Heilig Kreuz kfd : Weisheit die zum Nachdenken anregt

Tiefgründige Weisheit in mystischer, bildreicher Sprache erlebten gut 40 Gäste beim Frauennachmittag in Heilig Kreuz. Märchenerzählerin Holde Stumm lud mit ihren Märchen von starken Frauen aus aller Welt zum Nachdenken ein.

Verlust, Aufbruch ins Unbekannte, oft beschwerliche Suchwege mit Irrungen und Wirrungen und schließlich die glückliche Heimkehr. So, wie die Lebenskrisen der Menschen, sind auch die meisten Märchen aufgebaut. Mit Märchen aus aller Welt über starke Frauen unterhielt die St. Ingberter Märchenerzählerin, Holde Stumm, im Frauenkreis der katholischen Gemeinde Heilig Kreuz nicht nur. Mit der Weisheit der Märchen regte die fast 80-Jährige zum Nachdenken an.

Märchen sind so alt wie die Menschheit. „Sie kommen in allen Kulturen und Ethnien vor und gehören seit 2016 zum immateriellen Weltkulturerbe“, informierte die kfd-Vorsitzende, Maria Rimbrecht zu Beginn. Entgegen dem landläufigen Ausspruch „erzähl keine Märchen“, wenn man meint, jemand lügt, enthalten Märchen eine tiefe Wahrheit. „Wenn wir uns darauf einlassen“, ermutigte Holde Stumm, und erzählte, wie diese innige Verbindung von Märchen und Wahrheit entstand.

Vor der nackten Wahrheit flohen die Menschen aus purer Angst. Dem in prachtvoll schillernde Gewänder der metapherreichen Bildsprache gekleideten Märchen liefen sie dagegen in Scharen nach, klebten regelrecht an ihm. Seit die Wahrheit, gehüllt in eine mit Rosen bestickte Bluse und einen Rock mit allen Sternen des Himmels das Märchen begleitete, lauschen die Menschen auch ihr.

Beharrlich, mutig und zielstrebig gelang es der Frau des Jägers mit Unterstützung der weisen Alten hoch droben im Gebirge, ihren geliebten Mann aus den Fängen der Wassernixe zu befreien. Ihr Schwiegervater hatte in einer Notlage das getan, was alle Männer tun: Sich seiner Frau anvertraut und diese um Rat gefragt.

In einem chinesischen Märchen hingegen löste die pfiffige Kaisertochter kreativ ihren Weg durch das Gelübde, mit dem sie sich selbst gebunden hatte: Sie wollte nur einen Mann heiraten, der ihr eine blaue Rose bringt. Ihr Vater, der alte Kaiser, wünschte sich auch von seinem zweiten Kind nichts sehnlicher als ein Enkelkind, denn dieses verbindet nach chinesischem Glauben die Erde mit dem Himmel. Dreimal lehnte sie die angebotene, blaue Rose ab. Als schließlich ihr Auserwählter eine weiße Rose brachte, rief sie laut: „Dies ist die schönste, blaue Rose von der zartesten Farbe, die ich je gesehen habe!“ Der weise Kaiser entgegnete dem Protest im Palast mit der Aussage: „Wenn meine Tochter sagt, diese Rose ist blau, dann ist sie auch blau!“

Unmut allerdings rief das Ende der Geschichte hervor, als die Kaisertochter einen Sohn gebar. „Wir hören Märchen von starken Frauen. Warum bekommt die Kaisertochter dann einen Jungen und kein Mädchen? Das manifestiert erneut das gängige Vorurteil, Mädchen seien weniger wert“, monierte eine Zuhörerin. Holde Stumm versprach begeistert und unter großem Applaus, das Märchen künftig in diesem Sinn zu wandeln.

Ihre afrikanische Geschichte richtete sich auch an die anwesenden Männer: „Sie wissen oft nicht, wie es um das Seelenleben von uns Frauen bestellt ist und welche himmlischen Schätze wir mit uns bringen. Wir müssen es ihnen sagen“, ermunterte sie die 40 anwesenden Frauen.

Mit dem letzten Märchen von der chinesischen Wasserträgerin gab sie ihnen mit: „Wenn eine von Euch meint, sie habe einen Sprung in der Schüssel, möge sie sich daran erinnern: Auch sie trägt zu der Vielfalt und Schönheit auf der Welt bei!“

Marianne Ruhstorfer würdigte die Vielfalt der Märchen und Aspekte: „Es war sehr schön erzählt und jede konnte etwas für sich rauspicken.“