Hoher Beratungsbedarf

Nach dem Terroranschlag in Tunesien können Reisende, die in das nordafrikanische Land wollten, umbuchen. Viele Zweibrücker sind verunsichert, längst nicht jeder ändert tatsächlich sein Reiseziel.

Frank Schmid hat wenig Zeit. Er sitzt am Schreibtisch in seinem Reisebüro neben der Alexanderskirche und muss sich mit Angst befassen. Der Angst seiner Kundschaft nach dem Terroranschlag in Tunesien. Die Grundfrage ist immer die gleiche: Fahren wir nach Tunesien? Kurz vor zwölf Uhr liegt die Umbucherquote bei 50 Prozent. Ein Kunde bleibt Tunesien treu - "zwei Mal hintereinander am gleichen Oft passiert nichts", zitiert Schmid ihn. Ein anderer, ein Mann mit Frau und zwei Töchtern, sagt "von meinen drei Prinzessinnen will keine dahin" - und bucht auf Mallorca um.

Derzeit sind solche Umbuchungen problemlos möglich. Jeder Reiseveranstalter hat eine eigene Frist gesetzt, erklärt Schmidt und wedelt mit ein paar Ausdrucken, die links auf seinem Schreibtisch liegen.

Bisher hält sich die Zahl der Reisenden, die am Ende tatsächlich umbuchen, in Grenzen, sagt Schmids Kollege Achim Lehnen vom Tui-Reisecenter. Von 3500 Tui-Urlaubern hätten bisher 250 das Reiseziel geändert. Zweibrücker seien derzeit nicht in dem nordafrikanischen Land. Jedenfalls nicht mit Tui. Lehnen hat durchaus etwas übrig für den Ansatz des Schmid-Kunden, der sich gegen einen Reiseziel-Wechsel entschieden hat. "Die tunesischen Behörden haben 1000 neue Sicherheitskräfte eingestellt, die ausschließlich an den Hotels eingesetzt werden", sagt er.

Umgebucht wird etwa auf die kanarischen Inseln, auf Ägypten oder die Türkei. Dass die letzten beiden Länder ebenfalls islamisch geprägt sind, stört die Reisenden nicht. "Das wird schon unterschieden" sagt Klaus Frank vom Reisebüro Frank & Mettendorf. Die Sicherheitslage sei schließlich gerade in der Türkei eine andere.

Ein Problem für Umbucher ist gerade bei Tunesien, dass das Land derzeit nicht mehr so im Trend liegt wie vor einigen Jahren, sagt Schmid. Weil es als Ziel nicht mehr derartig begehrt ist, zahlt man für Urlaub dort weniger. Das wiederum macht es für Reisende mit engem Budget, insbesondere junge Reisende , etwas schwieriger, eine Alternative zu finden.

Wie die Alternativen für Urlauber aussehen, die ihren Tunesien-Urlaub erst für die Herbstferien gebucht haben, ist noch offen. "Die fallen nicht in diese Frist von Tui", erinnert Lehnen. Diese Leute habe man zwar kontaktiert, aber viele wollten die Urlaubsplanung vorerst nicht ändern.

Ähnlich entspannt sind angesichts der drohenden Staatspleite auch Zweibrücker, die es nach Griechenland zieht. Sie hätten auch einen eher schweren Stand bei den Reisegesellschaften. Die vertreten den Standpunkt, erklärt Schmid, dass sie all ihre Leistungen vom Flug bis zur Unterkunft erbracht haben und auch künftig erbringen können. Warum also umbuchen lassen? Und tatsächlich dürfte es eher unangenehm als gefährlich werden: "Die Kreditkarten-Akteptanz in Griechenland sehe ich derzeit kritisch", formuliert Schmid vorsichtig. Heißt: Wer nur 60 Euro pro Tag abheben darf, wird sicher keine Neigung zeigen, Kreditkarten zu akzeptieren und auf klingender Münze bestehen.