Weihnachtsmarkt auf dem Seelenhof Mit den Tieren Seelenhof-Weihnacht feiern

Zweibrücken · Die Seelenhof-Weihnacht beim Verein „Herz für Tier und Mensch“ brachte Helfer, alte und neue Tierfreunde und natürlich die Tiere zusammen. Wer mag, kann Heilig Abend füttern helfen und dann gleich Geschenke für Ponys, Ziegen, Ochsen oder Schafe mitbringen.

Nicole Grün verteilte als Helferin von Nikolaus-Pony Schröder beim Weihnachtsmarkt des Zweibrücker Seelenhofs kleine Geschenke an die Kinder.

Nicole Grün verteilte als Helferin von Nikolaus-Pony Schröder beim Weihnachtsmarkt des Zweibrücker Seelenhofs kleine Geschenke an die Kinder.

Foto: Cordula von Waldow

Ungeduldig scharrt das weiße Pony im Hof des Seelenhofs in Zweibrücken mit dem Huf. „Schröder will sein Muffin haben“, lacht Doris Kreitner. Sie ist Herz und Seele des Seelenhofs und Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Herz für Tier und Mensch“, der hier auf dem Hof kurz hinter Aldi und kurz vor dem Landeswechsel nach Einöd sein Zuhause gefunden hat.

Am zweiten Adventssonntag luden der Verein und alle Tiere zur traditionellen Seelenhof-Weihnacht ein. Natürlich waren auch die Ponys, der über 30-jährige Hofmeister Schröder und seine Freundin Gabi mit von der Partie. Beide waren vor allem auf die Leckereien aus, die viele Helfer und Freunde als Weihnachtsgeschenk mitgebracht hatten, unter anderem säckeweise Karotten und stiegenweise Äpfel.

Im Hofmittelpunkt stand der Wunschbaum der Tiere. Auf der Vorderseite der wetterfest eingeschweißten Anhänger war ein Bild von dem jeweiligen Tier – den Pferden, den Ochsen, den Ziegen, den Lämmern – auf der Rückseite stand ihr Weihnachtswunsch. Bei Gabi beispielsweise: einfach etwas zu fressen – Vielfraß.

Schröder ist da anspruchsvoller. Schnurstracks hatte er sich, seiner Nikolauswürde mit roter Mütze auf dem schneeweißen Schopf und roter „Manteldecke“ auf dem Rücken zum Trotz, in Richtung Kuchenbüfett begeben. Zu viele Köstlichkeiten waren hier aufgebaut. Passend zu der Maxime des Seelenhofs – „Jedes Tier hat ein Recht auf Leben und Unversehrtheit“ – gab es vegane Burger, vegane Kürbissuppe und eine Vielzahl veganer Kuchen mit Hafermilch oder Kokos, dazu Glühwein oder Kinderpunsch, Kaffee und Softgetränke.

Ganz knapp gelang es Nicole, das zielstrebige Pony mit den strahlenden blau-dunklen Augen noch vor dem Überfall auf die Kuchenauswahl abzufangen. Denn auch für Nikolaus-Ponys gilt: erst die Arbeit, dann die Belohnung. So verteilten Schröders Gehilfen Geschenktüten aus festem Papier an die vielen Kinder, die erschienen waren, um die Ponys zu streicheln und die übrigen Tiere zu besuchen. „Zurück zur Natur und dem Einfachen“, waren sie mit Äpfeln, Nüssen und Mandarinen gefüllt.

Dann, endlich, bekam Schröder sein Muffin und da ein Pony auf einem Bein nun so gar nicht stehen kann, gab es auch noch mindestens ein zweites, das er mit sichtlichem Wohlbehagen verspeiste.

Wie überall, wo sich Gleichgesinnte begegnen, gab es auch unter den Tierfreunden und Tierschützern viel zu erzählen. Daneben fanden die eigens für die Hofweihnacht handgefertigten Geschenke großen Anklang und regen Absatz. Neben Quittenmarmelade und -Likör oder selbst gezogenen Kerzen mit Wünschen wie „Glücksmomente“, „Warme Wintergrüße“ oder „Lichterglanz“ begeisterten vor allem die aus Hufeisen mit großem künstlerischen Handwerksgeschick gefertigten Herzständer oder Kleeblätter, Kerzenständer oder sogar Bilderständer.

Ein Flohmarkt mit Nützlichem und Schönem spült zunehmend Geld in die Vereinskasse, um die rund 40 Tiere, die alle misshandelt oder ausgesetzt worden sind, zu versorgen und ihnen ein lebenswertes Dasein mit Artgenossen und mit „ihren“ Menschen zu ermöglichen.

Dazu werden viele helfende Hände gebraucht. Wie die von Lotta (13), Maya (12) und Johanna (12). Die Mädchen verbringen jeden Samstag auf dem Seelenhof und verwöhnten die Stute Gabi mit Streicheleinheiten. Johanna sagt für alle: „Das macht Spaß zusammen mit Freunden. Man hat etwas Sinnvolles gemacht und anderen Tieren geht es besser.“ Da werden gerne auch Boxen ausgemistet, damit die Pferde abends nach dem Koppelgang in ein sauberes Bett kommen. Zudem helfe die gesamte Familie.Das braune Pony stammt aus einem Reitbetrieb, für den sie absolut nicht geschaffen war.

Das erste Mal auf dem Seelenhof waren Birgit Bette und Ralf Henkel. Sie hatten im Pfälzischen Merkur von der Tierweihnacht gelesen und waren sehr angetan, sowohl von der Arbeit dort als auch von dem Angebot zur Tierweihnacht. Die Weihnachtswünsche für die Seelenhoftiere können am Heiligen Abend bis 17 Uhr dort abgegeben werden und natürlich auch an jedem anderen Tag. Wer mag, darf um 17 Uhr beim Füttern helfen und den Seelenhoftieren persönlich ihr Weihnachtsessen geben – mit einer extra liebevollen Streicheleinheit. Doris Kreitner weiß: „Dann fühlt sich Weihnachten auch wie Weihnachten an, weil es die Tiere sind, die unseren Schutz und unsere Liebe brauchen, da sie einst als verlorene Seelen zu uns auf den Hof kamen.“

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