Mit 22 Jahren ist Justin Köhler Leiter der Zweibrücker Stadtkapelle „Alle sollen Freude am Spielen haben“

Zweibrücken · Unter der Leitung des 22-jährigen Tenorhornisten Justin Köhler startet die Stadtkapelle Zweibrücken in die neue Orchester-Saison. Musikalisch hat der junge Birkenfelder schon einiges erlebt.

Dirigent Justin Köhler hat mit der Zweibrücker Stadtkapelle ein komplett neues Programm eingeübt. Am Samstag, 13. April, gibt das Orchester im 65. Jubiläumsjahr in der Festhalle sein Frühjahrskonzert.

Dirigent Justin Köhler hat mit der Zweibrücker Stadtkapelle ein komplett neues Programm eingeübt. Am Samstag, 13. April, gibt das Orchester im 65. Jubiläumsjahr in der Festhalle sein Frühjahrskonzert.

Foto: Stadtkapelle Zweibrücken

Gut ein Jahr ist es her, seit Justin Köhler die Leitung der Bläserklassen der Stadtkapelle Zweibrücken übernahm. Mittlerweile hat er deren Leitung an Janis Külchen übertragen, denn seit Herbst leitet der 22-jährige Tenorhornist das große Orchester der Stadtkapelle. Mit dem Frühjahrskonzert am 13. April, 20 Uhr, in der Festhalle dirigiert er erstmals ein Repertoire, welches vollständig unter seiner Federführung erarbeitet wurde.

Schon lange machte der junge Musiker aus Birkenfeld, der beim Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg dient, regelmäßig die Reise in die Rosenstadt, um mit den begeisterten Zweibrücker Musikern zu musizieren. „Unser Schlagzeuger und Percussionist Janis Külchen hat mich zur Stadtkapelle mitgenommen, als ein Tenorhorn fehlte. Wir waren Kollegen und sind Freunde“, berichtet Justin Köhler über seinen Weg zur Stadtkapelle. Es gefiel ihm von Anfang an so gut, dass er zunächst häufiger musikalisch aushalf und dann fest einstieg.

Den Weg zur Blasmusik ebnete ihm Mutter Michaela, die selbst Klarinette spielt und mittlerweile häufiger mit der Stadtkapelle zu hören ist. „Als sie mit mir schwanger war, hat sie immer die Schallplatten und CD‘s von Ernst Mosch und seinen Egerländer Blasmusikanten gehört“, erzählt der Vollblutmusiker. „Und damit wohl meine Vorliebe dafür geprägt.“ Als Achtjähriger durfte der Junge bei einem Konzert seines Heimatvereins MV Eisen einmal in das Tenorhorn von Bernd Schüssler blasen. Der Musiker habe gestaunt und ausgerufen: „Das war ja direkt ein solide klingendes f.“ Für Justin Köhler war auf Anhieb klar: „Das will ich machen.“ Er bekam Einzelunterricht von Bernd Schüssler, der ihn vor allem die Egerländer Stilistik lehrte.

Anfangs war das Instrument groß und schwer, doch der Nachwuchsmusiker war beseelt davon, es zu beherrschen. „Außerdem bin ich schnell gewachsen. Es wurde immer leichter“, erinnert er sich. Bereits nach einem halben Jahr kam er ins Jugendorchester und wechselte nur ein Jahr später ins große Orchester. Der Lehrer, das Naturtalent erkennend, hatte seinem Schützling prophezeit: „Ein Jahr, und du spielst besser als ich.“ MV Eisen-Dirigent Carlo Welker übernahm seine Ausbildung und unterrichtete ihn vor allem in der Technik. Justin Köhler weiß: „Das ist eine meiner besonderen Stärken.“

Nachdem der Nachwuchsmusiker alle D-Prüfungen bestanden hatte, wechselte er zum Kreis-Jugendorchester Neunkirchen unter Leitung von Claudia Wälder-Jene. Nach ein paar Jahren war für ihn klar: „Ich will mehr!“ Auf der Frankfurter Musikmesse kam er in Berührung mit der Militärmusik. Er bewarb sich beim Musikkorps der Bundeswehr und wurde in Siegburg angenommen. Er beschreibt: „Jetzt mache ich in der Kaserne den ganzen Tag Musik, feile an meinen Herausforderungen, um auch in der Luftführung immer besser zu werden.“ Außerdem ist das Bundesmilitärorchester regelmäßig unterwegs, bundesweit und international. Neben Appellen mit Marschmusik gibt es unter anderem regelmäßig Benefizkonzerte.

Zu den Höhepunkten gehören die Staatsempfänge in der Bundeshauptstadt. Stolz berichtet der Musiker: „Wir sind das stellvertretende Protokoll-Orchester und dürfen daher immer wieder dort auftreten.“ Am meisten bewegt hat ihn der große Zapfenstreich für Afghanistan vor dem Reichstag. Doch auch ein Auftritt in der Hamburger Elb-Philharmonie gehört zu seinen ganz großen Höhepunkten. Er bestätigt: „Das war etwas ganz Besonderes.“

Mit „Hamburg, das Tor zur Welt“ aus der Feder von Guido Rennert wurde zudem eines seiner Lieblingsstücke aufgeführt. Ein Werk, das er gerne auch mit der Stadtkapelle einstudieren möchte, weil es so vielfältig und facettenreich klingt. Am Tag nach dem Frühjahrskonzert fliegt der Tenorhornist mit dem Musikkorps der Bundeswehr in die Vereinigten Staaten, um in Norfolk, Virginia, beim Musik-Tattoo aufzutreten. Er beschreibt: „Das ist ein großes, internationales Musikfestival, bei dem die verschiedenen Nationen Shows machen oder, wie wir, als Walk-Akt auftreten und marschieren.“

Justin Köhler träumt davon, einmal beim Woodstock der Blasmusik aufzutreten – ein viertägiges Freiluft-Festival, das seit 2011 jährlich an vier Tagen im Juni in der oberösterreichischen Gemeinde Ort stattfindet. Oder ein Konzert im Berliner Olympiastadion zu dirigieren.

Für die Musiker der Stadtkapelle ist ihm wichtig, „dass alle Freude haben an dem, was sie spielen und gerne zu den Proben kommen.“ Deshalb lasse er auch neue Stücke erst einmal durchlaufen, um den Musizierspaß dafür zu wecken und ein Gefühl für das Stück zu geben, bevor er an den einzelnen Stellen feilt.

Nach wie vor liebt Justin Köhler die Egerländer Blasmusik mit ihrem einzigartigen Klang und ihren besonderen Harmoniefolgen. Sein Lieblingsstück ist „Alte Freunde“ von Ernst Mosch. Er schwärmt: „Das ist Musik, die von Herzen kommt und zu Herzen geht.“ Eine Qualität, die er bei allen rund 40 Musikern der Stadtkapelle nähren und herauskitzeln will.

Neben der traditionellen Pfingstbegegnung mit der französischen Partnerstadt Boulogne-sur-Mer hat Zweibrückens musikalisches Aushängeschild mittlerweile auch Freundschaft mit dem Heimatorchester von Janis Külchen im rheinischen Velbert geschlossen. Justin Köhler informiert: „Letztes Jahr haben sie bei uns gespielt, dieses Jahr sind wir in Velbert zu Gast.“

Für die Pfingstbegegnung sind ein Konzert im Rosengarten und eines auf dem Alexanderplatz geplant. Die während der Coronazeit begonnenen Platzkonzerte will die Stadtkapelle beibehalten. Darüber hinaus gebe es Ideen für Neues – und Überraschendes.

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