Jonas Kirch und Anne-Lorraine Ring beim Nabu Zweibrücken Zweibrücken und der Klimawandel

Zweibrücken · Klimaschutzmanager Jonas Kirch und Klimaanpassungsmanagerin Anne-Lorraine Ring stellten sich beim Stammtisch des Zweibrücker Naturschutzbundes (Nabu) vor.

 Anne-Lorraine Ring, Klimaanpassungsmanagerin der Stadt Zweibrücken (Kopfende des Tisches) und Jonas Kirch, Klimaschutzmanager der Stadt Zweibrücken (rechts daneben), erklärten den Nabu-Mitgliedern ihre Arbeit.

Anne-Lorraine Ring, Klimaanpassungsmanagerin der Stadt Zweibrücken (Kopfende des Tisches) und Jonas Kirch, Klimaschutzmanager der Stadt Zweibrücken (rechts daneben), erklärten den Nabu-Mitgliedern ihre Arbeit.

Foto: Susanne Lilischkis

Auch an Zweibrücken geht der Klimawandel nicht spurlos vorüber. Und so hat die Stadt mit Jonas Kirch und Anne-Lorraine Ring zwei engagierte Klima-Experten ins Boot genommen. Die beiden stellten sich beim Stammtisch des Zweibrücker Naturschutzbunds (Nabu) am vergangenen Mittwoch vor.

Seit Oktober des vergangenen Jahres arbeitet der Geograf Jonas Kirch als Klimaschutzmanager. Er soll ein integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt Zweibrücken entwickeln. Gefördert wird die Stelle vom Bundeswirtschaftsministerium. „Ich möchte kein Konzept für die Schublade entwickeln“, stellte der 27-Jährige gleich am Anfang seines Vortrages klar. Aber zuerst muss er den Ist-Zustand ermitteln, zum Beispiel eine Energie- und Treibhausbilanz erstellen. Und die sieht in Zweibrücken im Moment so aus, dass die privaten Haushalte den größten Anteil an den Treibhausgasen stellen. Das mag an dem hohen Erdgas-Verbrauch liegen – in Zweibrücken gibt es wenig Fernwärme oder erneuerbare Energieträger.

Schon am Anfang seines Vortrages entspann sich eine Diskussion unter den Anwesenden, woran das liegen könnte. Angesprochen wurde unter anderem die Förderung, die es bis vor kurzem von den Stadtwerken gab, wollte man seine alte, energieintensive Ölheizung durch eine moderne Gasheizung ersetzen. Oder die Frage, ob Heizen mit Holz wirklich klimaneutral sei. In einer Stellungnahme der Bundesregierung heißt es: „Heizen mit Holz ist entgegen der weitverbreiteten Meinung nicht klimaneutral. Die Holzverbrennung produziert neben Feinstaubemissionen auch Kohlendioxid (CO2) und andere klimarelevante Emissionen wie Methan. Pro produzierter Wärmeeinheit sind die CO2-Emissionen sogar höher als bei fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas.“

Wo die Energie für ein Fernwärmenetz herkommen soll, ist im Moment ebenfalls noch nicht geklärt. Viel zu tun also für den neuen Klimaschutzmanager. Jonas Kirch ist es wichtig, dass die Stadt alle Bewohner Zweibrückens auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft mitnimmt: „Ich möchte erreichen, dass das Klimaschutzkonzept von möglichst vielen Menschen in Zweibrücken akzeptiert und unterstützt wird.“

Am Anfang ihres Vortrages machte die Ökologin Anne-Lorraine Ring, die neu eingestellte Klimaanpassungsmanagerin der Stadt Zweibrücken, erschreckende Zahlen deutlich. „Im Herbst 2023 war es in Rheinland-Pfalz bereits 2,4 °C wärmer als in der Referenzperiode 1991 bis 2020. Wir steuern global auf eine vier Grad heißere Welt zu. Das bedeutet, dass es im Sommer in Deutschland regelmäßig über 40 Grad heiß werden wird.“

Dieser Entwicklung, die mit vermehrten Starkregen- sowie Flutereignissen und Hitzetagen einhergeht, müssen Kommunen rechtzeitig mit einer Anpassung der Infrastruktur an die Klimawandelfolgen begegnen. Hier kann Anne-Lorraine Ring auf die gute Vorarbeit des Klimawandel-Anpassungscoaches Christian Kotremba zurückgreifen.

Besonders wichtig ist ihr der Schutz vulnerabler Gruppen und die soziale Ausrichtung beim Klimaschutz. „Leute mit gutem Einkommen können sich E-Auto und Wärmepumpe leisten, Menschen mit geringem Einkommen haben diese Chance nicht. Sie wohnen oft in Quartieren, die an breiten Straßen liegen und die sich schnell aufheizen.“

Rings Stelle wird vom Umweltbundesamt gefördert. Zusammen mit den Zweibrücker Bürgern möchte sie sich unter anderem für mehr Grünflächen und kleine Parks einsetzen, für mehr Dachbegrünung und weniger Schotterflächen. Eine Herausforderung hier sei die Pflege der Grünanlagen, die der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) alleine personell und finanziell nicht leisten könne.

Sie hofft auf die Unterstützung der Bevölkerung, zum Beispiel durch ehrenamtliche Helfer, die Unkraut jäten oder Beete vor ihrer Haustür bewässern. „Das gesellschaftliche Klima ist Jonas und mir gerade zuträglich“, ist sie überzeugt, „wir merken, dass die Leute froh sind, dass wir da sind.“

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