Jasmin Gratz sprach im Zweibrücker Audimax über die Himmelsscheibe von Nebra Das Geheimnis der Himmelsscheibe

Zweibrücken · Jasmin Gratz sprach im Audimax der Zweibrücker Hochschule über den archäologischen Sensationsfund. Das Objekt war eine astronomische Erinnerungsstütze für diejenigen, die den Himmel der Bronzezeit beobachteten.

Jasmin Gratz referierte am Hochschul-Campus Zweibrücken zum Thema „Die Himmelsscheibe von Nebra – Astronomie der Bronzezeit“.

Jasmin Gratz referierte am Hochschul-Campus Zweibrücken zum Thema „Die Himmelsscheibe von Nebra – Astronomie der Bronzezeit“.

Foto: Susanne Lilischkis

Rätselhaft ist sie, die Himmelsscheibe von Nebra. Das Jahrtausende alte archäologische Objekt ist auch heute noch nicht komplett verstanden. Es zeigt die älteste bekannte realistische Darstellung des Himmels und es hat die Sichtweise auf die mitteleuropäische Bronzezeitkultur grundlegend revolutioniert. Über die gesicherten Erkenntnisse zur Himmelsscheibe berichtete kürzlich Jasmin Gratz, Referendarin für das Lehramt für die Sekundarstufe I und II in Mathematik und Physik im Saarland. In ihrer Abschlussarbeit hat sie sich mit der Himmelsscheibe von Nebra und ihren Anwendungen für den Physikunterricht befasst. Jetzt stellte sie einige Erkenntnisse im Rahmen des Studium Generale am Hochschulstandort Zweibrücken vor.

Zur Einführung erfuhren die Besucher einige geschichtliche Fakten über das Objekt. Gefunden wurde die Scheibe 1999 von Raubgräbern – auf dem Gipfel des 252 Meter hohen Mittelbergs in der Gemarkung Ziegelroda, etwa vier Kilometer westlich der Stadt Nebra. Seit 2002 gehört sie zum Bestand des Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle. Ihr Alter wird auf 3700 bis 4100 Jahre geschätzt.

Was bewegte die Menschen damals, ein solches Bronze-Objekt mit Goldauflagen herzustellen? Die Scheibe mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern und einem Gewicht von zwei Kilogramm kann nicht für kriegerische Zwecke eingesetzt worden sein – als Schild zum Beispiel – dazu ist die Legierung zu weich. Die Forschung ist sich heute ziemlich sicher, dass es sich um einen Kalender handelt. „Es ist ein Objekt eines Volkes aus der Aunjetitzer Kultur, das sesshaft wurde“, erklärte Jasmin Gratz.

Sesshaft, das bedeutet Ackerbau und dafür muss man wissen, wann man säen und ernten kann. Hier half die Himmelsscheibe. Auf ihr sieht man einen Vollmond, einen Halbmond und zahlreiche Sterne. Eine Ansammlung von Sternen stellen die Pleijaden – auch Siebengestirn genannt – dar. Und das hat seinen Grund.

Beim ersten Untergang der Pleijaden am Abendhimmel startet das Frühjahr und damit die Aussaat. Wenn diese Sterne am Morgen zum ersten Mal aufgehen, wird es Zeit für die Ernte, denn dann beginnt der Herbst. Dass ein solches Werk in Mitteleuropa zur Anwendung kam, wo die Wissenschaft zu dieser Zeit eher „Barbaren“ verortete, sei nach Ansicht der Referentin die eigentliche Sensation.

Laut Gratz wurden der Himmelsscheibe im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Ornamente hinzugefügt. Horizontbögen zeigen den Verlauf der Sonne zur Sommer- und Wintersonnenwende.

Forscher konnten laut Gratz außerdem bestätigen, dass die Horizontbögen auf den Fundort verweisen – die Scheibe wurde tatsächlich in der Gegend benutzt, in der sie gefunden wurde, und irgendwann, um das Jahr 1550 vor Christus unbrauchbar gemacht und vergraben.

Die Frage nach dem Warum lässt sich heute nicht mehr beantworten. Vielleicht wollte man Herrschaftswissen geheim halten oder mit einem Opfer die Götter besänftigen. Sicher ist aber, dass die Himmelsscheibe danach 3500 Jahre in der Erde lag und heute das Kernstück der Ausstellung im Landesmuseum Halle bildet.

Interessant ist auch die Herkunft der verwendeten Materialien. Während das Kupfer aus den österreichischen Alpen stammt, kommen Zinn und Gold aus Cornwall/Südengland und lassen einen womöglich jahrelangen Reiseweg vermuten.

Wie genau die bronzezeitlichen Kunstschmiede gearbeitet haben, untersuchte Jasmin Gratz anhand der Himmelsbögen. Sie sind mit einer Abweichung von nur einem Grad auf die Himmelsscheibe aufgebracht – wahrlich eine Meisterleistung.