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Hollinger-Ausstellung im Herzogsaal Zweibrücken

Herzogsaal : Zurück in der Heimat

Der Künstler Hans Hollinger stellt neueste und ältere Arbeiten im Herzogsaal aus.

(fro) Vor zehn Jahren, zu seinem 60. Geburtstag, stellte Hans Hollinger, geboren 1949 in Zweibrücken, schon einmal hier aus, Kunstfreunde behielten ihn in guter Erinnerung. Jetzt, mit 70, wird die Erinnerung aufgefrischt mit Hollingers Arbeiten aus dem vergangenen Jahrzehnt.

Er ist sich treu geblieben: Großformatige Landschaften herrschen vor, wenig gegenständlich, aber beileibe keine Fake News. Er lässt Landschaften auf sich wirken, nimmt sie auf, reduziert sie auf das Wesentliche, malt keine Skizzen, benutzt keine Archetypen, sondern führt das Bilder später im Atelier aus. Die Weisheit der Indianer New Mexikos lehrte ihn das „Warte, bis du sicher bist“. Maximen aus dem Zen-Buddhismus taten ein Übriges.

Luzidität und Transzendenz zeichnen seine Werke aus. Vorbilder sieht er in William Turners Landschaften und in der deutschen Romantik. Aber er ist kein Nachahmer. Er ist auf der Suche nach dem Wesen der Natur. In manchen Bildern ist starke Bewegung, Dynamik spürbar und sichtbar. Optimistische Helle herrscht vor. Gern führen mehrere durchsichtige Farbschichten in die Tiefe. Die Farben verschwimmen ineinander, scharfe Kontraste werden eher vermieden.

„Dies ist mein erstes Bild überhaupt“, sagt er vor dem Bild „Wie weit“ aus dem Jahr 1970, eine Landschaft, strukturiert in Rot und Ocker, die sich im Bild nach oben hin verlieren, in der Unendlichkeit gewissermaßen. Das einzige Hochformat in der Ausstellung zeigt senkrechte Farbgrenzen von Hell nach Dunkel. Ganz zart durchscheinend, kaum erkennbar, eine menschliche Silhouette. „Phaeton“ heißt es, „für mich stellt es den Fuhrmann dar, den Lenker aus dem Leben zum Tod hin“, sagt Hollinger im Gespräch. Er sei ja auch schon 70, was man ihm jedoch in keiner Weise ansieht.

Zur Finissage am 19. Mai um 15 Uhr wird der Künstler persönlich durch die Ausstellung führen. Charlotte Glück, Leiterin des Stadtmuseums, sprach während der Vernissage über das Werk. Das Kammerorchester unter Leitung von Walther Theisohn spielte in großer Besetzung Werke aus drei Jahrhunderten; besonders der 1. Satz aus dem Concerto grosso (Palladio) von Karl Jenkins riss die Hörer mit seiner Lebhaftigkeit in harmonischer mathematischer Ordnung mit.

Hollinger studierte erst Jura, dann Kunst, Kunstgeschichte und Ethnologie. Er schuf auch Kunstprojekte im freien Raum, Bühnenbilder für Theater und Film. Er war leitender Bühnenbildner an den Hamburger Kammerspielen. Der Künstler lebt jetzt in der Schweiz als freischaffender Künstler. In der Ausstellung gab es lebhafte Wiedersehen des Künstlers mit ehemaligen Schulkameraden. Geschichten, die das Leben schrieb, machten die Runde.