Kevin Ray in der Festhalle : Nicht nur für Dorfkinder

Kevin Ray zeigt ambitioniertes Erstlings-Programm im Wintergarten der Festhalle.

Rund 80 Zuschauer waren gekommen, um den 28-jährigen Comedian Kevin Ray aus der Nähe von Trier live zu erleben. Zu sehen bekamen sie einen gut gelaunten Newcomer, der gekonnt mit dem Publikum spielte, sich selbst nicht zu wichtig nahm und vor allem ziemlich witzig war.

In den ersten zehn Minuten des Programms, da konnte man noch merken, dass es das Erstlingswerks des quirligen Rays war. Etwas holprig startete er in den Abend, doch dann ging es richtig rund, auch dank eines sehr aktiven Publikums. Immer wieder ließ Ray die Zwischenrufe der Zweibrücker in sein Programm einfließen und vor allem in diesen Situationen zeigte er seine große Stärke. Denn Ray war nicht nur schlagfertig und antwortete blitzschnell und originell, man spürte regelrecht, dass ihm diese Parts mit dem Publikum einen Heidenspaß bereiteten.

Genau das war es auch, was über die wenigen langatmigen Passagen hinweg tröstete. Dieser irre Spaß am Performen, die Freude über jede Publikumsreaktion und das Schmunzeln, wenn die eigenen Gags gut ankamen: Man musste diesen Kevin einfach mögen. Dabei waren die Geschichten, die er von sich gab, gar nicht ohne. Zwar wirkt Ray wie ein knuddeliger Bär mit Milchbubengesicht, doch seine Stories handeln von Partys bis zum Erbrechen, von Frauengeschichten und von Penisbildern, die per Handy verschickt werden. Doch dabei lässt er eben nicht den Assi raushängen, sondern den Lausbub von nebenan. So verzeiht man ihm liebend gerne die Ausflüge in die etwas zotigen Regionen, auch, weil er Gags bringt, die sitzen und dabei nie billig und anzüglich wirkt. Kurz gesagt: Der junge Mann macht seine Sache richtig gut.

Weiter ausbauen sollte er den Part über das Dorfleben, denn hier saß jede Punchline. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf traf Ray hier das Lebensgefühl der Dorfkinder so genau, dass es bei nahezu jeden Gag spitze Schreie gab, auf jeden Fall aber heftiges Kopfnicken und Zustimmen bei den Details. Egal ob es um den schlechten Busfahrplan oder das Lieblingsgetränk Koko (Korn mit Korn) ging: Ray traf den Nagel jedes Mal auf den Kopf, zeichnete die Jugenderlebnisse auf dem Dorf so gekonnt nach, dass am Ende jeder das Gefühl hatte „der muss mit mir aufgewachsen sein, genauso war es bei uns“.

Am Ende durfte er sogar noch eine Zugabe geben. „Am liebsten würde ich gar nicht mehr hier von der Bühne runter“, rief Ray ganz am Ende. Es sei nicht selbstverständlich, erklärte er, dass 80 Leute zu einem Neuling kommen. Dafür gab‘s viel Dank von Ray und am Ende konnte man den künftigen Stern am Comedy-Himmel an der Bar für Erinnerungsbilder zur Seite nehmen oder sich mit ihm in Ruhe unterhalten. Prognose: Das wird mit Sicherheit in einigen Jahren nicht mehr möglich sein. Mit ein bisschen mehr Feinschliff, kann aus dem kleinen Kevin ein ganz Großer werden.