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Jahresrückblick 2022 in Zweibrücken: August bis Dezember

Jahresrückblick Zweibrücken 2022 (Teil 3 von 3) Was von August bis Dezember geschah : Neue Festhallen-Betreiber, neue Kita, neue Deere-Halle, neue Chefs bei Polizei und Tadano

Mehrere teils sehr erfreuliche Neuerungen prägten die letzten fünf Monate des Jahre in Zweibrücken. Es gab aber auch einige schlechte Nachrichten.

August

Das Pfälzische Oberlandesgericht in Zweibrücken weist die Klage eines Modehändlers aus Landau gegen die vielen von der Landesregierung erlaubten Sonntags-Öffnungen des Zweibrücken Fashion Outlet zurück. Allerdings lässt das OLG deutlich durchblicken, dass es nur aus formellen Gründen so entschieden hat und durchaus für überprüfenswert hält, ob die Extrawurst für das Outlet (rund zwölf verkaufsoffene Sonntag mehr als andere Geschäfte) noch Bestand haben kann, wenn der Grund dafür – Ferien-Urlaubsflüge am benachbarten Flugplatz – längst entfallen ist. Rheinland-Pfalz habe seine Gesetze aber so gestaltet, dass klageberechtigt nicht konkurrierende Geschäftsleute seien, sondern nur Landtags-Fraktionen den Verfassungsgerichtshof anrufen könnten. Das aber will – außer vielleicht den Freien Wählern – niemand tun.

Schon wieder machen sich nachts Vandalen an den Tretbooten an der Schließ zu schaffen. Während beim letzten Mal die Täter/-innen dank Kameraüberwachung ermittelt werden konnten, erweist sich diesmal eine Spinne als Komplizin: Ein Spinnennetz trübt den Blick der Kamera.

Nach einem 2,7 Millionen Euro teuren Total-Umbau eröffnet Edeka Ernst wieder. Zu den Neuerungen gehört ein begehbares Kühlregal.

Das Amtsgericht Zweibrücken verurteilt den Kameradschaftsführer des „Nationalen Widerstands Zweibrücken“ zu 1350 Euro Geldstrafe. Die Rechtsextremisten verstießen laut Urteil am Volkstrauertag im November 2021 gegen das Versammlungsgesetz, weil sie ihren Marsch zur Kranzniederlegung mit Reden nicht beim Ordnungsamt angemeldet hatten. Bei der Versammlung selbst war die Ordnungsbehörde nicht eingeschritten.

Seit Juli hat die Zweibrücker Festhalle einen neuen Betreiber: die Eventagentur „Festlicht“ von Sandra Matheis statt der 14 Jahre dort aktiven Zadra-Gruppe. „Wir wollen eigene Veranstaltungen organisieren, die für Belebung der Festhalle in der Zeit sorgen, wo dort sonst nichts ist – das ist unsere Aufgabe“, hatte Matheis direkt nach dem Zuschlag durch den Stadtrat im Mai erklärt. Nur Wortgeklingel? Nein, viel mehr, wie sich schon im August jeden Donnerstag beeindruckend zeigte: Die neue Reihe „Sommer Lounge“ mit DJ-Musik, Cocktails und Snacks begeisterte viele Besucher/-innen, auch wegen der tollen Location: Festlicht nutzt die – zuvor fast ungenutzte – Dachterrasse der Festhalle, die einen traumhaften Blick über Rennwiese und Allee bietet. Die „Sommer Lounges“ kamen so gut an, dass Anfang September spontan ein Zusatztermin drangehängt wurde. Für zur Jahreszeit passende Stimmung sorgte im Dezember – und noch bis Mitte Januar – auf der Dachterrasse die ebenfalls neue Veranstaltungsreihe „Winterdorf“. Ganz klassisch lief derweil in der Festhalle das städtische Kulturprogramm weiter – bei Euroclassic leider, wie an allen Veranstaltungsorten, trotz hochkarätigen Programms pandemiebedingt mit deutlich weniger Konzertbesuchern als früher.

