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Kachelmann-Anwalt verteidigt Verdächtigen in Drogen-Prozess

Kachelmann-Anwalt verteidigt Verdächtigen in Drogen-Prozess

Jetzt hat der große Unbekannte im Prozess gegen die Pirmasenser Drogenfamilie ein Gesicht erhalten. Verteidigt wird er von Staranwalt Reinhard Birkenstock, der Jörg Kachelmann vertreten hatte.

Am Mittwoch wurde vor dem Zweibrücker Landgericht die Hauptverhandlung gegen Abdelouahed M. eröffnet, der in Verbindung mit der Pirmasenser Drogenfamilie gestanden haben soll. Zwei Sicherheitsbeamte führten den unscheinbar wirkenden Angeklagten in Handschellen in den Saal. Neben ihm nahm Reinhard Birkenstock aus Köln Platz. Er hatte Jörg Kachelmann verteidigt. Noch bevor Oberstaatsanwalt Thomas Lißmann die Anklageschrift verlesen konnte, forderte der 70-jährige Staranwalt die Aussetzung des Verfahrens und Haftaufhebung für seinen Mandanten.

Die Anklage stütze sich ausschließlich auf abgehörte Telefongespräche. Die ausländischen Protokolle seien nicht übersetzt und ausgewertet worden, lautete seine Begründung. Um Einblick in die prozessrelevanten Mitschnitte zu gewähren, unterbrach die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas mehrmals die Verhandlung. Am späten Nachmittag sollte ein spanischer Ermittler Angaben zu den Verbindungen des Angeklagten nach Spanien und Marokko machen.

Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte 18 Kilo Haschisch im Gesamtwert von rund 60 000 Euro in die Westpfalz geschmuggelt. Die Kurierfahrt soll der Sohn der Pirmasenser Familie übernommen haben, der parallel mit seiner Mutter und dem Vater wegen weiterer Delikte vor dem Kadi steht. Angeblich hat ihm Abdelouahed M. die Ware Ende 2013 in Dortmund übergeben. Von dort aus transportierte der 32-Jährige den Stoff per Auto zum vereinbarten Abnehmer an den Horeb. Der bückste aber ohne zu bezahlen mit den Drogen aus und befindet sich bis heute auf der Flucht. Der gebürtige Marokkaner aus dem Ruhrpott wollte dennoch sein Geld sehen und machte seine westpfälzischen Geschäftspartner für den Verlust verantwortlich. Laut den Aussagen in getrennten Verhandlungen sollen die Wortwechsel in Morddrohungen gegipfelt sein. Ein abgehackter Finger sei das kleinste Übel , befürchtete die Mutter. Da sie und ihre Angehörigen in weitere Drogengeschäfte verwickelt waren, geriet Abdelouahed M. ins Visier der Polizei , die das Trio und ihren mutmaßlichen Lieferanten vor sechs Monaten zeitgleich dingfest machten. Der Prozess gegen den in Dortmund lebenden Mann findet vor dem Zweibrücker Landgericht statt, weil der Schmuggel-Tatort Pirmasens war. Zurzeit sitzt der Angeklagte, der seit 17 Jahren einen deutschen Pass besitzt, in Trier in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird am kommenden Montag in Zweibrücken fortgesetzt.