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Keine Impfmüdigkeit in Zweibrücken

Impfquoten : Keine Angst vor der Spritze

Zweibrücken widersetzt sich dem rheinland-pfälzischen Trend zur Impfmüdigkeit und setzt sogar einen Bundes-Rekord.

(dob/red) Nicht im Trend zu liegen, kann auch von Vorteil sein. Zum Beispiel, wenn es um die Impfmüdigkeit geht: Laut Techniker Krankenkasse lag Rheinland-Pfalz im zuletzt ausgewerteten Jahr 2017 bei den abgegebenen Impfdosen pro 1000 Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen bundesweit auf dem letzten Platz. Für Zweibrücken hingegen, das hat das Gesundheitsamt auf Merkur-Anfrage überprüft, lässt sich in den Impf-Statistiken keine Spur von Impfmüdigkeit erkennen.

 Über 95 Prozent der in Zweibrücken eingeschulten Kinder sind zum Beispiel gegen Masern, Röteln und Mumps geimpft. Das gleiche gilt für Polio, Diphtherie und Hepatitis B. Die Impfquote schwankte in den vergangenen fünf Jahren im Bereich von zwei Prozent, Tendenz eher steigend oder auf sehr hohem Niveau stagnierend.  Also alles im grünen Bereich? Ja, findet die Zweibrücker Kinderärztin Dr. Sabine Moser. Allerdings nehme die Verunsicherung bei Eltern zu. Der Beratungsbedarf sei „deutlich gestiegen“.

 „Ich führe grundsätzlich vor dem Impfen Beratungsgespräche“, sagt Susanne Moser. Inzwischen gebe es vermehrt Eltern, die sich dann erst nach dem zweiten oder dritten Gespräch zur Impfung entscheiden. „Aber in der Summe könnte ich jetzt nicht von einem Rückgang oder einer Impflücke sprechen“, so Moser weiter. Allerdings gebe es aufgrund von diversen Verbreitungskanälen Verunsicherung durch Impfgegner. „Allerdings hatten wir jetzt in unserer Praxis noch keine davon“, so Moser.

 Experten sagen, dass eine Krankheit erst dann ausgerottet werden kann, wenn der Impfschutz der gesamten Bevölkerung bei über 95 Prozent liegt. Bekanntestes Beispiel dafür sind die Pocken. Diese gelten weltweit als ausgerottet, dank grenzübergreifender, konsequenter Durchimpfung. Diese wissenschaftlich bewiesenen Fakten werden aber zunehmend von Impfgegnern angezweifelt und vor allem im Internet und sozialen Medien bilden sich Gruppen, die dem Impfen unter fadenscheinigen Argumenten den Kampf ansagen. Wer hier in eine der Filterblasen gerät und ständig Berichte über die angeblich negativen Auswirkungen des Impfens liest, kann tatsächlich sehr verunsichert werden. Daher lohnt ein Beratungsgespräch beim Arzt allemal, um Zweifel auszuräumen.

Das Bundesgesundheitsministerium schreibt auf seiner Homepage zum Thema Impfquote: „Bisher wurde nur bei Schulanfängern in einzelnen Bundesländern eine Impfquote von 95 Prozent für beide Masern-Impfungen erreicht.“ Zumindest in Zweibrücken scheint das bisher kein Problem zu sein, die Impfquoten stimmen und liegen mit 97,5 Prozent über der magischen 95-Prozent-Grenze. Zweibrücken ist damit sogar die Stadt mit der bundesweit höchsten Impfquote für die erste Masern-Impfung.

Bundesweit betrug 2017 der Durchschnitt 462 Impfdosen pro 1000 Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen, in Rheinland-Pfalz nur 387. Auch bei der Grippeschutzimpfung belegte Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Bayern den letzten Platz. Von 1000 Versicherten ließen sich 124 impfen, bundesweit waren es 170. Insgesamt haben die gesetzlichen Krankenkassen 2017 über 1,2 Milliarden Euro für Impfstoffe ausgegeben. Etwa ein Drittel aller Impfdosen werden laut Techniker-Krankenkasse für die Grippeschutzimpfung verbraucht.