Möglicher Käufer will 40 Millionen investieren Oberbürgermeister: Plan-Vorstellung für Ex-Evangelisches Krankenhaus in Zweibrücken „beeindruckend“

Zweibrücken · Der mögliche Käufer des nach der Helexier-Insolvenz leerstehenden Gebäudes hat seine Pläne vorgestellt: eine Kernsanierung, danach ein Füllhorn von Angeboten von Arztpraxen bis betreutem Wohnen. Ob die Kölner Investoren den Zuschlag bekommen, hängt von der Gläubigerversammlung am 6. März ab.

Infolge der Insolvenz der „Himmelsberg-Fachklinik“ und des Eigentümers Helexier steht das vormalige Evangelische Krankenhaus Zweibrücken komplett leer.

Infolge der Insolvenz der „Himmelsberg-Fachklinik“ und des Eigentümers Helexier steht das vormalige Evangelische Krankenhaus Zweibrücken komplett leer.

Foto: Lutz Fröhlich

Jetzt ist bekannt, wer der mögliche Investor ist, wegen dessen Kaufangebot die Zwangsversteigerung des früheren Klinikgebäudes am Zweibrücker Himmelsberg am 26. Januar in fast letzter Minute ausgesetzt worden war: Cankat Aydogdu und seine Kölner „Elit“-Unternehmensgruppe. Aydogdu und vor allem sein Projektleiter Detlef W. Biemüller stellten ihre Pläne am Mittwochabend nichtöffentlich im Stadtrat vor, Biemüller am Donnerstag auch auf Merkur-Anfrage.

Stadtsprecher Jens John mailte auf Merkur-Anfrage: „Da nun die Informationen durch den Investor selbst an die Öffentlichkeit gelangt sind, können wir natürlich auch Stellung zum Vorhaben nehmen. Zunächst ist allerdings festzuhalten, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Kaufverträge gezeichnet sind. Die Gläubigerversammlung, die nach unserer Kenntnis am 6. März zusammenkommen soll, wird dann über das weitere Vorgehen befinden.“

Rückblende: Das Gebäude des bei Patienten und Medizinern sehr gut angesehenen, aber infolge wirtschaftlicher Probleme 2016 geschlossenen Evangelischen Krankenhauses war 2020 an die Helexier GmbH verkauft worden. Helexier wollte „Wohnen mit Service“ für Senioren, eine Kita und krankenhausähnliche Angebote schaffen. Von Anfang an fiel die bis dato unbekannte Firma aber mit zweifelhaftem Geschäftsgebaren auf; zu den übernommenen Praxis-Mietern kam kaum jemand hinzu. Im Frühjahr 2023 begannen Insolvenzverfahren, in deren Zuge wenige Wochen später der Insolvenzverwalter das Gebäude schloss und die letzten Mieter ausziehen mussten.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) erklärte am Donnerstag in der Pressemitteilung: „Es ist ein wichtiges, ambitioniertes Projekt in einem markanten, raumprägenden Solitärgebäude der Stadt Zweibrücken, welches Elit Medical Care umsetzen möchte. Die Vorstellung im gestrigen Stadtrat war beeindruckend, denn vieles, was umgesetzt werden soll, ist in Zweibrücken dringend gesucht. So zum Beispiel seniorengerechte Wohnungen, Wohngruppen für an Demenz erkrankte Menschen oder auch ein stationäres Hospiz mit angeschlossener palliativmedizinischer Versorgung. Wir befinden uns noch am Anfang des Prozesses und hoffen natürlich, dass das Projekt wie vorgestellt umgesetzt werden kann.“

Die Gläubigerversammlung könnte, statt weiter auf eine Zwangsversteigerung zu setzen, einen freihändigen Verkauf ermöglichen, bis 16. Februar durften sich hierfür Interessenten beim Insolvenzverwalter unter Vorlage einer Finanzierungsbestätigung melden (wir berichteten).

Insolvenzverwalter Dennis B. Blank (Rechtsanwalt in Saarbrücken) bestätigte am Donnerstag auf Merkur-Anfrage: Die Gläubigerversammlung ist am 6. März. Allerdings nichtöffentlich. Deshalb könne er derzeit auch nichts öffentlich zu dem Thema sagen.

Googelt man nach „Elit“ und Köln“, findet man eine von Aydogdu geführte Firma „Elit Event“, die als „Full Service Agentur“ zwei „exquisite Festsäle“ für Hochzeiten, andere Feiern, Messen und Konzerte vermietet, mit etwas tieferer Suche auch die ebenfalls von Aydogdu in Köln geleitete Immobilien-Projektgesellschaft „Elit Real Estate“.

