In Nähe des Fashion Outlet Paintball-Anlage in Zweibrücken geplant

Zweibrücken · Der Investor sieht darin eine einmalige Attraktion im weiten Umfeld, die kommunale Verwaltung eine Stärkung der Freizeit-Säule zwischen Outlet-Center und Flugplatz. Doch es könnte noch Probleme geben, wie andere Erfahrungen in Zweibrücken und dem Saarland zeigen.

 Ist Paintball im Freien (Symbolbild) bald auch in Zweibrücken möglich?

Ist Paintball im Freien (Symbolbild) bald auch in Zweibrücken möglich?

Foto: Alexander Houben

Der Betreiber des „Karthaus Zweibrücken“ geht auf Expansionskurs: Neben seiner im Oktober 2018 eröffneten Elektrokarthalle plant Antonio Cipolla eine weitere Attraktion im Grenzbereich von Sport und Freizeit: eine Paintball- und Airsoft-Anlage. Bei Paintball beziehungsweise Airsoft/Softair handelt es sich um taktischen Schießsport, bei dem die Teilnehmer sich mit platzenden Farbkugeln beziehungsweise nichtfärbenden Kugeln „markieren“.

Cipolla sagte auf Merkur-Anfrage, er plane keine Halle, sondern eine Freiluft-Anlage hinter dem Karthaus – auf einer 5400 Quadratmeter großen Brachfläche. „Eine Halle zu bauen, wäre heute nicht bezahlbar, beim Karthaus hatten wir noch Glück.“ Ob die Paintball-Anlage erst ab 18 oder schon ab 14 Jahren genutzt werden könne, hänge noch vom genauen Konzept und der Sportwaffen-Art ab. Zum Zeitplan sagte Cipolla: „Wir hoffen, nächstes Frühjahr schon zu eröffnen, das ist aber noch nicht definitiv.“

Verwaltungsseitig genießt das Ansiedlungsvorhaben großen Rückhalt. Es steht auf der Tagesordnung der nächsten ZEF-Versammlung (Zweckverband Entwicklungsgebiet Flugplatz Zweibrücken“) am 14. Dezember. In der von ZEF-Verwaltungsleiterin Nadine Walter (vom Zweibrücker Stadtrechtsamt) unterzeichneten Sitzungsvorlage heißt es: „Die Ansiedlung der Paintball- und Softair-Anlage fügt sich stimmig in das sog. Vier-Säulen-Konzept des ZEF ein, wonach das gemeinsame Entwicklungsgebiet auf den vier Säulen Fashion Outlet, Freizeitbereich, Flugplatz und MIP/Multi-Media gründet“ Durch das vorliegende Ansiedlungsvorhaben wird die Freizeitsäule gestärkt.“

Das Projekt steht nur als „Information“ auf der Tagesordnung, es gibt also keine Abstimmung. Es sei keine Bebauungsplan-Änderung erforderlich. „Das geplante Vorhaben ist aus bauplanungsrechtlicher Sicht zulässig“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Begründung: Im geltenden Bebauungsplan sind sowohl Anlagen für sportliche Zwecke zulässig also auch unter bestimmten (hier erfüllten) Bedingungen für Vergnügungsstätten.

2006 hatte es in der Zweibrücker Stadtpolitik heftige Widerstände gegen die Genehmigung einer 630 Quadratmeter großen Paintball-Halle im (heute nicht mehr existierenden) Dorndorf-Gewerbepark gegeben. Sämtliche Ratsfraktionschefs sprachen sich dagegen aus, weil sie es – trotz des erklärten spielerischen Charakters – als menschenverachtend empfanden, auf Menschen zu schießen. Erst als herauskam, dass der damalige Oberbürgermeister Helmut Reichling dem Verein bereits grünes Licht für die erfolgte fünfstellig Investition gegeben hatte, gaben die Parteien ihren Widerstand auf. Zumal die Stadtverwaltung erläuterte, dass ein Ratsbeschluss gar nicht erforderlich sei. Lange genutzt wurde die Halle aber nicht.

Bei dem jetzigen Vorhaben greifen Investor und ZEF damals geäußerte Bedenken offensichtlich prophylaktisch auf, nach Blut aussehende Farbe und militärische Kleidung soll es wohl nicht geben. In der Sitzungsvorlage heißt es: „Die bauordnungsrechtlichen Vorgaben und mögliche Auflagen (z. B. Festlegung auf offizielles Regelwerk, Ausschluss von Tarnkleidung und roten Farbkugeln, keine Einsehbarkeit von außen, Beteiligung nur von erwachsenen Spielern) wird der Vorhabenträger detailliert mit dem städtischen Bauamt abstimmen.“ Zudem heißt es in der Vorlage, Airsoft/Paintball fördere „Teamarbeit und strategisches Denken“ sowie „körperliche Betätigung in einem sicheren Rahmen“, so der Projektbetreiber. Er strebe auch „Team-Building-Events für Unternehmen“ an sowie „Partnerschaften mit Schulen und Jugendorganissationen“.

Die ZEF-Vorlage betont außerdem – obwohl in der Nähe keine Wohnhäusern stehen: „Um die Anwohner vor Lärm-Immissionen zu schützen werden geeignete Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass der Lärmpegel auf ein Minimum begrenzt wird.“ Ein bis zwei neue Arbeitsplätze seien geplant.

 Auf dem Brachgelände hinter dem Zweibrücker Karthaus soll eine Paintball-Anlage entstehen.

Auf dem Brachgelände hinter dem Zweibrücker Karthaus soll eine Paintball-Anlage entstehen.

Foto: Volker Baumann

Karthaus-Chef Cipolla sagte auf Merkur-Anfrage: „Wir sind dabei, die Genehmigung bei der Stadt zu beantragen.“ Weil eine Paintball-Freianlage sehr selten sei, könne das Bauamt nicht aus der Schublade ziehen, was alles zu prüfen ist.

Weil Paintball-Anlagen noch seltener sind als Karthallen, rechnet Cipolla mit Kunden aus noch mehr Entfernung als dem 100-Kilometer-Radius des von 30 000 Leuten jährlich besuchten „Karthaus“.

Bei der Internet-Suche nach Paintball-Angeboten in der Region stieß unsere Zeitung nur auf veraltete Einträge über eine Freianlage an einem Zeltplatz im Wald bei Oberthal (Nordsaarland). Ex-Betreiber Marco Edenharder bestätigte auf Anfrage: Die Anlage war nur 2015 bis 2019 in Betrieb. Nach zunächst politischer Unterstützung vor Ort habe das Landesumweltamt den Betrieb untersagt. Edenharder sagte, er wünsche dem Zweibrücker Projekt alles Gute – könne sich einen Erfolg aber nur schwer vorstellen, es drohten zu viele Umweltprobleme/-auflagen, die nur teuer zu erfüllen seien. Er vermittle deshalb Paintball-Interessierte derzeit auf ein 55 000 Quadratmeter großes frühere Kasernengelände in Frankreich – und erwarte nach dreijähriger Vorarbeit bald die (Um-)baugenehmigung für eine Paintball-Halle in Kusel.

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