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Heute beginnt neues Bangen für die PallmännerIG Metall ruft zu Demonstration für Pallmann-Arbeitsplätze auf

Heute beginnt neues Bangen für die PallmännerIG Metall ruft zu Demonstration für Pallmann-Arbeitsplätze auf

Zweibrücken. Was schlimm klingt, muss noch lange nicht schlimm enden. Das gilt auch für ein Insolvenz-Verfahren, erklärt Klaus Biehl. Der Zweibrücker Amtsgerichtsdirektor hat am Freitag den Insolvenz-Antrag für das Unternehmen Pallmann (wir berichteten) entgegengenommen. Das Insolvenz-Gericht der Stadt ist am Amtsgericht angesiedelt

Zweibrücken. Was schlimm klingt, muss noch lange nicht schlimm enden. Das gilt auch für ein Insolvenz-Verfahren, erklärt Klaus Biehl. Der Zweibrücker Amtsgerichtsdirektor hat am Freitag den Insolvenz-Antrag für das Unternehmen Pallmann (wir berichteten) entgegengenommen. Das Insolvenz-Gericht der Stadt ist am Amtsgericht angesiedelt. Dessen Direktor ist ausgewiesener Kenner der Materie: Biehl hat früher selbst als Insolvenz-Richter gearbeitet. Alleine im Bereich Unternehmens-Insolvenzen betreute er damals 100 Verfahren. Von daher weiß Biehl: "Für die betroffenen Unternehmen bieten solche Verfahren Chancen." Als Positiv-Beispiel führt er TLT-Turbo an. Der Zweibrücker Hersteller von Turbinen sei selbst durch ein solches Verfahren gegangen und konnte schließlich einem neuen Investor zugeführt werden. Heute präsentiert sich TLT-Turbo wieder gut aufgestellt. Natürlich dürfe nicht die rosarote Brille aufgesetzt werden. "Es gibt auch andere Beispiele, so Biehl. Das Insolvenz-Verfahren für Pörringer und Schindler, das ich ebenfalls betreute, ging leider nicht so gut aus. TLT konnte als ganzes Unternehmen verkauft werden; Pörringer hingegen hatte eine unrentable Produktion, dieses Unternehmen konnte nur in Teilen an Investoren veräußert werden."Das Insolvenz-Recht sei in den vergangenen Jahren erfreulicherweise reformiert worden, erklärt Biehl. "Der Gesetzgeber wollte, dass die Rechte der insolventen Unternehmen in dem Verfahren gestärkt werden. Das ging zu Lasten des Schutzes der Gläubiger." Der Gläubigerschutz sei früher das ein und alles im Insolvenz-Verfahren gewesen. Die Geldgeber zu befriedigen, genoss höchste Priorität. "Das wichtigste Ziel ist jetzt, das Unternehmen als Ganzes zu erhalten und eine Zerschlagung abzuwenden."

Insolvenz-Richterin Elke Hauptmann werde ab heute das Verfahren für Pallmann leiten. Zuerst müsse sie prüfen, ob der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens überhaupt angenommen werden könne. Im übertragenen Sinne werde jeder Euro bei Pallmann umgedreht. Biehl: "Es muss geprüft werden, ob und wenn ja in welcher Höhe die Grundstücke belastet sind, welche Zinsen zu leisten sind, wie es mit den Patenten des Unternehmens ausschaut." In dem Verfahren werde dann ein vorläufiger Gläubiger-Ausschuss gebildet. Der wiederum ist gefragt, den vorläufigen Insolvenz-Verwalter zu bestellen. Es ist ein komplexes Verfahren. Die Stunde der Juristen und Zahlen-Experten ist gekommen. Für die 453 Mitarbeiter von Pallmann gilt es, zu bangen - dass ihr Unternehmen erhalten bleibt. Und nicht, was der schlimmste Fall wäre, in Teile zerhackt wird. Ab heute beginnt das Bangen.

pfaelzischer-merkur.de/pallmann:/

Zweibrücken. Die Industriegewerkschaft Metall "ruft die Region Zweibrücken, Südwestpfalz und Saarpfalz auf, die Beschäftigten der Firma Pallmann Maschinenfabrik in ihrem Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze in Zweibrücken zu unterstützen". Deshalb lädt die IG Metall für den heutigen Montag zu einer Kundgebung auf den Zweibrücker Schlossplatz ein. IG-Metall-Sekretär Ralf Cavelius bestätigte gestern, es bleibe beim Beginn 14.30 Uhr (wir berichteten). In dem Demo-Aufruf werden die (mit der Zweibrücker Hauptstelle am Schlossplatz ansässige) Sparkasse Südwestpfalz und die Commerzbank aufgerufen, die Pallmann-Insolvenz durch Freigabe von Krediten doch noch abzuwenden.

Ralf Cavelius sagte dem Merkur, er befürchte, dass auch die mit Pallmann eng verzahnte Pallmann-Mahlwerke GmbH & Co. KG in Gersheim mit ihren rund 30 Arbeitsplätzen in den Insolvenz-Strudel gerissen werden könnte. Hartmut Pallmanns Insolvenzantrag vom Freitag bezieht sich aber ausschließlich auf die Zweibrücker Pallmann-Maschinenfabrik GmbH & Co. KG und die Ludwig Pallmann Verwaltungsgesellschaft mbH. lf

Der Offene Kanal Zweibrücken zeigt in Werner Euskirchens "Montagsansichten" (heute 23.45 Uhr, morgen 11.45 und 15.45 Uhr, Donnerstag 17.30, 20.30 Uhr und 23.30 Uhr, Freitag 8.30, 11.30 und 14.30 Uhr) historische Gespräche mit den Firmenchefs über die Entwicklung von Pallmann.

foto: pm

"Ziel ist, das Unternehmen als Ganzes

zu erhalten."

Klaus Biehl, Direktor des Amtsgerichts