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Immer öfter führt der Weg in die Psychiatrie

Immer öfter führt der Weg in die Psychiatrie

Zweibrücken. Massiv angestiegen ist die Zahl von Zweibrückern, die letztes Jahr in die Psychiatrie eingeliefert werden mussten. Das sagte gestern Klaus Stefaniak, Leiter des Ordnungsamtes, dem Merkur auf Anfrage. "Im letzten Jahr waren es 59 Fälle", erklärte Stefaniak

Zweibrücken. Massiv angestiegen ist die Zahl von Zweibrückern, die letztes Jahr in die Psychiatrie eingeliefert werden mussten. Das sagte gestern Klaus Stefaniak, Leiter des Ordnungsamtes, dem Merkur auf Anfrage. "Im letzten Jahr waren es 59 Fälle", erklärte Stefaniak. Früher sei es absolute Ausnahme gewesen, dass ein Bürger in die Psychiatrie musste, merkte der Ordnungsamts-Chef an. "Im Jahr 2004 waren es fünf solcher Fälle, 2005 sieben", blickt er zurück. Der Vollzugsdienst des Ordnungsamtes, der mit polizeiähnlichen Aufgaben betreut ist, nehme solche Einweisungen vor. "Beispielsweise, wenn die Mitarbeiter im Vollzugsdienst auf ihrer Streife einen Bürger sehen, der völlig betrunken oder mit Drogen zu ist und Selbsttötungsabsichten äußert", nannte Stefaniak einen typischen Fall aus der Praxis. Da hier Gefahr im Verzug bestehe, müssten die Betroffenen unverzüglich in die Psychiatrie, unter Aufsicht, gestellt werden. Da es in Zweibrücken eine solche Einrichtung nicht gibt, werden diese Personen in die Psychiatrie in Pirmasens, die an das dortige Krankenhaus angeschlossen ist, eingeliefert. "Es ist landesweit ein starker Anstieg solcher Einlieferungen zu beobachten", macht Stefaniak darauf aufmerksam, dass sich die Stadt diesbezüglich in schlechter Gesellschaft befindet.Solche Einweisungen seien für die Kräfte im Vollzugsdienst keineswegs eine Routine-Aufgabe. "Zwar stimmen die Betroffenen in rund der Hälfte der Fälle zu, sich in die Psychiatrie einweisen zu lassen, weil ihnen selbst dämmert, dass sie akute Hilfe brauchen. Aber es gibt Fälle, in denen sie sich wehren. Unsere Mitarbeiter sind in Deeskalation und Selbstverteidigung geschult; aber dennoch ist das keine leichte Aufgabe", sagte Stefaniak.

Das Betreuungsamt der Stadt, das an das Sozialamt angegliedert ist, arbeitet mit dem Ordnungsamt bezüglich der Einlieferungen Hand in Hand. Auch dort beobachtet man seit längerer Zeit schon ein extremes Ansteigen der von Stefaniak geschilderten Fälle. Auch das Betreuungsamt sieht in zunehmendem Alkoholismus eine der Hauptursachen. Wenn die Eingelieferten sich gegen diese Maßnahme sperrten, werde entweder im Vorfeld oder schnellstmöglich im Anschluss daran eine richterliche Genehmigung dafür eingeholt, hieß es im Betreuungsamt. Wie lange die Betroffenen in der Psychiatrie bleiben müssten? Das sei ganz unterschiedlich. Einige könnten bald wieder entlassen werden, andere hingegen müssten in die geschlossene Abteilung, weil sie dauerhaft gefährdet seien.