Ganze wenigstens in pädagogisch wertvolle Bahnen lenken? Die Antwort lautet: eher nicht. Meinem Schwager zum Beispiel ist es trotz konstanter Beschallung seiner Kinder mit Heavy-Metal-Musik bisher nicht gelungen, ihre musikalischen Präferenzen auch nur im Ansatz zu beeinflussen. Auch meine eigenen Kinder singen im Auto unbeirrt weiter "Nossa, nossa" (Bitte nicht googeln, die Melodie verlässt das Ohr niemals mehr!), obwohl aus dem Soundsystem erlesenste Musik multipler Genres perlt. Selbst, wenn ich mich mit der Gitarre ins Wohnzimmer setze, um das musische Niveau mit ein wenig stilvollem Geklimper zu heben, wird mir das Gerät entrissen und auf einen Kinderschoß gelegt. Dort wird dann unter kräftigem Schrummeln der leeren Saiten (Kinder haben eine merkwürdige Abneigung dagegen, die Nylon-Saiten herunterzudrücken) ein schreckliches Lied nach dem anderen gesungen.

Ich denke, ich werde meine Rache noch 20 Jahre verschieben. Und wenn die Kinderlein dann selbst Kinder haben, werde ich ihnen nicht nur das Gesamtwerk von Rolf Zuckowski auf den dann aktuellen Datenträgern schenken, sondern auch noch lauthals schräg mitsingen. Das haben sie dann davon.