September

Monatelange Verkehrsprobleme auf Hauptverkehrsstraßen gab‘s 2022 in Zweibrücken leider auch noch nach der Wiedereröffnung der Alten Ixheimer Straße. Unter anderem wegen Teilsperrungen in der Kaiserstraße – vor allem aber im Kreuzungsbereich Hofenfels-/Saarland-/Landauer Straße: Ausgerechnet an der wohl unübersichtlichsten der wichtigen Zweibrücker Kreuzungen waren am 19. August alle Ampeln ausgefallen. Behoben werden konnte der Defekt erst drei Monate später, als ein gebrauchtes Steuergerät aufgetrieben werden konnte; das defekte alte war nicht mehr lieferbar. Was viele befürchtet hatten – ein schwerer Unfall – passierte Anfang September: Eine Autofahrerin und ihr Kind wurden verletzt, als sie einen Lkw übersah. Bei der Kollision wurde dann auch noch ein Feuerwehrfahrzeug beschädigt – und, Ironie des Schicksals, eine der ausgefallenen Ampeln.

Eine Mieterin zeigt im März neue Risse in ihrer Wohnung neben der maroden Schwarzbach-Spundwand in der Schillerstraße. Im Dezember wurde ein Gutachten fertig.
Eine Mieterin zeigt im März neue Risse in ihrer Wohnung neben der maroden Schwarzbach-Spundwand in der Schillerstraße. Im Dezember wurde ein Gutachten fertig. Foto: Mathias Schneck

Spundwand-Drama geht 2023 ins dritte Jahr: „Bei Einsturz Anruf – Geotechniker Rolf Katzenbach wird gerufen, wenn etwas zusammenkracht – wie das Kölner Stadtarchiv“, schrieb die „Frankfurter Rundschau“ schon 2010 über den renommierten Geotechniker der TU Darmstadt. Zweibrücken hat ihn 2022 gerufen: Im September beginnt Katzenbachs Büro die Spundwand (Uferhangbefestigung) am Schwarzbach in der Zweibrücker Schillerstraße zu untersuchen, wo – möglicherweise wegen misslungener Spundwand-Sanierungsversuche 2021 – mindestens ein benachbartes Wohn- und Geschäftshaus einsturzgefährdet ist. Anfang Dezember ging das Gutachten bei der Stadt ein – zum Inhalt wurde noch nichts bekannt. Nicht die erste Verzögerung: Auf die Einberufung des von Oberbürgermeister Wosnitza schon im März versprochenen „Runden Tischs“ mit den Nachbarn warten diese auch im Dezember noch.

Fahndungserfolg in mysteriöser Zweibrücker Beschuss-Serie: Die Polizei findet Ende September zahlreiche Beweisstücke zuhause bei einem Mann, der in bis zu acht Fällen seit Anfang September in Zweibrücken eine Wohnung, Busse, Laster und eine Sparkassen-Automatenfiliale mit Stahlkugeln beschossen haben soll. Das Motiv ist noch unklar.

Oktober

Ahrtal-Flutkatastrophe und Ukraine-Krieg schärfen das Bewusstsein für die Kommunikations-Sicherheit in Katastrophenfällen: Der Stadtrat beschließt den Kauf von 15 Notstromaggregaten. Diese sollen an 15 Anlaufstellen für Bürger, genannt „Katastrophenschutz-Leuchttürme“, installiert werden und zum Beispiel telefonieren in Notfällen ermöglichen, wenn das Stromnetz längere Zeit ausfällt.

Der Landmaschinenhersteller John Deere zentralisiert seine deutschen Logistiklager – und eröffnet sein 22 000 Quadratmeter großes Logistikzentrum (etwas mehr als die Nettoverkaufsfläche im Zweibrücken Fashion Outlet!) nach rekordverdächtig kurzer Planungs- und Bauzeit. Zu den gut 1000 Arbeitsplätzen im benachbarten Werk kommen so 125 dazu – wäre das Personal dort nicht bei einem beauftragten Logistikunternehmen angestellt, sondern bei John Deere direkt, hätte John Deere damit Tadano als größten Arbeitgeber in Zweibrücken (rund 110 Stellen) überholt.

Grund zum Feiern: 30 Millionen Euro für den Bau des Logistikzentrums waren eine der größten Investitionen in der Geschichte des Landmaschinenherstellers in Zweibrücken.
Grund zum Feiern: 30 Millionen Euro für den Bau des Logistikzentrums waren eine der größten Investitionen in der Geschichte des Landmaschinenherstellers in Zweibrücken. Foto: Lutz Fröhlich

November

Zukunft von Finanzamt-Standort offen: Seit 2014 ist das Finanzamt in Zweibrücken nicht mehr in einem eigenen Gebäude, sondern nur noch als Service-Stelle des Finanzamts Pirmasens untergebracht, und zwar im Behördenzentrum Max 1. Weil infolge der fortschreitenden Computerisierung im Schnitt an den beiden wöchentlichen Öffnungstagen nur noch je 15 Kunden kämen, die meist aber ihre Anliegen genauso gut in einen Briefkasten werfen könnten, prüft das Finanzamt, ob es den bis Ende 2023 laufenden Mietvertrag verlängert oder nicht. Man wolle aber auf jeden Fall eine persönliche Anlaufstelle in Zweibrücken erhalten – womöglich aber mit weniger Personal und auf deutlich kleinerer Fläche.

