1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

„Hier können wir uns sicher vor Verfolgung fühlen“

„Hier können wir uns sicher vor Verfolgung fühlen“

Zweibrücken ist für zahlreiche Bürger mit Migrationshintergrund eine neue Heimat geworden. In unserer Serie „Angekommen in der Fremde“ stellen wir einige dieser Menschen vor. Heute ist es Saqib Naeem.

Der kleine Sarim schläft friedlich in den Armen seiner Mutter. Vor einem Monat im Evangelischen Krankenhaus zur Welt gekommen, ist er einer der jüngsten Zweibrücker, die neu in unserer Stadt leben. Der Vater des Kindes, Saqib Naeem, ist mit seiner hochschwangeren Frau im November aus Pakistan auf dem Frankfurter Flughafen angekommen. Danach kamen sie in die Flüchtlingsaufnahmestelle in Trier, die dann die Familie der Rosenstadt zuwies. "Das Leben in Pakistan ist für uns, die wir einer religiösen Minderheit angehören, nicht mehr möglich". Der 33-jährige Saqib erzählt von Menschen aus seiner Glaubensgemeinde, die ermordet wurden oder sonstiger Verfolgung ausgesetzt werden. "Die Polizei kann in eine Wohnung eindringen, nur wegen des Verdachts, dass eine Familie nicht glaubenskonform ist." Saqib erzählt von anderen, die für eine Weile verschwinden und nach einer Gehirnwäsche als muslimische Fanatiker mit langem Bart zurückkehren. "Die Gewalt eskaliert täglich, und Fanatiker kann man mit nichts bekämpfen. Man müsste sie dem Einfluss der radikalen Prediger entziehen." In der eigenen Familie musste Saqib bereits erleben, wie der Schwiegervater seiner Schwester, ein Geschäftsmann, von einem seiner Angestellten ermordet worden ist.

Saqib Naeem gehört der Ahmadiyya-Glaubensbewegung an, deren Mitglieder sich als Muslime verstehen, doch von den anderen als Häretiker des Islams gesehen werden. Sie sind Verfolgung und immer öfter dem Tod ausgesetzt. Ähnliches geschah vor kurzer Zeit gegenüber den Jesiden im Irak, die vom "Islamischen Staat" vertrieben und ermordet wurden. Pakistan ist laut Verfassung eine islamische Republik. "Im Pass wird vermerkt, wer einer anderen als der offiziellen Religion angehört, und vom Staat gibt es keinen Schutz für Minderheiten."

Nach dem Abitur hat Naeem seinen Bachelor in Informationstechnik absolviert und bei der Daimler AG in der Importabteilung gearbeitet. "Heute ist meine Familie in aller Welt zerstreut: meine Schwester in den USA, meine Eltern und mein jüngerer Bruder in Kanada", berichtet er. "Wir sind sehr dankbar, dass wir hier aufgenommen wurden und uns sicher vor Verfolgung fühlen können." Naeem besucht dreimal wöchentlich einen Anfängerkurs, um die deutsche Sprache so schnell wie möglich zu erlernen. Zuhause gibt er das Gelernte an seine Frau weiter.