Keine neuen Wohnungen geplant

Das Wirtschaftsforschungs-Institut Pestel mahnt, dass es in Zweibrücken zu wenig Wohnungen für Flüchtlinge gebe, die Stadt müsse neuen Wohnraum schaffen. Dem widerspricht die Gewobau deutlich. Es gebe genug bereits vorhandene Wohnungen, zudem sei ein Neubau nicht rentabel, das Niveau der Mieten sei dafür zu niedrig.

Die Mahnung ist deutlich: "Zweibrücken braucht in diesem Jahr 160 Wohnungen für Flüchtlinge ", erklärte das Pestel-Institut gestern in einer Pressemitteilung. Das Institut, das regelmäßig zu wirtschaftlichen Themen Stellung bezieht, warnt davor, die Entwicklung zu verschlafen. "Wenn es bei einem starken Flüchtlingszuzug bleibt, muss sich Zweibrücken auch in den kommenden Jahren darauf einstellen, dass noch mehr Wohnungen gebraucht werden", sagt Pestel-Institutsleiter Matthias Günther in der Studie. Am Neubau von Wohnungen, gerade auch günstigen, bezahlbaren, führe kein Weg vorbei.

Das Institut geht davon aus, dass die Rosenstadt dieses Jahr 410 Flüchtlinge zugewiesen bekommt; Pestel legt die Formel zugrunde: 100 Flüchtlinge benötigen im Schnitt 40 Wohnungen, wären also insgesamt die erwähnten rund 160 Wohnungen. Zweibrücken hinke in Sachen Wohnungsbau extrem hinterher, 2013 und 2014 seien in der Rosenstadt lediglich 40 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt worden.

Rolf Holzmann , Geschäftsführer der städtischen Gewobau, weist auf Anfrage unserer Zeitung die Forderung von Pestel deutlich zurück. "Diese Studie ist interessengeleitet", sagte Holzmann . "Man muss sich ja nur mal anschauen, wer die Studie in Auftrag gegeben hat." Tatsächlich stehen die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) sowie der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) dahinter. "Alles Gruppierungen, die bauen wollen", merkt Holzmann an.

Den Engpass an Wohnungen, den Pestel zu erkennen glaubt, sieht der Gewobau-Geschäftsführer keineswegs. "Nach unseren Schätzungen stehen in Zweibrücken privat 300 bis 400 Wohnungen zur Verfügung." Das sei - zumindest für die derzeitige Situation - völlig ausreichend. Holzmann kritisiert auch die Formel in der Studie, die davon ausgeht, dass die 410 erwarteten Flüchtlinge sich auf etwa 160 Wohnungen verteilen würden. Nach seinen Erfahrungen würden die Wohnungen stärker belegt als mit 2,5 Personen pro Wohnung. Dies sei künstlich hochgerechnet. Holzmann bescheidet die Forderungen nach einem Wohnungs-Neubau abschlägig: "Wir bauen nicht neu!" Es sei nicht rentabel genug für die Gewobau. "Wir können pro Quadratmeter Wohnfläche vier Euro Miete erzielen. Um rentabel zu sein, bräuchten wir in etwa das doppelte, also acht Euro."