Eine der größten Prozess-Serien der Geschichte Zweibrückens endet Stück für Stück, es gibt teils langjährige Haftstrafen in den vier parallel laufenden Prozessen gegen eine mutmaßliche Drogenbande. Ende November etwa wird unter anderem einer der drei Köpfe der bis zu elf Mitglieder umfassenden Bande zu elf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Dass sie Nazi-Tattoos hatten und abgehörte Gespräche öfter mit „Heil Hitler“ beendeten“, bezeichneten die Angeklagten als unpolitische Provokation.

Am 30. November ist es endlich soweit: Die neue städtische Kindertagesstätte an der Gabelsbergerstraße – 5,25 Millionen Euro teuer – wird eröffnet. Schon im Jahr 2016 hatte die Stadt den Bau angekündigt. Es folgten lange Diskussionen um den Standort neben der Festhalle. Kurz nach Beginn der Bauarbeiten folgte 2019 der erste Baustopp. Der war noch kurz, denn Grund war „nur“ der Fund einer 250-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. 2020 sorgten Corona-Pandemie und Material-Lieferprobleme für lange Verzögerungen.

Nach jahrelangen Verzögerungen endlich fertig: die neue städtische Kindertagesstätte zwischen Festhalle und Landgestüt.
Nach jahrelangen Verzögerungen endlich fertig: die neue städtische Kindertagesstätte zwischen Festhalle und Landgestüt. Foto: Lutz Fröhlich

2021 dann platzte (einige Zeit unbemerkt) ein Schlauch, der zerstörte neue Boden musste auf der ganzen langen Kita-Länge ausgetauscht werden. Doch das Warten hat sich gelohnt: Die neue Kita begeistert nicht nur durch ihre schönen Innenräume, sondern auch die liebevolle Außengestaltung. So greift der Spielplatz mit Pferde-Figuren die Nachbarschaft zum Landgestüt auf. Jetzt kann man nur die Daumen drücken, dass die Entscheidung von Stadtverwaltung und Stadtrat richtig war, die Kita nicht – wie zunächst geplant – zum Hochwasserschutz auf Stelzen zu stellen . . .

Dezember

Knapp 84 Cent mehr Hundesteuer pro Monat müssen Halter ab 2023 in Zweibrücken zahlen. Die Stadtspitze will damit einen Beitrag zum Verringern des 250 Millionen Euro hohen Schuldenberg leisten. Diese knapp 84 Cent (10 Euro jährlich) empfanden viele Bürger und Ratsmitglieder aber als Zumutung. Nicht nur, weil es um den besten Freund des Menschen ging – sondern auch, weil die Steuererhöhung in eine Zeit fällt, in der die Nerven und Portemonnaies durch die vielen Preissteigerungen ohnehin schon blank liegen. Am Ende ließ sich eine hauchdünne Mehrheit des Stadtrats von dem Argument überzeugen, Zweibrücken könne nicht aus Steuergeldern Anderer eine Entschuldung durch das Land erwarten, wenn die Stadt selbst niedrigere Steuersätze als andere Städte erhebt.

Mit gleich drei überraschenden Personalwechseln endet das Jahr: Trotz seines sehr guten Rufes muss Matthias Mahl die Leitung der Polizeiinspektion Zweibrücken abgeben. Grund: Mahl gehört nur dem „gehobenen Dienst“ an – doch Rheinland-Pfalz möchte größere Dienststellen mit Beamten des „höheren Dienstes“ besetzen. Als Mahl 2014 die Inspektion übernahm, seien keine „höheren“ Beamten verfügbar gewesen. Mahl ist nun stellvertretender Inspektionsleiter – neuer Chef ist Nicolai Zöller, der lobte, er übernehme „eine sehr gut geführte Inspektion“. Und bei Tadano gingen gleich zwei langjährige Führungskräfte: Geschäftsführer Jens Ennen wird durch Kenichi Sawada ersetzt – Personalchef Frank Schättle wechselt zu John Deere.

Die Jahresrückblick-Teile 1 und 2 sind am 28. und 30. Dezember erschienen (teils mit auch noch in die letzten Monate hineinwirkenden Ereignissen).