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JVA Zweibrücken ist bei Impfungen weiter als Gefängnisse im Saarland

Corona im Gefängnis : JVA ist ihr eigenes Impfzentrum

Medizinisches Personal innerhalb des Gefängnisses impfte die Bediensteten. Doch nur wenige Häftlinge bekamen bisher eine Spritze. Im Saarland hat noch kein Strafgefangener eine Impfung erhalten.

Fast jeder Vierte Rheinland-Pfälzer hat bereits eine Corona-Impfung bekommen. Es handelt sich dabei überwiegend um Personen, die älter als 60 Jahre sind oder Vorerkrankungen haben.

In der Justizvollzugsanstalt Zweibrücken haben dagegen erst 2,6 Prozent der 742 Inhaftierten ein Impfangebot erhalten. Also gerade mal 20 Personen, wie Leiter Jürgen Buchholz auf Merkur-Anfrage mitteilt. Andere Länder wie zum Beispiel Brasilien führen Gefängnisse auf der Priorisierungsliste weit oben. Und hierzulande? Werden Häftlinge bei den Impfungen vergessen? Laut Corona-Impfverordnung zählen Insassen von Justizvollzugsanstalten in Deutschland zur Priorisierungsgruppe 3. Das bedeutet, dass sie seitdem die Gruppe vor kurzer Zeit für Impfungen zugelassen wurde, priorisiert geimpft werden sollen.

Bisher sind in Zweibrücken aber nur Personen mit Vorerkrankungen geimpft, die aus medizinischen Gründen der Gruppe 2 zugeordnet wurden. Gefangene über 70 Jahre – die automatisch auch in Gruppe 2 gelandet wären – gibt es in der JVA Zweibrücken nicht. Leiter Buchholz zufolge ist der älteste Insasse 69 Jahre alt. Lediglich sechs der 626 inhaftierten Männer sind über 60. Bei den Frauen sind es sechs von 116.

Auch wenn in Zweibrücken nur sehr wenige Straftäter geimpft sind, ist man damit immerhin schon einen großen Schritt weiter als das Saarland. In den dortigen Gefängnissen in Saarbrücken und Ottweiler hat noch kein Häftling eine Corona-Impfung erhalten. Dort seien zwar auch rund 20 Strafgefangene in der Priorisierungsgruppe 2 – beim für die Haftanstalten zuständigen Justizministerium heißt es aber, die Termine befänden sich noch in der Abstimmung. Fest steht bisher nur, dass die saarländischen Gefangenen in den Gemäuern der JVA ihre Impfung erhalten sollen. „Eine Ausführung in Impfzentren ist aus Gründen der Sicherheit nicht möglich“, sagte ein Sprecher des Justizministeriums.

Wahrscheinlich ist ein Ablauf wie in Zweibrücken. Hier hat der medizinische Dienst, bestehend aus einem hauptamtlichen Arzt und 14 Helfern, das Impfen übernommen. „Wir sind sozusagen zum eigenen Impfzentrum geworden“, sagt Leiter Buchholz. Das Gefängnis meldete den Bedarf beim Land und bekam daraufhin den Impfstoff geliefert. Nachdem die Freigabe aus Mainz erteilt wurde, verabreichte das eigene medizinische Personal den impfwilligen Häftlingen das Vakzin.

Doch auch wenn die JVA in Zweibrücken anders als die beiden Saar-Gefängnisse schon impft, sind die meisten der aktuell 742 doch noch ohne Impfschutz. Leiter Buchholz sagt, dass die Häftlinge durch die Maßnahmen der JVA schon besonders geschützt seien. Zum Beispiel, weil man Außenkontakte nahezu komplett runtergefahren habe. Außerdem hätte man in der ersten Jahreshälfte 2020 bei 19 Gefangenen eine Haftunterbrechung erwirkt, um die Belegungssituation zu entspannen. Durch diese Entlassungen auf Zeit wurden zusätzliche Räume frei. Neue Insassen müssen seit Beginn der Pandemie nämlich zunächst vorsorglich 14 Tage in Isolation.

 Jürgen Buchholz ist Leiter der JVA in Zweibrücken.
Jürgen Buchholz ist Leiter der JVA in Zweibrücken. Foto: Robert Grünnagel

Zum Schutz der Insassen gehöre es auch, dass die Vollzugsbeamten möglichst schnell geimpft werden. Das ist in der Rosenstadt schon passiert. Ebenfalls innerhalb der JVA – und auch durch den medizinische Dienst. Alle Beschäftigten im Vollzug bekamen ein Angebot, rund 70 Prozent nahmen es an, sagt Buchholz. In der kommenden Woche erhalten die impfwilligen Bediensteten in der JVA Zweibrücken bereits ihre Zweitimpfung.