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Hochschule hofft auf Millionen-Investition

Hochschule hofft auf Millionen-Investition

Der Reinraum macht Zweibrücken zu einem bundesweit attraktiven Hochschul-Standort, ist aber in die Jahre gekommen. Um den ununterbrochenen Betrieb zu ermöglichen, ist ein Neubau erforderlich, erklärt Präsident Schmidt.

Bei dem von Oberbürgermeister Kurt Pirmann beim Zweibrücker Neujahrsempfang angekündigten "Ausbau der Hochschule" handelt es sich um ein neues Gebäude für einen Reinraum. Das hat der neue Präsident der Hochschule Kaiserslautern, Hans-Joachim Schmidt, auf Merkur-Anfrage mitgeteilt.

Zwar gibt es auf dem Zweibrücker Hochschul-Campus schon seit 1998 einen Reinraum. Der laufe zwar derzeit noch gut, erklärt Schmidt - sei aber "in die Jahre gekommen", so dass man ihn erneuern müsse, "um für die nächsten 20 Jahre die Grundlage für Spitzenforschung zu legen".

Mit dem Reinraum (siehe "Info") habe Zweibrücken, das ja "nicht im Zentrum der wissenschaftlichen Welt" stehe, "bundesweit Aufmerksamkeit gefunden", freut sich Professor Schmidt: "Das ist für eine Fachhochschule ja nicht einfach". Ebenfalls für eine (Fach-)Hochschule ungewöhnlich sei, dass der Reinraum mittlerweile regelmäßig für zehn bis zwanzig Promotionen genutzt werde, in Kooperation mit Universitäten.

Allerdings gebe es ein Problem: Man könne einen Reinraum nicht einfach renovieren: "Wenn die Anlage abgestellt wird, kommt Staub in den Raum." Und Staubfreiheit ist Voraussetzung für die Arbeiten im Reinraum. Bis ein Reinraum nach Umbauarbeiten wieder nutzbar sei, vergingen Jahre. Zeit, die man nicht habe, wenn der Standort Zweibrücken konkurrenzfähig bleiben wolle, erklärt Schmidt. Deshalb plant die Hochschule als Interimslösung einen Neubau für einen Reinraum. Zu den Kosten - Pirmann hatte von 36 Millionen Euro gesprochen - will sich Professor Schmidt noch nicht äußern: "Wir sind zurzeit bei den ersten Planungsschritten." Er hoffe, dass das Geld in den nächsten Landeshaushalt (2019) komme. Über den Standort des neuen Gebäudes sei man noch in Gesprächen mit der Stadt, er solle auf jeden Fall campusnah sein. Die Reinraum-Pläne seien noch unter der Ägide seines Vorgängers entwickelt worden - Professor Konrad Wolf (ein Zweibrücker) hatte im Mai 2016 das Amt des Hochschul-Präsidenten niedergelegt, weil er seitdem rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister ist.

Was wird aus dem Interimsgebäude, wenn der alte Reinraum saniert ist? Das sei "noch Zukunftsmusik", antwortet Schmidt, je nach den weiteren Entwicklungen sei von Rückbau bis Wachstum vieles möglich. Angesichts der positiven Entwicklung des Hochschul-Standorts Zweibrücken sei er aber sehr zuversichtlich, dass der Neubau auch künftig Verwendung finde.

Zum Thema:

Der Reinraum ist das Herzstück des Fachs Mikrosystemtechnik und Nanotechnologie, wird aber auch von Studiengängen wie Applied Life Sciences oder Informatik genutzt. Gelehrt und geforscht wird in Gebieten von Halbleitertechnologie bis Krebsbekämpfung. Das Reinraum-Labor ist 300 Quadratmeter groß und steht ständig unter Überdruck. Dieser und aufwendige Filtertechnik sorgen dafür, dass nicht mehr als zehn Staubteilchen pro Kubikmeter Luft sind - das entspricht dem Verhältnis eines Schnapsglases zum Bodensee. Bau und Innenausstattung hatten 1998 umgerechnet rund 31 Millionen Euro gekostet.