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Jo Steinmetz: Buchpremiere "Verheiratet mit der Zeitung" im Bahnhof Zweibrücken

„Jetzt gehen einmal alle diejenigen in Deckung, die einen Krankenschein haben – oder steckbrieflich gesucht werden.“ : Verliebt in die Zeitung: Ansturm auf Steinmetz-Buchvorstellung

Langjähriger Zeitungsfotograf las im Hauptbahnhof Zweibrücken Anekdoten aus seinem Buch „Verheiratet mit der Zeitung“.

Der neu gestaltete Backshop „Bummelzug“ im Zweibrücker Bahnhof war längst bis auf den letzten Platz besetzt, als immer noch Gäste in den mit rotem Licht anheimelnd gestalteten Raum drängten. Langjährige Kollegen beider Zweibrücker Tageszeitungen, Wegbegleiter und viele andere interessierte Zweibrücker wollten hören, was der in Hornbach lebende Bildjournalist Jo Steinmetz in seinen 30 Jahren als Fotograf der Rheinpfalz in und um Zweibrücken herum erlebt hatte. Der sichtlich beliebte Fotograf, der Mitte der 1980er Jahre sein Hobby zum Beruf ausgebaut hatte, plauderte zwei Stunden lang aus dem Nähkästchen. Weit mehr als 100 seiner schönsten, skurrilsten, spannendsten, kuriosesten Erlebnisse im Dienste der Zeitung hat der 57-Jährige in seinem Buch „Verheiratet mit der Zeitung“ (wir berichteten) zusammengetragen. Von seinem erfahrenen Merkur-Kollegen Herbert „Hörbi“ Bayer lernte der junge Fotograf so manchen flotten Spruch und den Umgang mit Menschen. Nachdem Steinmetz immer wieder bei der Redaktion angeschwärzt wurde mit angeblichen Fotos vom Vorjahr, weil darauf jemand mit Krankenschein abgelichtet war, erweiterte er Bayers Spruch: „Jetzt gehen einmal alle diejenigen in Deckung, die einen Krankenschein haben – oder steckbrieflich gesucht werden.“ Ersteres war wohl bei nicht wenigen Sportveranstaltungen an der Tagesordnung. Am Rande des Spielfeldes erweiterte Steinmetz sein Schimpfwort-Repertoire etwa um „Du Inzuchtköter“. Immer wieder erheiterte sich das begeisterte Publikum über die Geschichten aus dem Leben. Etwa von der miefenden Bude eines über 80-Jährigen, den Jo Steinmetz im Rahmen der Jubilarehrungen gleich mehrere Jahre hintereinander ablichten musste. Oder die Begegnung mit der Ehefrau eines bekannten Schriftstellers, die ihm versehentlich splitterfasernackt die Tür öffnete und damit beide in „Schockstarre“ versetzte.

Gelächter riefen die Druckfehlerteufel hervor, die selbst die Gäste in den abgelegeneren Ecken des großen Raumes per moderner Technik mitlesen konnten. Gesammelt wurden sie von Druckermeister Kurt Werle, der ebenso anwesend war, wie zahlreiche der über 80 stadtbekannten Persönlichkeiten, die gemeinsam mit Jo Steinmetz in Lebenserinnerungen eintauchten. Viele von ihnen standen nach zwei Stunden Autorenlesung Schlange, um sich das Buch vom Autor persönlich signieren zu lassen. „Herrlich. Mitten aus dem Leben mit ganz viel Zweibrücker Lokalkolorit“, lobte Sabine Wagner begeistert. „Einfach toll. Ich habe Tränen gelacht“, kommentierte Patrick Lang seine erste miterlebte Autorenlesung.

Doch Jo Steinmetz ließ auch durchblicken, dass der Zeitungsjob bei aller Liebe zur Fotografie sein Leben 30 Jahre lang vollständig bestimmte. Freimütig erzählte er: „Von 365 Tagen habe ich in manchen Jahren 364 im Dienst gestanden, zumindest 24 Stunden standby.“ Mehr als 150 000 Kilometer legte er im Laufe der 30 Jahre für die Rheinpfalz zurück, fast die Strecke zum Mond und wieder zurück. Seit rund zwei Jahren hat der gesundheitsbedingte Frührentner seinen Beruf wieder zum Hobby gemacht. Doch nach wie vor steht er unter dem Bann der Zeitung: „Viele fragen mich, ob wir getrennt lebend oder geschieden seien. Ganz ehrlich: Ein bisschen verliebt in sie bin ich noch immer“, sagte er zum Schluss und erntete tosenden Beifall der mehr als 250 Gäste. Für beste Stimmung sorgte auch die „2nd Bridge Blues Band“, die den Abend musikalisch umrahmte.

Das Buch ist im „Tredition-Verlag“ erschienen. Für 12,99 Euro ist es unter anderem beim Autor, bei Thalia in der Fußgängerzone oder online erhältlich.