Justitia kehrt zurück

Wenn am 16. September die Ausstellung „Recht. Gesetz. Freiheit. 200 Jahre Oberlandesgericht Zweibrücken“ öffnet, gibt es nach sieben Jahrzehnten auch ein Wiedersehen mit der Zweibrücker Justitia.

Ehrfürchtig entfernen die Zweibrücker Stadtmuseumsleiterin Charlotte Glück und der Homburger Historiker Martin Baus den Schutzmantel. Zum Vorschein kommt eine weibliche Sandsteinfigur, eine Waage in der Hand und die blinden Augen himmelwärts gerichtet: Justitia. Aber nicht irgendeine Justitia, sondern jene Skulptur, die die Bombardierung Zweibrückens auf dem Hauptfriedhof unbeschadet überlebt hat.

"Wir haben ewig gesucht, bis wir sie wieder gefunden haben - sie ist einer der Höhepunkte in der Ausstellung", erklärt Glück. Die Ausstellung "Recht. Gesetz. Freiheit. 200 Jahre Oberlandesgericht Zweibrücken " wird am 16. September eröffnet und erinnert bis zum 24. Januar im Stadtmuseum an die Bedeutung des OLG als erstes deutsches Gericht, an dem die heiß umkämpfte Gewaltenteilung praktiziert wurde.

Dass Justitia als Göttin des Rechts auch als Symbolfigur auf Plakate, Einladungen sowie das Begleitbuch zur Ausstellung passt, leuchtet ein. Die Bedeutung dieser so häufig dargestellten Sinnfigur des unabhängigen Rechts erläutert Glück so: "Diese Justitia ist die Grabfigur des Advokaten Christian Culmann, einer der berühmten Verteidiger im Assisen-Prozess, dem Verfahren nach dem Hambacher Fest." Geschmückt hat sie Culmanns Grab auf dem Hauptfriedhof von seinem Todesjahr 1837 bis in den Zweiten Weltkrieg. Der ehemalige Zweibrücker Zahnarzt und Historiensammler Dr. Dieter Baumann stellte sie dort sicher und bewahrte sie für die Nachwelt. In den neunziger Jahren, anlässlich der Neugestaltung der Ausstellung auf dem Hambacher Schloss, die Baus miterarbeitete, bot Baumann sie dem Land Rheinland-Pfalz an - ihr erster öffentlicher Auftritt. Doch nach einer weiteren Neukonzipierung der Ausstellung verschwand sie in den Katakomben. "Sachwert gering, der ideelle und historische Wert für Zweibrücken hingegen immens", bringt es Baus auf den Punkt, weshalb die gerechte Schönheit ihres Auftritts bei der Ausstellung in Sicherheitsgewahrsam harrt.

Neben Glück und Baus waren drei weitere Historiker und etliche weitere Helfer damit betraut, Exponate für die Festausstellung zusammenzutragen. Von den ersten Gedankenspielen bis jetzt sind fast vier Jahre vergangen. Unschätzbarer Fundus waren die Bibliotheca Bipontina und die Pfälzische Landesbibliothek Speyer. Historie aktiv erlebbar macht zum Beispiel ein Comic-Film, in dem sich die unterschiedlichen Rechtsorgane sowie Bürger zu einem Prozess zusammenfinden. Welchen Anteil der französische Kaiser und Feldherr Napoleon hatte, demonstriert eine Totenmaske aus Marmor, die auf den Code Civil, das französische Gesetzbuch gebettet ist. "Meine Schlachten werden in Vergessenheit geraten", hatte Napoleon nach seinem Untergang bei Waterloo gemeint, "nicht aber das von mir geschaffene Recht." Daran wird auch die Zweibrücker Justitia von nun an exponiert erinnern: Sie bleibt als Dauerleihgabe im Stadtmuseum. Die übrige Ausstellung "200 Jahre Oberlandesgericht" ist als Wanderausstellung konzipiert, um weit über die Region hinaus die außerordentliche Bedeutung Zweibrückens in der deutschen Rechtshistorie bewusst zu machen: An diesem Gericht wurde erstmals die Gewaltenteilung in Deutschland gelebt.