Kampfgeist und Resignation

Donnerstagabend im Ludwig-Katz-Haus in Wallhalben. Orts- und Verbandsgemeindebürgermister Berthold Martin sitzt am Tisch und starrt ins Unendliche.

Er setzt die Brille ab. Drapiert sie auf seiner Mappe. Nimmt sie wieder in die Hand. Klappt sie auf. Klappt sie zu. Legt sie ab. Setzt sie wieder auf. Und dann geht das Spiel von vorne los. Währenddessen redet er. Er will sich nicht aufregen über die Kommunalreform, sagt er. Es gelingt ihm nicht. Weit ausholend lobt er die Vorteile eines selbstständigen Wallhalben, geißelt die Schwachpunkte der umliegenden Kommunen und den ganzen Irrsinn dieser übers Knie gebrochenen Reform. So weit, so bekannt, so nachvollziehbar. Aber Berthold Martins Ärger hat mittlerweile einen ziemlich großen Anteil Resignation. Nicht ohne Grund: Am Freitag wird der Mainzer Landtag das Fusionsgesetz beschließen und Wallhalben mit Thaleischweiler-Fröschen vereinen. Wahrscheinlich wird man dagegen vor Gericht ziehen. Erfolgsaussichten: ungewiss. Ebenso ungewiss: Martins Chancen bei der Wahl zum Verbandsgemeindebürgermeister der neu gebildeten Großkommune - wenn er denn antritt. Martin weiß das alles und muss trotzdem weiterkämpfen. Einst konnte man ihn als unerschrockenen Kämpfer für Wallhalben sehen, mittlerweile ist er fast zu einer tragischen Figur geworden.