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Junges Wohnen am Himmelsberg in Zweibrücken

Nach Streit um Fußweg für Behinderte: Baugelände „Junges Wohnen am Himmelsberg“ verkauft : Neuer Eigentümer hält an Planung fest

Wegen „emotionalen Diskussionen und persönlichen Anfeindungen“ in Debatte um Fußweg für geistig Behinderte: Die Immobilia GmbH verkauft das 7700 Quadratmeter große Baugelände am Himmelsberg an die Axel Anstätt GmbH.

Der Streit um die Gestaltung eines der derzeit wichtigsten innerstädtische Neubaugebiete in Zweibrücken hat zu einer überraschenden Wendung geführt: Der Investor hat das Projekt entnervt aufgegeben. Beerdigt wird es damit allerdings nicht: Ein neuer Bauherr für das rund 7700 Quadratmeter große Gelände zwischen Oberer Denisstraße und Ringstraße ist schon gefunden.

Die Immobilia GmbH hat das Grundstück an die Axel Anstätt Bauunternehmung verkauft, ebenfalls aus Zweibrücken. Dies wurde am Freitag auf Merkur-Anfrage bekannt. „Nach den monatelangen teils sehr emotionalen Diskussionen und teilweise auch persönlichen Anfeindungen bezüglich der Erschließung haben wir uns entschlossen, das Areal zu veräußern“, begründet Immobilia-Chef Willi Geßner den Verkauf. Eigentlich hatte der Merkur bei ihm nur nachgefragt, um zu klären, ob es doch noch eine Lösung im Streit um einen von der Lebenshilfe erwünschten Fußweg durch das künftige Neubaugebiet gibt – nachdem vor Weihnachten angedeutet worden war, Investor und Lebenshilfe könnten noch einmal miteinander sprechen.

Axel Anstätt bestätigt auf Merkur-Anfrage den Erwerb des Grundstücks und schreibt, dass „das Projekt wie geplant realisiert werden soll“. Bei dem Projekt „Junges Wohnen am Himmelsberg“ sollen 13 Bauplätze zwischen 475 und 630 Quadratmeter entstehen (wir berichteten). Anstätt kündigt an, dass die Erschließungsarbeiten in den nächsten Wochen beginnen sollen. Der neue Investor wird die Straße selbst bauen.

In die Diskussion war das Projekt wegen des von der Lebenshilfe dringend gewünschten Fußwegs von der Wohnanlage Birke zur neuen Erschließungsstraße gekommen – damit kämen die 24 geistig Behinderten Bewohner sicherer in die Innnenstadt als entlang der vielbefahrenen Steinhauser Straße.

Bleibt es dabei, dass es keinen Fußweg geben wird? Auf diese Merkur-Frage antwortet Anstätt per E-Mail: „Natürlich haben wir die Diskussion verfolgt. Wir sind gerne bereit, ein Gespräch mit der Lebenshilfe zu führen.“ Die bisherigen Eigentümer Geßner und Hans Albus erklären, dass sie bereit seien, ein Gespräch zwischen der Lebenshilfe und dem neuen Eigentümer zu vermitteln.

Die „teilweise unwahren, unsachlichen und polemischen Zeitungsberichterstattungen waren sicher mit ausschlaggebend für die Vorgehensweise“, schreibt Geßner auch im Namen seines Geschäftspartners Albus. „Die Gesundheit geht vor und wir wollen uns diesen Anfeindungen und dem öffentlichen Druck nicht mehr aussetzen.“ Als ob die „Inklusionsfähigkeit“ von Investoren und Stadträten von einem Fußweg abhänge, so Geßner. Hier sei von einigen Personen versucht worden, auf Kosten der Bewohner der Wohnanlage Birke Stimmung zu machen und sich zu profilieren. „Das kann und darf so nicht sein.“

Sie seien immer zu einem „offenen, konstruktiven und fairen Umgang“ mit allen Beteiligten von den Mitgliedern des Bauausschusses und des Stadtrats sowie mit der Lebenshilfe bereit gewesen, betont Geßner. „Das hat aufgrund von unterschiedlichen Auffassungen bisher zu keiner Lösung geführt.“ Ein Fußweg würde die Vermarktung eines oder zweier Grundstücke einschränken. Dieses Argument hatte auch den Stadtrat überzeugt, der Anfang Dezember dem Bebauungsplan bei fünf Enthaltungen der Grünen (die zuvor vergeblich den Fußweg per Änderungsantrag durchzusetzen versucht hatten) einstimmig zustimmte. Nur wenige andere Ratsmitglieder wie Patrick Lang, FWG („Inklusion ja, aber nicht vor unserer Haustür – das kann nicht unser Motto sein!“) stimmten mit den Grünen. Die Lebenshilfe hatte in ihrer schriftlichen Stellungnahme zum Bebauungsplan kritisiert, die Bebauung schotte die Neubau-Wohnungen gegen das Lebenshilfe-Haus bewusst ab. Die Lebenshilfe hatte angeboten, die Kosten für den Fußweg zu übernehmen – und auch ihre Spielflächen für die neuen Nachbarn zu öffnen. Die Rats-Debatte war eine der erregtesten der vergangenen Jahre.

Nach Einschätzung Anstätts hat das Baugelände eine ideale Lage und ermöglicht die Errichtung eines schönen, kleinen Baugebiets. „Natürlich ist es als Zweibrücker Unternehmer auch schön, wenn man in seiner Heimatstadt was bewirken kann.“ Aus der bisherigen Tätigkeit habe die Axel Anstätt Bauunternehmung eine langjährige Erfahrung im Bereich Hoch- und Tiefbau. Jetzt habe sich das Unternehmen sich „entschlossen, eigene Projekte als Erschließungsträger und Wohnungsbaugesellschaft zu realisieren“.

2007 gründete der Meister im Maurer- und Betonbauerhandwerk Anstätt das eigene Unternehmen. Rund zehn Facharbeiter sind in dem Betrieb an der Schwalbenstraße beschäftigt. Die Anstätt GmbH ist im Hoch-, Tief- und Straßenbau tätig.

Mehr Inklusion in Zweibrücken fordert der Verein Kontrastbühne – und protestiert beim Auftritt des Comedy-Duos Mundstuhl diesen Samstag nicht nur gegen den verweigerten Fußweg für die Lebenshilfe, sondern setzt gemeinsam mit dem Comedy-Duo auch ein ganz praktisches Zeichen für Inklusion (aktueller Bericht hierzu)