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Kammerchor Zweibrücken Jubiläumskonzert

Konzert in der in der Karlskirche : Anspruchsvolles musikalisches Feuerwerk

Der Kammerchor Zweibrücken liebt Herausforderungen. So jedenfalls lässt sich die höchst anspruchsvolle und bemerkenswert vielfältige Auswahl der „Best-of“ zehn Jahre Kammerchor interpretieren.

Mit einem sensationellen Jubiläumskonzert feierte der Kammerchor Zweibrücken am Samstagabend in der Karlskirche sein zehnjähriges Bestehen. In demokratischer Abstimmung hatten die Chormitglieder ihre Highlights der rund 20 Konzertauftritte in dieser Zeit zu einem beachtenswerten Jubiläumsprogramm zusammengestellt.

Wie es scheint, lieben die 19 Damen und zwölf Herren die Herausforderungen ganz besonders. Doch zum Ende des gut zweistündigen Konzerts erfuhren die rund 120 Zuschauer auch, mit wie viel Humor und vor allem, mit welcher Freude die Singenden unter Leitung ihrer geschickten Dirigentin Dorothea Jakob ihre Stimme erklingen lassen. Einfühlsam und präzise führte die 37-jährige Profimusikerin ihren Chor einmal mehr zu stimmlichen Höchstleistungen.

Chorgründer Koen van der Meer, der damals in Saarbrücken Musik studierte, begleitete seinen ehemaligen Chor im ersten Teil am Flügel. An seiner Ursprungsidee, klassische Werke selten gehörter Komponisten oder außergewöhnliche, selten aufgeführte Werke zu Gehör zu bringen, hat der Chor festgehalten. So war es ein höchst anspruchsvolles musikalisches Feuerwerk, das der Zweibücker Kammerchor für sein Publikum inszenierte.

Jeder Sänger studiert die Werke eigenständig ein. Bei einem konzentrierten Probenwochenende auf der Burg Lichtenstein bei Kusel und an einigen Probenwochenenden in Zweibrücken wird dann der Chor-Klang geformt. Eine Methode, die Können, Engagement und Liebe zur Musik erfordert. Waren es für die Gründungsmitglieder durchweg Wiederholungen, mussten sich Neuzugänge gewaltig tummeln, um ihr Repertoire zu ergänzen.

Opulent, mit Flügel, Anna Becker an der Geige und dem Chor, begann das Konzert mit der Krönungshymne „Zadok the priest“, HWV 258 von Georg Friedrich Händel, einem Auftragswerk zur Krönig des britischen Königs Georg II. Mit sehr polyphon ineinander verwebten Stimmen überraschte der Chor dann mit „Laudate pueri“ aus der Missa Solemnis von Wolfgang Amadeus Mozart. Strahlende Klänge fluteten die Karlskirche im Abendsonnenschein. Einer der besonderen Höhepunkte im ersten Teil waren für viele Zuhörer die dramatischen Todesklänge aus „The Black Knight“ von dem Briten Edward Elgar, in denen Gevatter Tod die Kinder des alten Regenten dahinrafft. „Großartig umgesetzt“, begeisterte sich Carolin Schönhofen über die gruseligen Klänge. Hier erhielt das fachkundige Publikum, wie nach den meisten Stücken, die Spannung.

Nach dem polyphonen, mit Coloraturen quer durch alle Stimmen verzierten, „Singet dem Herrn ein neues Lied“ von Hugo Distler jedoch spendeten sie spontan respektvollen Beifall. Dem „Adagio Agnus Dei“ des Amerikaners Samuel Barber als Dialog zwischen Geige und Chor folgte ein reiner Frauenauftritt. Die Spannung erhöhend, standen die Sängerinnen zunächst vom Publikum abgewandt, um sich dann in drei Gruppen umzuwenden und als Hexen ihre Greueltaten aus dem Eingangschor zu der Oper Macbeth von Giuseppe Verdi zu schildern.

Den zweiten Teil widmete der Chor seinen zeigenössischen experimentellen Werken. In meisterlicher Dynamik entstanden Spannungsbögen von den tiefsten Tiefen bis in die höchsten Höhen und beeindruckten mit der Leistungsfähigkeit der einzelnen Stimmen. Zu „Immortal Bach“ des 2014 verstorbenen Skandinaviers Knut Nystedt verteilten sich die Sänger an die beiden Seitenwände. Sie hüllten ihr Publikum mit ganz lang gezogenen Tönen in einen Klangraum aus dem Off. Dank des perfekten „chorischen Atmens“ erschienen die Töne endlos.

Einen humorvollen Abschluss bot das „Ti Ri Ri“ des Russen Valery Gavrilin. Über dem Bordun der Bassstimme imitieren die oberen Stimmen die endlosen Frauengespräche. Klänge, die – gewollt – an das Gackern auf einen Hühnerhof erinnern.

Auch die vehement erklatschte Zugabe war neckischer Natur: Mit unterschiedlichen Taktzeiten und Tonarten in jeder Stimme, karikierte der Zweibrücker Kammerchor die schwedischen Chöre, die mit Liebe und Herzblut, jedoch ohne Vermögen singen. Mit sichtlicher Freude gaben die Sänger die merkwürdigsten Töne von sich und begeisterten ihr Publikum zusätzlich mit ihrem sichtlichen Spaß.

„Das war sehr witzig“, fand auch Gertrud Schanne-Rab, die insgesamt von dem Konzert sehr angetan war.

Mehr Infos im Internet unter
www.kammerchor-zweibruecken.de.