1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Hans Prager ist neuer Chef des DRK: Ein Portrait

Hans Prager ist neuer Chef des DRK : Stärkerer Blick auf die Brennpunkte der Stadt

Mit Hans Prager ist ein echter Weltrekordler neuer Chef des DRK Südwestpfalz geworden. Wir sprachen mit ihm über seine Ziele.

Wenn im Fußball eine Mannschaft einen neuen Trainer erhält, jemanden, der in jüngeren Jahren selbst im Team als Spieler kämpfte und siegte – dann heißt es oft, der Neue habe „Stallgeruch“.

Stallgeruch – das ist etwas, was auch Hans Prager auf seinem neuen Posten reichlich anhaftet. Seit Jahresbeginn zeichnet er als neuer Chef des DRK-Kreisverbandes Südwestpfalz verantwortlich (wir berichteten bereits kurz). Prager folgt damit auf Mario Sauder, der im Unfrieden das DRK verlassen hat: Das DRK hatte Sauder fristlos gekündigt und ihn zudem wegen Untreue angezeigt (wir berichteten mehrfach).

Keine schönen Rahmenbedingungen für einen Wechsel. Aber was kann – um im Bilde des Fußballs zu bleiben – ein neuer Trainer dafür, wenn der Vorgänger vom Hof gejagt wurde?

Prager ist nun der Neue. Und sein Stallgeruch ist deutlich. „Ich bin am 1. April 1979 ins DRK eingetreten“, sagt der 54-Jährige. Ein halbes Leben ist er nun also schon bei den Rotkreuzlern aktiv. Das ist mehr als Stallgeruch – Prager trägt den Stall praktisch auf seinen Schultern.

Zwölf Lenze zählte der Zweibrücker damals, als ihn ein Klassenkamerad mit zum Jugend-Rotkreuz nahm. „Wir übten dort das Anlegen von Verbänden. Das hat gut geklappt  – und ich war ganz stolz und wollte unbedingt weitermachen“, erinnert er sich lächelnd an seine Anfänge.

Der derart motivierte Bub blieb also beim Jugend-Rotkreuz. Und wurde 1984 Kreis-Jugendleiter des DRK. Prager war damit verantwortlicher Leiter aller Jugendgruppen im Verband. Ein ganz schöner Erfolg für den jungen Mann. Aber Prager wollte mehr. Er wollte mit seinen Mitstreitern Weltrekordler werden. Und sie wurden es. Fünf Jahre später.

Die Geschichte dahinter ist spannend. Und sorgte damals ordentlich für Schlagzeilen. Auch im Pfälzischen Merkur. Prager hatte Lust darauf, mit den ihm anvertrauten Jugendgruppen einen originellen Rekord aufzustellen. Und so kam es 1984 zu einem Weltrekord im Dauerrutschen im Badeparadies. Und fünf Jahre später gleich noch ein zweiter Rekord: 24 Stunden und 30 Minuten lang schoben Rotkreuzler ein Krankenbett rund um die Rennwiese. „Wir kamen damit ins Guinness-Buch der Weltrekorde“, blickt Prager zurück.

Die Rekorde waren mehr als nur ein Ulk. Sie verstärkten das Wir-Gefühl bei den jungen Rotkreuzlern und zeigten der Öffentlichkeit, dass die Truppe ganz schön was auf die Beine stellen kann.

Fast wäre es noch zu einem dritten Rekord gekommen: 1992 versuchten Prager und seine Helfer, aus Cola-Kisten ein riesiges Rotes Kreuz aufstapeln. Doch kurz vor Fertigstellung fiel das Gebilde zusammen.

Aber immerhin: Zwei Weltrekorde stehen zu Buche. Ob die heute immer noch Bestand haben? Eigentlich gar nicht so wichtig. Denn, um beim Fußball zu bleiben: Einmal Weltmeister, immer Weltmeister.

Nach den abwechslungsreichen Lehrjahren als ehrenamtlicher junger Rotkreuzler begann Prager dann 1990 mit der hauptamtlichen Tätigkeit für das DRK. Die ersten Jahre waren unter anderem geprägt vom Aufbau des DRK-Gästehauses für Kurzzeitpflege in Mörsbach (Fertigstellung 1994) sowie den Herausforderungen durch die Zuweisung von Asylbewerbern aus dem Kosovo; das DRK betreute diese in den Räumen eines ehemaligen Hotels der US-Streitkräfte an der Zeilbäumerstraße. Zuletzt (1999) leitete Prager das DRK-Heim in Mörsbach.

Und wechselte dann als Trainer tatsächlich einmal die Mannschaft. Fünf Jahre lang, von 1999 bis 2004, war er Leiter eines Pflegeheims im Saarland. „Aber 2004 kam ich wieder zum DRK zurück“, erinnert er sich. Das Heimweh war zu groß.

Nach verschiedenen Stationen wude Prager 2019 schließlich stellvertretender Leiter der DRK-Kreisverbandes Südwestpfalz. Und hat in den vergangenen Wochen, als der Chefposten verwaist war, diesen bereits kommissarisch bekleidet.

Prager sagt, das DRK sei in Zweibrücken „gut aufgestellt“. Der Kreisverband zähle insgesamt 126 Mitarbeiter und habe damit eine „mittlere Größe“. Aber bezüglich des Zuständigkeitsgebietes (der Kreisverband betreut den gesamten Landkreis Südwestpfalz plus Lambsborn) sei er der drittgrößte in Rheinland-Pfalz.

„Eine große Herausforderung ist der demographische Wandel“, sagt der neue DRK-Chef. Im Bereich der Senioren gebe es bereits ein breites Angebot des DRK, es gibt etwa eine ambulante Hilfe, einen Pflege- und einen Menü-Service.

„Aber was mir noch etwas zu kurz kommt, sind Kinder und Jugendliche.“ Es gebe soziale Brennpunkte in der Stadt, auf die noch stärker das Augenmerk zu richten sei. Es seien häufig Familien in finanziellen Nöten in diesen Brennpunkten auszumachen; Prager sieht in der Betreuung solcher Familien – er nennt als Schwerpunkte die Wohngebiete Wolfsloch, Breitwiesen und Canada-Siedlung – eine wichtige Fokussierung. Natürlich gebe es in den Breitwiesen bereits den DRK-Quartierstreff, der werde gut angenommen und sei bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Aber die Ausrichtung dieses Treffs gehe primär Richtung Senioren. „2021 möchte ich etwas ähnliches für Kinder und Jugendliche anbieten“, sagt Prager.

Er spricht von einer „verstärkten Zusammenarbeit mit den Lern- und Spielstuben“, Ziel sei es, vor Ort Aktionen durchzuführen, mit denen Kinder und Jugendliche angesprochen würden.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es dem DRK, benachteiligten Menschen eine Chance zu geben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Stichwort Bahnhofs-Kiosk „Bummelzug“, Mobilitätszentrale samt Post gegenüber dieses Kiosks und Minigolfplatz an der Schließ. Mit der Entwicklung dieser Projekte zeigt sich Prager in hohem Maße zufrieden. Aktuell ist Corona eine enorme Herausforderung. Prager delegiert das mobile Impfteam der Stadt, hier wurde zuletzt viel Arbeit investiert.