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Idyll auf Kosten der Steuerzahler zubauen?

Idyll auf Kosten der Steuerzahler zubauen?

Direkt unterhalb der viel befahrenen Landesstraße 480 beginnt eine andere Welt. Das Gefühl hatten gestern viele Teilnehmer der Ortsbegehung auf der Truppacherhöhe. Hinter einer Gehölzreihe übertönt Vogelzwitschern die Verkehrsgeräusche. Immer wieder eröffnen sich von dem Feld- und Wanderweg neue Blicke auf die sanft gewellte Hügellandschaft, auf Blumenwiesen, Bäume und Felder

Direkt unterhalb der viel befahrenen Landesstraße 480 beginnt eine andere Welt. Das Gefühl hatten gestern viele Teilnehmer der Ortsbegehung auf der Truppacherhöhe. Hinter einer Gehölzreihe übertönt Vogelzwitschern die Verkehrsgeräusche. Immer wieder eröffnen sich von dem Feld- und Wanderweg neue Blicke auf die sanft gewellte Hügellandschaft, auf Blumenwiesen, Bäume und Felder. Ausgerechnet hier sollen bald Laster und Autos zu einer Tankstelle, einer Spielhalle und einem McDonalds fahren. Die Zufahrt soll allein mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Von 3,7 (!) Millionen Euro war bisher die Rede, hinzu käme noch ein Tunnel unter der L 480. Naturschützer haben massive Bedenken gegen die geplante Zufahrt, das Romantik-Hotel Landschloss Fasanerie sorgt sich um seine Romantik.Und dafür soll der Steuerzahler so viel Geld bezahlen? Wo es nur wenige hundert Meter weiter - sogar unmittelbar an einer Autobahn-Ausfahrt! - bereits genau das Gleiche gibt, nämlich Tankstelle, Spielhalle und McDonalds? Das wäre ein teurer Schildbürgerstreich.

Zwar gibt es weitere Investoren, die später ebenfalls auf dem Grundstück auf der Truppacherhöhe bauen wollen. Aber bislang ist nur von Einkaufsmärkten die Rede. Luftschlösser - denn noch mehr Einzelhandel auf der Grünen Wiese ist bei Zweibrücken raumordnungsrechtlich nicht möglich. Auch die Landesregierung hat sich klar dagegen ausgesprochen (und selbst wenn sie eine Ausnahmegenehmigung erteilen würde, dürfte die Justiz die Pläne stoppen).

Man kann kritisieren, dass über das Kosten-Nutzen-Verhältnis monatelang kaum nachgedacht wurde. Doch vor allem zeugt es von Größe, dass diese Woche im Stadtrat sehr viele bereit waren, ihre Meinung zu ändern. Das kam spät, aber nicht zu spät. Es ist kein Makel, wenn der Prozess der demokratischen Willensbildung bei komplexen Themen etwas Zeit braucht.