Hochschule Kaiserslautern : „Wir nutzen die Stärken, die wir haben“

Hochschul-Präsident Hans-Joachim Schmidt sieht den Rückgang der Einschreibezahlen an der Hochschule Kaiserslautern gelassen.

Die Universitäten und Hochschulen in Rheinland-Pfalz verzeichnen im Wintersemester einen Rückgang der Studierendenzahlen. Auch die Hochschule Kaiserslautern ist davon betroffen. Hier sind es 140 junge Leute weniger, die ein Studium aufnehmen wollen.

Hochschul-Präsident Hans-Joachim Schmidt verweist in diesem Zusammenhang auf die ausländischen Studierenden, von denen viele wegen der Corona-Pandemie nicht in ein fremdes Land übersiedeln wollen. „Wir haben zahlreiche Studierende aus China“, erklärt er, „die scheuen sich vielleicht, zu uns zu kommen. Gemessen an den offiziellen chinesischen Statistiken, die im Land die Pandemie als beinahe besiegt darstellen, könnte Deutschland als Hotspot gelten.“ Allgemein sei das Reisen ins Ausland seit Corona vielen Beschränkungen unterworfen – nicht jeder wolle ausgerechnet jetzt seine Heimat verlassen.

Den Rückgang der Studierenden aus dem Ausland spüren vor allem die Ingenieurs-Studiengänge in Kaiserslautern. „Das hat aber nichts mit der Hochschule Kaiserslautern zu tun, sondern mit dem Respekt vor einer Reise in ein fremdes Land“, ergänzt Schmidt.

Am Campus Zweibrücken sieht die Lage nicht dramatisch aus. Bei der Betriebswirtschaft konnte kein Rückgang der Einschreibezahlen verzeichnet werden, lediglich im Fachbereich Informatik und Mikrosystemtechnik gab es weniger Anmeldungen. „Man muss auch sehen, vergangenes Jahr war unser bestes, was die Einschreibungen betrifft“, bemerkt der Hochschul-Präsident. Bei über 6000 Studierenden an den drei Standorten der Hochschule sieht er den Rückgang der Einschreibezahlen noch im Bereich einer normalen statistischen Schwankung.

Ein dritter Punkt könnte auch sein, dass einige Studiengänge die Zulassungsvoraussetzungen geändert haben und dass jetzt eine Eignungsprüfung verlangt wird.

Bei allem Optimismus behält die Hochschule aber den demografischen Wandel im Auge, der auf jeden Fall eine Herausforderung für die Zukunft darstellt, auch dann, wenn Corona lange schon vergessen ist. Hier sieht Hans-Joachim Schmidt die Hochschule gut aufgestellt: „Wir wollen die Hochschule als Begleiter für vielgestaltige Bildungsbiografien öffnen, auch für Menschen, die in schwierigen Lebenssituationen sind.“

Zielgruppe der Hochschule sind nicht mehr nur Schüler direkt nach dem Abitur, sondern auch junge Frauen mit Kindern oder Menschen, die auf ihren Beruf nicht verzichten können oder wollen. „Wir müssen die Leute in der Westpfalz dort abholen, wo sie sind“, meint Schmidt, „das erreichen wir durch flexible Studienformate oder hybride Lernformate, wie Fernstudiengänge oder berufsbegleitende Ausbildungen.“

Manchmal muss es kein ganzes Studium sein. An der Hochschule können auch Zertifikate für die berufliche Weiterbildung abgelegt werden. Ganz wichtig sei, die Hochschule über die Grenzen des Bundeslandes hinaus bekannt zu machen, so Schmidt. Das gelinge mit Studiengängen, die ein Alleinstellungsmerkmal hätten.

Das beste Beispiel wäre hier der neu gegründete Studiengang Wirtschaft und Recht. Der sei inzwischen der größte Studiengang der Hochschule und unglaublich gut nachgefragt. „Wir sind stolz, dass wir eine Kooperation mit dem Oberlandesgericht eingehen konnten, das ist meines Wissens ziemlich einzigartig und da sind wir stolz drauf“, sagt der Präsident, „das ist übrigens typisch für Zweibrücken: Wir nutzen die Stärken, die wir haben.“

Eine der Stärken sind auch die geringen Ausgaben für Wohnraum, die Studierende in Zweibrücken haben. Auch das könnte für manchen den Ausschlag geben, in Zweibrücken zu studieren. Schließlich führt Schmidt auch noch die internationalen Kooperationen der Hochschule an, zum Beispiel die Kooperation mit der der Partnerhochschule in Argentinien.