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Junge Union fordert ein Burkini-Verbot

Junge Union fordert ein Burkini-Verbot

Eine Bedrohung der Frauenrechte sieht die Jugendorganisation der CDU in Ganzkörper-Badeanzügen für Muslima. Die Verwaltungen in Zweibrücken und Zweibrücken-Land wollen Burkinis allerdings nicht verbieten.

Ein Burkini-Verbot für Schwimmbäder in Zweibrücken und Contwig fordert die Junge Union in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Verbände Zweibrücken und Zweibrücken-Land. Sowohl die Verwaltung der Rosenstadt als auch die der Verbandsgemeinde weisen die Forderung zurück. Als "Populismus" bezeichnet Zweibrückens Stadtsprecher Heinz Braun den Vorstoß. Verbandsbürger Jürgen Gundacker (SPD ) spricht von einer "Scheindebatte" und sieht keinen Handlungsbedarf.

Ein Burkini ist ein Schwimmanzug für muslimische Frauen . Er hat eine integrierte Kopfbedeckung und ermöglicht so das Schwimmen in der Öffentlichkeit im Einklang mit einer strengen Auslegung des islamischen Verhüllungsgebotes. An einigen französischen Stränden wie Nizza und Cannes sind solche Burkinis inzwischen verboten. Der Generaldirektor der städtischen Dienste in Cannes, Thierry Migoule, sprach gegenüber "Spiegel Online" von einer "Kleidung, die auf eine Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen hinweist, die gegen uns Krieg führen".

Die Junge Union in Zweibrücken und Zweibrücken-Land will nun ein Konzept "nach französischem Vorbild" für die hiesigen Schwimmbäder . Im Grundgesetz seien die Ausübung der Religion und die Gleichstellung von Mann und Frau geschützt. "Diese Werte haben unsere Rechtsordnung und unser Werteverständnis seit Jahrzehnten geprägt. Aus diesem Grund ist es gerade für Asylsuchende und Migranten eine Pflicht, sich zu unserer demokratischen Werteordnung zu bekennen und diese auch zu leben", so der Ehrenvorsitzende der JU Zweibrücken-Land, Jörg Marx. Misshandelte Frauen , Zwangsheirat und Burka-Pflicht seien in Deutschland immer wieder in den Schlagzeilen. "Wir leben in einem freien Land, in welchem niemand zu irgendwelchen Handlungen oder Maßnahmen gezwungen werden darf", so Marx und der Kreisvorsitzende der Jungen Union Zweibrücken, Tim Sprengart, laut Mitteilung. Man müsse sich auch auf kommunaler Ebene dafür einsetzen, dass Frauenrechte weiter gestärkt werden. "Aus diesem Grund fordern wir eine Änderung der Badeordnung, sodass das Tragen von Burkinis in unseren Schwimmbädern verboten wird", schreiben die JU-Vorsitzenden weiter.

Im Zweibrücker Freibad sind laut Stadtsprecher zuletzt vermehrt Frauen im Burkini gesehen worden. "Vonseiten der Stadt haben wir kein Problem damit", stellt Braun klar. Die Schwimmordnung lasse das zu, und man wolle den Badegästen nicht vorschreiben, was sie zu tragen haben. Auch aus hygienischer Sicht gebe es keine Bedenken, weil es sich um eine offizielle Schwimmbekleidung handele. Ein Verbot sei deshalb kein Thema.

In Contwig hat Schwimmmeisterin Jutta Döring noch nie eine Frau im Burkini gesehen. Und selbst wenn, sähe sie kein Problem darin, da das Kleidungsstück aus Schwimmmaterial bestehe. Für Gundacker kommt ein Verbot ebenfalls nicht infrage: "Was soll ich mich um Dinge sorgen, die es nicht gibt?", fragt er. Und in Richtung der Jungen Union fügt er hinzu: "Das Sommerloch muss gefüllt werden." Es gebe genügend andere Themen, um die man sich kümmern müsse.

Meinung:

Burkini schadet niemandem

Von Merkur-Redakteur Gerrit Dauelsberg

Es ist eine sonderbare Argumentation der Jungen Union: Um unsere freiheitliche Grundordnung zu schützen, fordert sie strengere Kleidungsvorschriften der Kommunen. Dabei macht es unsere liberale Gesellschaft doch aus, dass sich jeder verhalten und kleiden darf, wie er will, solange er anderen nicht schadet. Wem entsteht denn ein Schaden, wenn eine Frau im Ganzkörper-Badeanzug mit Kopfbedeckung schwimmen geht? Und zu unterstellen, dass die Frauen dazu grundsätzlich von ihren Männern gezwungen werden, zeugt von einigen Vorurteilen.