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Herausforderung Unternehmensnachfolge

Herausforderung Unternehmensnachfolge

Welche Möglichkeiten haben Unternehmer, ihre Nachfolge zu regeln, wenn sie aus dem Betrieb ausscheiden? Über dieses Thema wurde am vergangenen Donnerstag an der Hochschule diskutiert.

. Ein Kleinkind sitzt in einem viel zu großen Chefsessel - dieses Symbol schwebte am vergangenen Donnerstag, auf einer Leinwand projiziert, über dem Vortrag "Unternehmensnachfolge - Ja, ich will!" Die frühzeitige und umfassende Regelung der Unternehmensnachfolge ist eine der wichtigsten und zugleich auch schwierigsten Aufgaben eines Unternehmers. Das erklärte Reinhold Habermann vom Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) Unternehmerverband Deutschlands e.V. als einer der Ansprechpartner vor Ort im Audimax der Hochschule in Zweibrücken . Leider folgten der Einladung von Seiten der BVMW-Kreisgeschäftsstelle Westpfalz nur in etwa 30 Personen, größtenteils bestehend aus Studenten und Unternehmern.

Diesem mageren Zuspruch zum Trotz, drückte der Bundesverband seine professionell aufgebaute Marschroute "Unterstützung für Mitglieder und Unternehmer aus dem Mittelstand in allen Fragen der Übergabe und Übernahme" durch und präsentierte einen informationsreichen Vortragsabend.

"Wir sind Netzwerker für den Mittelstand und sind flächendeckend in ganz Deutschland verteilt", erläuterte Habermann. Auch Professor Hans-Joachim Schmidt, Vizepräsident der Hochschule, ging in seiner kurzen Grußrede auf die Netzwerkfähigkeit der Hochschule und des Verbandes, respektive der mittelständischen Unternehmen der Region, ein.

Die Hochschule verstehe sich als eine Einrichtung der Region, als Ausbildungsstandort, Wirtschaftsfaktor und Ausgangspunkt für die Gründung einer Firma. Da machte es sich gut, dass bei der Interview-Runde mit Helmut Reichling gleichzeitig ein Professor der Hochschule und Inhaber einer Firma aus dem Stahlgroßhandel Platz nahm. Prof. Reichling bemerkte, dass immer wieder Studenten in seine Vorlesungen kämen, die von der Familie gedrängt werden zu studieren, um den Betrieb mal zu übernehmen. "Die schaffen es dann aber auch nicht mit einem Abschluss. Man muss das Unternehmer-Gen in sich haben, um die Herausforderung zur Weiterführung anzunehmen", betonte er.

Mit Susanne Bilz und Bernhard Bauer saßen zwei weitere Interviewpartner neben Reinhold Habermann, die aus ihrer persönlichen Sicht die Nachfolgeregelung im jeweiligen Betrieb berichteten. Susanne Bilz sprach davon, dass sie immer schon den Drang zur Selbständigkeit gehabt hätte. Sie entschied sich jedoch nach einem abgeschlossenen Design-Studium, mit 25 Jahren als Arbeitnehmerin im Marketingbereich tätig zu werden. Als Praktikantin habe sie danach in den väterlichen Betrieb reingeschnuppert und somit Abläufe von Grund auf kennen lernt. "Dadurch habe ich gemerkt, ich will das machen", sagte sie.

Als Leiterin der Marketingabteilung steht sie als zweite Generation in den Startlöchern, um die Unternehmensnachfolge anzutreten. Bernhard Bauer hat 2015 den Absprung aus seinem Unternehmen geschafft. Er ist Vater von drei Töchtern, zwei seien in andern Branchen glücklich und eine arbeite bei ihm im Controlling. Sie ist aber nicht gleichzeitig mit seinem Ausscheiden die Geschäftsführerin geworden. Bernhard Bauer stimmte damit der These von Professor Reichling indirekt zu, sich seine Geschäftsführer selbst aufzubauen.

"Die drei waren alle zunächst Abteilungsleiter. Sie wurden von mir gefördert und haben sich weitergebildet. Sie haben das Geschäft von der Pike auf kennengelernt", erzählte er von seinem persönlichen Erfolgsweg. "Die drei Geschäftsführer wissen das Unternehmen zu schätzen, sie hängen mit Herzblut daran und wollen überhaupt nicht in größere Weltkonzerne einsteigen", so der Unternehmer aus Waldmohr weiter.

Es kann aber nicht immer ein Nachfolger geboren werden, was auch Anne Kraft von der Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Zweibrücken erwähnte. Ohne rechtzeitige Nachfolgeregelung käme es darum häufig zur Firmenschließung. Dies schwäche die hiesige Region immens, die zudem sehr kleinteilig strukturiert sei. Darum begrüßte sie die Notwendigkeit einer solchen Veranstaltung. Reinhold Habermann vergas nicht zu erwähnen, dass dies nur der Startschuss zu solchen Veranstaltungen gewesen sei. Der nächste Termin steht mit dem 1. März schon fest. Dann wird es ein Unternehmerfrühstück zum Thema Auslandskontakte geben.