Hildegard Baum : Die Stimme erlernen wie ein Instrument

In ihrem Workshop „Stimm-Tuning“ vom 15. bis 17. Juli ermöglicht die Stimmtrainerin Hildegard Baum den Teilnehmenden vom Sänger bis zum Instrumentalisten oder Redner, die eigene Stimme als Instrument zu erfahren.

Nach zwei Jahren Corona-Pause tritt das Singen wieder in den Fokus. Doch nicht wenige (Chor)Sängerinnen und -sänger merken, dass sie aus der Übung sind und dass manches nicht mehr so läuft, nicht mehr so klingt wie zuvor. „Das ist kein Wunder, denn wie jedes Instrument braucht auch die Stimmung eine Art Wartung“, erklärt Hildegard Baum.

Deshalb bietet die Sängerin und studierte Stimmtrainerin mit ihrem Studio Canto gemeinsam mit ihrer Kollegin Beate Günther einen Workshop im „Stimm-Tuning“ an. Dabei können die Teilnehmenden im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib erfahren: „Stimme bewegt!“ Das „sportliche Wellness-Wochenende“ für die Stimme biete „mehr als die konventionelle Stimmbildung, wie man sie beispielsweise von Chor-Wochenenden kennt“, verspricht Hildegard Baum. Die anerkannte, wissenschaftlich basierte Methode habe viel zu tun mit Biologie und Sport, denn sie gründet auf Beobachtungen von Sängern nach den Maximen der Arbeitsmedizin. „Das ist absolut mein Thema“, bestätigt die erfahrene Ärztin und Sängerin.

Mit ihrer Einstiegsfrage „Was machst du denn mit deinem Körper, wenn du singst?“, erstaunt sie ihre Schüler meist. Dabei gelte es, seine Stimme zu erlernen wie ein Instrument, das bewusst bedient sein will mit der entsprechenden Technik.

Das Duo holt jede Person dort ab, wo sie ist und zeigt, wie ganz natürlich an die jeweilige Stimme heranzukommen ist. Hildegard Baum beschreibt: „Man erlernt ein den meisten bis dahin unbekanntes Körperbewusstsein, das erkennen lässt, wie sich Körperhaltung, Körperspannung und auch die eigene Geisteshaltung auf die Stimme auswirken.“ Diese Selbstreflexion führe zu einem völlig neuen Stimm-Bewusstsein, das, willentlich abgerufen, dazu befähige, das eigene Stimmpotenzial mit einer neuen Leichtigkeit zu formen und auszuschöpfen. So etwa lasse sich selbst ein sehr hoher Ton ganz leicht nehmen. Die Funktionale Stimmtrainerin verspricht: „Das kann man erlernen wie ein Instrument.“

Dazu allerdings müsse man es körperlich erspüren. Dann lasse sich die Stimme – beim Singen wie beim Sprechen – formen und einsetzen. So können die Teilnehmer des Workshops erkennen: „Das ist meine Stimme und so komme ich daran.“ Diese Grundlagen lassen sich dann zu jeder Zeit reproduzierbar einsetzen, unabhängig von der „Tagesform“. Das Stimmvolumen vergrößere sich über dieses sensomotorische Lernen wie beim Sport automatisch, ohne jede Anstrengung.

Allerdings bedürfe jeder Erfolg hier auch eines kontinuierlichen Trainings. Die Sängerin hat in ihrem Studium für sich selbst erstaunliche Erfahrungen gesammelt. Sie erinnert sich: „Das war ein Phänomen. Ich habe von Anfang an in dieser Methode singen gelernt. Und je mehr ich in meiner Ausbildung über die Stimmfunktion gelernt habe, desto größer, desto farbenreicher wurde meine Stimme. Desto müheloser konnte ich die Emotion aus meiner Stimme allein heraus vermitteln, wozu ich zuvor Mimik und Gestik gebraucht habe.“ Seitdem gehe sie ohne Lampenfieber auf die Bühne, „weil ich sicher weiß, dass ich mich zu jeder Zeit auf mein Instrument Stimme verlassen kann, und zwar zu einhundert Prozent.“

Diese Sicherheit wünscht sich wohl jeder Sänger. Wobei die Methode zudem bei allen Bläsern funktioniere, da alle Luftinstrumente eng mit Körperspannung, Körperhaltung und Körperbewegung verbunden seien. Hildegard Baum weiß: „Unsere Stimme ist Ausdruck unserer Persönlichkeit.“ Dass sich auch die eigene Persönlichkeit verändere mit der Zeit des Stimmtrainings sei ein ganz selbstverständlicher Nebeneffekt des „Sich-Entfalten-Dürfens“.

Sie betont: „Stimmbewusstsein ist Selbstbewusstsein.“ Dabei sei das Singen Kunst und Handwerk zugleich. Hildegard Baum erinnert: „Kunst kommt von Können.“

„Tuning your voice“ – unter diesem Motto lädt der dreitägige Workshop von Freitag bis Sonntag, 15 bis 17. Juli, im Pfarrsaal Heilig Kreuz dazu ein, die eigene Stimme zu formen, ihr den persönlichen Klang zu verleihen. Von dieser Erfahrung profitieren könnten zudem alle „Sprecher“, vom Lehrer bis zum Seminarleiter und Vortragsredner, nämlich alle, die mit Atem Klang erzeugen. Denn auch sie alle nutzen ihren Körper als Instrument.

Im geschützten Rahmen, mit zwei Gästen des Vertrauens pro Person, wird das an einem mitgebrachten Stück Erlernte zum Abschluss im Kantaten-Café als Werkstatt-Konzert aufgeführt. Professionell begleitet von der erfahrenen Pianistin Marina Kavtaradze. Mit Einzelunterrichtseinheiten ist die Teilnehmerzahl auf acht begrenzt.

 Konzertpianistin Marina Kavtaradze (li.) unterstützt Gesangspädagogin und Sängerin Hildegard Baum beim Workshop „Stimm-Tuning“.
Konzertpianistin Marina Kavtaradze (li.) unterstützt Gesangspädagogin und Sängerin Hildegard Baum beim Workshop „Stimm-Tuning“. Foto: Hildegard Baum

Infos und Anmeldung unter www.hildegardbaum.de