Haus der Diakonie : Paul Schmidt zeigt Wege aus der Sucht

Das Haus der Diakonie in der Zweibrücker Wallstraße ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen, die ihre Suchtprobleme nicht in den Griff bekommen.

Seit 28 Jahren berät Paul Schmidt Menschen mit Suchtproblemen. „In dieser Zeit hat sich einiges geändert“, sagt der 63-Jährige, der im Haus der Diakonie in der Zweibrücker Wallstraße die Fachstelle Sucht betreut. „Früher gab es eher den reinen Alkoholiker, Medikamente und Amphetamin haben keine große Rolle gespielt. Heute kommt zum Beispiel der Fliesenleger, der 16 Stunden am Tag arbeitet und Pillen nimmt, um das zu schaffen. Die Menschen trennen sich auch viel schneller, kamen früher oft Ehepaare hierher, sind es heute häufig Singles.“

Wenn jemand zu Paul Schmidt in die Beratung kommt, ist er oder sie oft ganz unten angelangt. Um der Verachtung, die der Süchtige von der Gesellschaft und auch von sich selbst erfährt, etwas entgegenzusetzen, sucht der Sozialarbeiter nach den Potenzialen seines Gegenübers. Dabei lässt er sich auf seine Klienten ein und vermeidet es, einen Plan oder eine „Dienstvorschrift“, wie er sagt, zur Hand zu haben. „Es ist völlig normal, in Krisen zu kommen, das ist auch für mich nicht außergewöhnlich.“ Der Suchttherapeut weiß, wovon er redet, denn in seinem eigenen Leben ist Paul Schmidt nicht immer den geraden Weg gegangen. Nach dem Studium arbeitete er immer nur für kurze Zeit, um sich dann wieder seiner Passion, dem Bergsteigen, zu widmen. In den 1980ern war er in einer Fachklinik für alkoholkranke Männer angestellt und unterbrach seinen Job immer wieder für viele Monate, um zu reisen. Als er schließlich seine Stelle bei der Diakonie antrat, wurde er in Zweibrücken sesshaft.

Jetzt sind es die Begegnungen mit Menschen, die sein Leben bereichern. „Ich habe im Laufe meiner Berufsjahre bestimmt 30 000 Gespräche mit Alkoholabhängigen geführt“, verrät er, „und jedes Gespräch mit einem Menschen ist ein Gewinn“.

Seine Klienten kommen entweder durch Mundpropaganda, oder sie werden von Ärzten oder Krankenhäusern an ihn verwiesen. Für Paul Schmidt ist es sehr wichtig, dass die Gespräche mit ihm freiwillig geführt werden. Er möchte die Eigenmotivation der Abhängigen stärken. Sie können dann gemeinsam mit ihm entscheiden, ob sie sich regelmäßig zum Gespräch treffen wollen, oder ob sie in eine Suchtklinik oder eine andere Einrichtung gehen möchten. Drei Viertel seiner Klienten sind Männer. Frauen, die in seine Sprechstunde kommen, haben häufig sexuellen Missbrauch erlebt.

Paul Schmidt ist oft mit schlimmen Schicksalen konfrontiert. Wie hält man so etwas aus? „Mir ist ein guter Vergleich dafür eingefallen“, sagt er, „da ist diese Imbissbudenverkäuferin. Sie sieht toll aus, aber sie riecht nach dem Fett, mit dem sie bei der Arbeit in Berührung kommt. Wir Sozialarbeiter sind ein bisschen so wie diese Imbissbudenverkäuferin, es bleibt etwas hängen.“

Trotzdem sieht Paul Schmidt einen Sinn in seinem Beruf. Wenn er durch Zweibrücken geht, trifft er viele, denen er helfen konnte. Und einige, bei denen es nicht der Fall war. „Manche Menschen begrüßen mich freudig, wenn ich durch die Stadt gehe, weil sie denken, ich konnte ihnen helfen. Doch jeder hat den entscheidenden Schritt selbst gemacht“, da ist sich der Sozialarbeiter sicher.

Beschleunigen kann man nichts auf dem Weg weg von der Sucht, das weiß auch Paul Schmidt. „Ich vergleiche das immer mit Menschen, die Höhenangst haben. Da kann ich auch nicht über den Grat laufen und sie auffordern, mir zu folgen, weil es doch ganz leicht ist. Ich muss sehen, es gibt Menschen, die verarbeiten die Realität anders als ich.“

Verantwortung übernehmen, immer wieder im Leben, auch für sein eigenes Scheitern, das ist für ihn wichtig. „Ich präsentiere mich nicht als Menschen, dem alles gelingt“, meint er dazu. Um das zu veranschaulichen, hat der Hobby-Bildhauer im Gesprächszimmer einige seiner Holzobjekte stehen. Verkrümmte Wurzeln, von ihrer Umgebung geformt und doch einzigartig und schön.

Mit seinem grauen Vollbart und seiner abgeklärten Art ist er für manche der jungen Männer, die zu ihm in die Beratung kommen, fast schon so etwas wie eine Vaterfigur. „Da muss ich aufpassen, dass ich die nicht mit heim nehme“, schmunzelt er.

Wer die Suchtberatung der Diakonie in der Wallstraße 46 in Anspruch nehmen möchte, kann unter der Telefonnummer (0 63 32) 1 23 18 einen Termin ausmachen. Gewöhnlich bekommt man dann innerhalb einer Woche ein Gesprächsangebot.