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Ina Stenger ist die zweite Foodsharing-Botschafterin in Zweibrücken

Ina Stenger ist die zweite Foodsharing-Botschafterin in Zweibrücken : Mehrwert schaffen für sich und andere

Ina Stenger ist die zweite Foodsharing-Botschafterin in Zweibrücken. Die 32-jährige Lehrerin engagiert sich in zahlreichen Projekten, darüber hinaus für Ökologie und Nachhaltigkeit.

„Jeder Einkaufszettel ist ein Wahlzettel. Er beeinflusst unsere Zukunft“, findet Ina Stenger. Die 32-jährige Zweibrückerin meint damit die Entscheidung, für die eigene Gesundheit und für Nachhaltigkeit mit Blick auf die verwendeten Ressourcen und die Belastung der Umwelt, die das Produkt mit sich bringt und nach sich zieht.

Acht Wochen Rucksacktrip durch Indonesien nach dem ersten Staatsexamen mit einer engen Freundin haben der Grund- und Hauptschullehrerin einen völlig neuen Blick auf die Welt eröffnet. „Ich habe angefangen, mein Leben ganz neu zu reflektieren und festgestellt, dass wir hier im Westen bereits in dem Land wohnen, wo ‚Milch und Honig fließt’“, beschreibt sie ihre Erkenntnisse aus einem Land, in dem die Umwelt leidet und die Menschen voller Fröhlichkeit und Lebensfreude sind, obwohl es ihnen materiell schlecht geht. „Das hat unglaublich viel mit mir gemacht“, erinnert sie sich an das erwachte Bewusstsein über ihre Verantwortung mit ihrem Bildungs- und Wissenstand für „mein eigenes Leben, das unserer Nachkommen und der gesamten Welt“.

Den Fernseher abzuschaffen und die frei gewordene Zeit einzusetzen, um einen Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft zu schaffen, war der erste Schritt. Seitdem ist die Zweibrückerin mit Freundinnen und in Netzwerken unablässig auf dem Weg in einem Wandlungsprozess, den sie als Ziel definiert. Ohne Anspruch auf Perfektion.

Das Buch „Utopien für Realisten“ und der Film „Tomorrow“ gaben ihr die letzte Inspiration „daran zu glauben, dass Dinge möglich sind und dass ich etwas dazu beitragen kann“. Deshalb gibt sie sich auf Facebook auch den Zusatz „Utopina“. Gemeinsam mit ihrer ganz engen Freundin Yanna Lorang teilte sie nicht nur die Zeit der Schwangerschaft und die junge Mutterrolle, sondern auch dieselben Werte für ein glückliches Leben in einer harmonischen Gesellschaft miteinander und mit Mutter Erde.

„Das Leben hat uns massiv unterstützt. Corona hat uns eher in die Karten gespielt und was wir anfassen, läuft einfach super“, blickt sie auf etwas mehr als ein Jahr Food-Sharing, das Retten von Lebensmitteln vor der Tonne, zurück. Die beiden Freundinnen hatten die Idee dazu, Food-Sharing-Botschafterin Anika Weber kehrte mit ihrer enormen Erfahrung aus Karlsruhe in ihre Heimatstadt zurück und binnen kurzem gab es drei offizielle Fair-teilerstellen und ein Team von über 50 sogenannten Foodsavern, also Nahrungsrettern.

Ist das Quizz für die Qualifikation als Foodsaver bereits anspruchsvoll, um den Kooperationspartnern der Supermärkte und Geschäfte eine Qualitätssicherheit zu bieten, ging es mit der Weiterqualifikation zur Betriebsverantwortlichen in die nächste Runde. Um die Botschafterin zu entlasten, übernahm Ina Stenger während ihrer Elternzeit zunehmend organisatorische und Koordinations-Aufgaben von der zweifachen Mutter.

Als Anika Weber ihr die Weiterbildung zur Botschafterin anbot, fühlte sie sich geehrt von dem Vertrauen. Jetzt pflegt auch die Pädagogin als Ansprechpartnerin für alle das Netzwerk zu den umliegenden Foodsaving-Organisationen, führt neue Food-Saver in ihre verantwortungsvolle Aufgabe ein und organisiert Stammtische und Info-Stände unter dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“.

Doch damit nicht genug. Da sich gleich zwei Großelternpaare und Papa Moritz Schneider mit um den 18 Monate alten Anton kümmern, nutzt Ina Stenger den frei gehaltenen Rücken über die Zeit hinaus, wenn ihr Kind schläft, um neue Projekte zu initiieren. Geplant sind im Team ein vegan-regionaler Kochkurs bei der VHS Zweibrücken sowie ein Seminar „Wie man entspannt mehr Nachhaltigkeit in seinen Alltag einbauen kann, ohne sich selbst und sein Umfeld zu überfordern“.

Besonders Kleidung aus fairem, nachhaltigem Handel zu finden, ist nach wie vor eine große Herausforderung. Und noch eine weitere Tür hat sich für die engagierte Frau geöffnet: Als eine der wenigen erhielt sie unter zahlreichen Bewerbern einen Ausbildungsplatz als „zertifizierte Klimabotschafterin“. Ina Stenger lacht: „Ja, meine Freizeit ist sehr danach ausgerichtet, Dinge zu tun, die einen Mehrwert haben, für mich und für andere.“ Damit fühlt sie sich erfüllt und glücklich.

www.foodsharing.de