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Hausherr des Schlosses sagt Adieu

Hausherr des Schlosses sagt Adieu

Wer OLG-Präsident ist, ist zugleich Herr über das Schloss. Diese beiden schönen Aufgaben hatte Willi Kestel sieben Jahre lang inne. Heute geht er in den Ruhestand. Wer auf ihn folgen wird, ist noch nicht geklärt.

Über sieben Jahre war Willi Kestel als Präsident des Oberlandesgerichtes (OLG) der Pfalz auch Hausherr des Zweibrücker Schlosses. Heute heißt es nun Abschied nehmen. Doch bis zur letzten Minute hat der Jurist jede Menge zu tun. Die Arbeit gehe schließlich weiter. Wer Nachfolger wird, steht noch nicht fest. Dieser soll in den nächsten Monaten gewählt werden. Bis dahin leitet ab morgen OLG-Vizepräsident Jörg Hoffmann kommissarisch die Behörde.

Beide könnten sich aber auf jeden Fall auf eine "tolle Mannschaft verlassen", so Kestel, der im Rückblick von einem hervorragend ausgebildeten und engagierten Personal spricht. Dieses habe nicht nur während des allgemeinen Dienstes mit Einsatzwillen geglänzt - sondern auch andere Herausforderungen, wie das Jubiläum zum 200-jährigen Bestehen des OLG, mit Bravour gestemmt. Alle hätten als eine Selbstverständlichkeit angesehen, hierbei mitzuarbeiten. Kestel erinnert sich auch an die vielen Veranstaltungen im Schloss, darunter auch die Neujahrsempfänge des Merkur oder Konzerte, die reichlich Glanz in das historische Gebäude der Wittelsbacher gebracht haben. Dieses sei auch ein beliebtes Ziel von Touristen. Der OLG-Präsident stellt klar, dass diese im Rahmen von Stadtführungen auch den Schlossgarten besuchen könnten. Dieser müsse aber aus Gründen der Sicherheit ansonsten geschlossen bleiben. "Wir können Gebäude und Garten nicht permanent öffnen", so der 65-Jährige.

Im seiner Laufbahn habe es im Bereich der Justiz viele Änderungen gegeben. So werde heute unter anderem "härter gekämpft", als vor einigen Jahren. Er sei froh, dass es im Bezirk des OLG der Pfalz deshalb keine Entlassung von Strafgefangenen gegeben hat, weil der Prozess nicht rechtzeitig beginnen konnte. Die Justiz müsse sich heute auch vermehrt mit Großverfahren oder Anlagebetrügereien beschäftigen. Die Gerichte seien aber nicht nur Organe der Rechtssprechung, sondern auch Dienstleister.

Als Beispiele nennt er Erbschein oder Betreuungsvollmachten. Hier sei es bedauerlich, dass es bei den Rechtspflegern eine starke Unterbesetzung zu verzeichnen gebe. Die letzte Landesregierung habe die Stellenzahl zwar aufgestockt, doch die Mitarbeiter müssten erst einmal noch ausgebildet werden. Erfreulich sei, dass die Verfahrensdauer an den Landgerichten verkürzt worden sei. Hier belege Rheinland-Pfalz im bundesweiten Vergleich einen vorderen Platz.

Kestel war vom 1. März 2009 bis heute Präsident des OLG, wo er von 1993 bis 1995 schon einmal als Richter arbeitete. Von 1995 bis 2005 leitete er das Landgericht Kaiserslautern und von 2005 bis 2009 das Landgericht in Mainz. Kestel will den Ruhestand in Hambach verbringen und freut sich schon darauf, künftig mehr Zeit für die Enkeltochter zu haben.