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"Jede Menge Potenzial" am Flughafen

"Jede Menge Potenzial" am Flughafen

Im Rückblick auf die Weichenstellungen im Rahmen der Konversion - was würden Sie heute anders machen?Brüderle: Im Kern würde ich es genauso machen. Die Entwicklung kann sich sehen lassen. Die Lücken, die zum Beispiel durch den Abzug der US-Streitkräfte entstanden sind, wurden schnell gefüllt. Gerade in Zweibrücken sind viel mehr Arbeitsplätze entstanden als damals vorhanden waren

Im Rückblick auf die Weichenstellungen im Rahmen der Konversion - was würden Sie heute anders machen?Brüderle: Im Kern würde ich es genauso machen. Die Entwicklung kann sich sehen lassen. Die Lücken, die zum Beispiel durch den Abzug der US-Streitkräfte entstanden sind, wurden schnell gefüllt. Gerade in Zweibrücken sind viel mehr Arbeitsplätze entstanden als damals vorhanden waren. Vielleicht würde ich aber das Tempo etwas forcieren.

Wie hat sich nach Ihrer Einschätzung Zweibrücken in dem vergangenen Jahrzehnt verändert?

Brüderle: Sehr gut! Zweibrücken ist als früherer Grenzort in der Mitte Europas gelandet. Die Stadt hat es zum Beispiel geschafft, weltweit tätige Industrieunternehmen anzusiedeln. Auch gibt es in der Stadt heute eine Hochschule. Solche Entwicklungen sind aber nur möglich, wenn sich die Verantwortlichen einig sind und gemeinsam an einem Strang ziehen.

Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung des Flugplatzgeländes in Zweibrücken?

Brüderle: Sowohl im Bereich Luftfracht als auch im Bereich Passagierbeförderung steckt für den Flugverkehr in Deutschland noch jede Menge Potenzial. Das kann auch der Flughafen in Zweibrücken nutzen. Über die Ansiedlung von Unternehmen müssen die betroffenen Kommunen gemeinsam entscheiden. Das gilt auch für die geplanten Fachmärkte auf der Truppacher Höhe.

Steht der Flughafen Zweibrücken ohne Zusammenarbeit mit dem saarländischen Ensheim vor dem Aus?

Brüderle: Das denke ich nicht. Kooperationen können natürlich Vorteile bringen, zum Beispiel wirtschaftliche. Ob in diesem Fall ein erneuter Versuch für eine Kooperation Aussichten auf Erfolg hat, können die Akteure vor Ort besser beurteilen.

Welche Verkehrsprojekte müssen in der Region dringend vorangetrieben werden?

Brüderle: Hier ist eine gute Mischung gefragt. Zum einen muss der Straßenverkehr optimiert werden. Ich denke da an den Ausbau der Bundesstraße B 10, mit dem die Verbindung zwischen der Südpfalz und Karlsruhe verbessert würde. Zum anderen sollte Zweibrücken an die S-Bahn Rhein-Neckar angebunden werden. Auch die Erweiterung des Flugverkehrs ist für die Westpfalz sehr wichtig.

Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Lage Deutschlands ein?

Brüderle: Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent gewachsen. Besser als bei uns lief es in keinem anderen Industrieland. Wir haben auf Jahre hinaus gute Chancen auf gute Wirtschaftsdaten. Deutschland ist außerdem die Lokomotive für ein Wirtschaftswachstum in Europa. Das ist mit Fleiß und Ideenreichtum vieler fleißiger Menschen in unserem Land erreicht worden. Wir sind auf der Schnellbahn in Richtung Vollbeschäftigung, die in einigen Teilen Süddeutschlands schon Realität ist. Es warten aber auch viele Herausforderungen auf uns, denen wir uns stellen müssen. Wir müssen uns zum Beispiel um den Fachkräftemangel kümmern. Dabei ist eine richtige Weichenstellung bei der Zuwanderung nötig. Auch um eine weitere Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern muss geworben werden. Die Unternehmen müssen sich um die Rohstoffversorgung bemühen; wir unterstützen sie dabei politisch. Hier sind Länder wie China, Indien oder Russland führend.

Hat der Euro eine Chance oder wird die Währungsunion scheitern?

Brüderle: Der Euro ist stabil, sein Bestand ist nicht gefährdet. Es muss aber jetzt entschlossen und konsequent gehandelt werden. Die Staaten der Euro-Zone, vor allem diejenigen mit Problemen, müssen an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist die Hauptursache der Schuldenkrise. Europäische Gemeinschaft heißt auch Solidarität. Natürlich helfen wir den Ländern, die Schwierigkeiten haben. Sie müssen aber auch eine Gegenleistung bringen und ihre Probleme lösen. Um das zu erreichen, muss die Hilfe an einen wirksamen Sanktionsmechanismus gekoppelt sein.

"Zweibrücken ist als früherer Grenzort in der Mitte Europas gelandet."

Rainer Brüderle