Für das Zweibrücker Projekt werde aber gerade eine eigene Gesellschaft namens „Elite Medical Care“ gegründet, auch mit Aydogdu als Geschäftsführer, erläuterte Projektleiter Biemüller am Donnerstag auf Merkur-Anfrage: „Morgen ist Termin beim Notar.“

Der Kaufvertrag mit dem Insolvenzverwalter sei „in Vorbereitung“, so Biemüller. Er sei sehr guter Dinge, von der Gläubigerversammlung grünes Licht für den Kauf zu bekommen: „Die werden klar dafür stimmen, die wollen ja ihr Geld.“

Zu den Gläubigern, die die Zwangsversteigerung angestrengt hatten, zählt auch die Stadt Zweibrücken, der Helexier einen fünfstelligen Betrag schuldet.

Das Kaufpreis-Angebot verriet Biemüller natürlich nicht. Aber man plane – einschließlich Kauf, Sanierung, Planungs- und Nebenkosten – 40 Millionen Euro zu investieren.

Das ist höchstwahrscheinlich ein großes Vielfaches des Kaufpreises. Denn: Das für die Zwangsversteigerung erstellte Verkehrswertgutachten hatte den Wert des insgesamt 18 504 Quadratmeter großen Grundstücks mitsamt aller Gebäude mit nur einer Million Euro beziffert – der Sanierungsstau ist so groß, dass das Klinikgebäude mit nicht viel mehr Wert angesetzt wurde als einige benachbarte Garagen.

Die Kölner Investoren planen denn auch mit einer Generalsanierung. Biemüller: „Die Bausubstanz ist top. Aber innen reißen wir alles raus und machen alles neu. Auch die Fenster – das sind über 4000 Quadratmeter – müssen ausgetauscht werden. Da kommen bodentiefe Fenster rein.“ Auch, weil das Gebäude energetisch erheblich verbessert werden soll (KfW-Standard 55). Man rüste auf Wärmepumpen und Fußbodenheizung um, der große Parkplatz werde wohl mit Solarmodulen überdacht. Biemüller rechnet mit einer Bauphase von etwa 15 Monaten. Es gebe bereits einige Mietinteressenten für Räume.

Was soll in das Gebäude einziehen? Biemüller zählt eine lange Liste auf – unter dem Titel „Medical Care – alles unter einem Dach“. Einiges davon erinnert an die früheren Pläne von Helexier – geht aber noch deutlich darüber hinaus.

In den beiden oberen Etagen soll unter dem Titel „l‘arte di vivere“ (die Kunst des Lebens) eine „Seniorenresidenz“ mit betreutem Wohnen entstehen, „mit tollem Blick über die Pfalz und bis nach Frankreich“. Insgesamt schätzt Biemüller, dass in dem Gebäude 200 Arbeitsplätze geschaffen werden.

In den beiden Stockwerken darunter sei ein vollstationäres Pflegezentrum mit 84 Plätzen geplant, auch mit Intensivpflege. Eventuell werde es auch ein Hospiz mit palliativ-medizinischer Versorgung geben.

Darunter folge „eine sportmedizinische Klinik, auch mit Implantologie“.

Im ersten Stock soll ein MVZ (Medizinisches Versorgungs-Zentrum) mit Arztpraxen verschiedener Fachrichtungen eingerichtet werden. Dabei hofft Biemüller „als Herzstück auf eine Hausarztpraxis, dann haben Patienten nämlich kurze Wege zu allen Fachärzten“. Hier seien Kassenpraxen wie Privatpraxen möglich.

Im Erdgeschoss sei ein Reha-Bereich mit Physiotherapie sei geplant, hierzu werde das Bewegungsbecken wieder in Betrieb genommen. Außerdem sollen dort eine Apotheke angesiedelt werden, ein Restaurant, ein Postshop, ein Geldautomat „und ein Veranstaltungssaal, wo zum Beispiel die Oma aus der oberen Etage ihren 80. Geburtstag feiern kann“. Auch weitere Angebote wie Friseur, Fußpflege „und sicher auch ein Beauty-Bereich“ seien angestrebt, „vielleicht auch ein Rewe to go“, also ein Mini-Einkaufsmarkt. Mit der Zweibrücker Behindertenwerkstatt sei man in Gesprächen über „eine Bäckerei als Lehrwerkstatt“.

Auf die Frage, ob die Elit-Gruppe schon Erfahrungen mit Pflege- und Ärzte-Häusern habe, antwortete Biemüller: „Wir haben schon zwei, drei Pflege-Objekte in Betrieb.“ Namen wolle er nicht nennen, weil man teils schnell weiterverkaufe, „da wollen wir keine Unruhe reinbringen“. Um Zweibrücken wolle man sich aber auch längerfristig selbst kümmern. Man wolle eng mit lokalen Partnern zusammenarbeiten, so spreche man bereits mit der Sparkasse Südwestpfalz über den KfW-Förderantrag, auch mit den Stadtwerken sei Elitin Kontakt.

In Planung habe man gerade außerdem ein großes Pflege-Projekte bei Köln, ein kleines Seniorenzentrum in Linz am Rhein und ein Flüchtlingsheim in Windeck (Rhein-Sieg-Kreis), man sei in verschiedenen Branchen aktiv.

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