Kein Rabatt für brave Kinder

Die Zweibrücker Gastronomie sieht die Idee eines italienischen Wirtes kritisch. Der berechnet Familien weniger, wenn sich ihre Kinder gut benehmen.

Mit kleinen Kindern ins Restaurant - das kann eine Nervenprobe für alle Beteiligten sein. Für die Eltern, die nicht unangenehm auffallen wollen; für die Kinder, die keine halbe Stunde brav auf dem Stuhl sitzen wollen, bis das Essen kommt - und erst recht nicht, wenn sie satt sind und darauf warten, dass die Erwachsenen es auch werden; für Kellner und Wirt, die den Unmut der anderen Gäste wegen lärmender Kinder fürchten. Ein italienischer Gastronom hat dafür seinen ganz eigenen Ausweg gefunden: Er gewährt den Gästen fünf Prozent Rabatt, wenn begleitende Kinder sich während des Aufenthalts brav benommen haben (wir berichteten). In der Zweibrücker Gastronomie stößt dieser Vorstoß auf wenig Gegenliebe.

"Von so was lasse ich lieber die Finger weg. Es entsteht sozusagen eine zusätzliche Forderung, die eventuell nicht erfüllt werden kann", winkt Milan Jovic, Wirt der "Blaue Adria" in der Alten Ixheimer Straße, ab. In Italien könne dies auch viel einfacher gehandhabt werden, da man dort zum Beispiel nur die Kosten für das Gedeck ("coperto"), meist zwei bis drei Euro pro Person, weglassen könne. Kein großer Verlust also für den Wirt. Im Übrigen würden sich die Kinder meistens sehr gut benehmen und wenn nicht, seien eher die Erwachsenen schuld, die sich nicht angemessen kümmern.

Dieser Tenor kam auch bei den anderen Befragten zum Ausdruck. Rudolf Creuzburg, Chef der Ixheimer Gaststätte "Zum Roten Ochsen", macht deutlich, dass Kinder bei ihm jederzeit willkommen sind. Schließlich seien sie doch die erwachsenen Gäste von morgen. "Sie gehören einfach dazu, und wir waren ja auch mal jung." Nur selten muss er Gästen zu verstehen geben, dass ihre Kinder stören. Um vorzubeugen, hat er sogar extra Spielzeug parat. Von einem Rabatt hält er auch nichts, eher mal eine Süßigkeit oder Ähnliches als kleine Aufmerksamkeit.

In der "Waldgaststätte Tiefental" in Rimschweiler, wo Reinhard Neumann das Sagen hat, sind Kinder auch jederzeit willkommen und können sich sogar im Freien auf einem Spielplatz austoben. "Ich sehe in dem Rabatt eine selbst gemachte Zweiklassengesellschaft und halte davon nichts", macht er deutlich und ergänzt: "Wie will man sowas zum Beispiel bei Gästen mit mehreren Kindern handhaben, bei denen sich einige gut und einige schlecht benehmen?"

Dieser Meinung ist auch Karin Dillmann-Stumm, Servicekraft im Landgasthof "Zur Alten Scheune" in Oberauerbach. "Ich habe selbst sechs Kinder und dürfte genug Erfahrung in dieser Hinsicht haben", sagt sie. Es gebe halt auch Gäste, die glaubten, die Servicekraft im Restaurant sei für die Erziehung zuständig.

Claudia Kiefer vom Restaurant "Wiesbacher Hof" in Wiesbach freut sich über langjährige Stammgäste. "Viele waren schon als Kinder bei uns und besuchen uns jetzt noch als Erwachsene. Das ehrt uns regelrecht und zeigt uns, dass wir mit unserem Konzept richtig liegen." Worauf es bei Kindern, die zusammen mit Erwachsenen essen, besonders ankommt, weiß sie auch - die Kleinen mit dem Essen nicht warten lassen. Auch sie hält nichts von Rabatten, eher von besonderen Angeboten für die Kinder. Diese haben übrigens alle befragten Restaurants parat. Beim Mobiliar die speziellen Kinderstühle. Beim Essen die sogenannten "Räuberteller" (Kostenloser Extra-Teller zum Mitnaschen bei den Eltern), Kindermenüs oder Angebote wie Fischstäbchen, Nuggets, kleine Schnitzel mit Pommes, Spaghetti und ähnliche Schmankerl. Und - nicht zu vergessen - sogar Malbücher und Spielzeug zum Zeitvertreib. Generelle Auffassung: Wer mit Rabatt nach Hause geht, hat vielleicht gespart, den Kindern aber nicht viel geboten.