Kartäuserorden feiert Jubiläum : Abgeschieden und schweigsam

Vor 700 Jahren ließen sich Mönche des Kartäuserordens am Rhein nieder. Die Mainzer Kartause war die erste Niederlassung dieses besonderen Ordens in Deutschland. Die Ausstellung zum Jubiläum musste verschoben werden.

(dpa) Das passt zu einem Orden mit Schweigegelübde: Das Jubiläumsjahr des vor 700 Jahren in Mainz gegründeten Kartäuserklosters hat kaum Beachtung gefunden. Das Dom- und Diözesanmuseum Mainz hat zwar eine Ausstellung zur Kartause von Mainz vorbereitet, wegen der Corona-Einschränkungen aber erst einmal verschoben. „Angesichts der unsicheren Lage und einer möglichen Schließung haben wir gesagt: Das Thema ist so schön, dass wir die Ausstellung für besser planbare Zeiten aufheben wollen“, erklärt Kurator Gerhard Kölsch.

Die Ordensgemeinschaft wurde 1084 gegründet, als sich ihr Begründer Bruno von Köln mit sechs Gefährten in eine einsame Gebirgsgegend bei Grenoble zurückzog und dort ihre Kartause, die Chartreuse, gründeten. Die ersten Mönche bauten dort neben einer Kirche und Gemeinschaftsräumen kleine Eremitagen, Einsiedlerzellen, die mit einem Kreuzgang verbunden waren.

Aus dem dann größer gewordenen Kloster der Grande Chartreuse kamen 1320 Mönche an den Rhein und gründeten mit Unterstützung des Mainzer Erzbischofs Peter von Aspelt 1320 das Kloster Peterstal bei Kiedrich im Rheingau. Schon drei Jahre danach wurde es auf den Michaelsberg, an den Rand des heutigen Mainzer Stadtteils Oberstadt, verlegt. Die Mainzer Kartause war die erste in Deutschland.

Die etwa 26 Mönche verbrachten ihre Zeit in kleinen Einsiedlerhäuschen, die ebenfalls mit einem Kreuzgang verbunden waren, mit Beten, dem Abschreiben von Büchern und Gartenarbeit. Bei Mahlzeiten wurde aus der Bibel gelesen, an Sonntagen gingen sie schweigend gemeinsam in der Umgebung spazieren. „Als Einsiedler nicht babbeln zu können, das ist ja für einen Mainzer furchtbar“, scherzt Kurator Kölsch und lacht. Das Leben der Kartäuser-Mönche in der Grande Chartreuse wurde 2005 verfilmt, unter dem Titel „Die große Stille“.

Für die Ausstellung wurde aus einem späteren Reisebericht der Titel „Die unvergleichliche kostbare Carthaus“ gewählt. Der Kunsthistoriker Kölsch trug viele ehemalige Ausstattungsstücke der Abtei zusammen. Dazu zählen neben mittelalterlichen Handschriften aus der einstigen Klosterbibliothek auch großformatige barocke Leinwandgemälde des Mainzer Domkapitel-Malers Georg Joseph Melbert (1717–1786) aus dem Kreuzgang der Kartause. Ursprünglich habe es insgesamt 79 dieser Gemälde mit einer überbordenden Bilderwelt zu Leben und Passion Christi gegeben, von denen immerhin noch 20 im Dommuseum vorhanden sind, erklärt Kölsch.

Mainzer Kartäusermönche wie der 1453 aus der Pfalz in die Kartause kommende Marcellus Geist verkörperten die Tradition, sich beim Abschreiben theologischer Schriften ein tieferes Verständnis zu erschließen. So entstand nach Einschätzung des Historikers Marc-Aeilko Aris über das Schreiben „ein Gespräch zwischen den schweigenden Mönchen, wenn sie einander auf lesenswerte Texte hinweisen oder miteinander ihre Lesefrüchte teilen“.

Lange genossen die Kartäuser den besonderen Schutz der Mainzer Erzbischöfe. Zusammen mit dem Altmünsterkloster und dem Reichsklarakloster gehörte die Kartause zu den drei reichsten Klöstern in Mainz. Das wurde ihr aber schließlich zum Verhängnis: 1781 löste Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802) die drei Klöster auf, um die Erneuerung der Universität finanzieren zu können. „Mit der Auflösung ist sie auch aus dem Bewusstsein verschwunden“, sagt Kölsch. Heute erinnern noch Straßennamen wie „Am Michelsberg“ oder „Kartaus“ an die schweigenden Gottessucher in Mainz.

(dpa)