1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Handel Zweibrücken führt "Keep Local" ein

„Keep Local“ in Zweibrücken : Gemeinsam das Lokale bewahren

Keep local, das lokale Gutscheinsystem, ist erfolgreich in Zweibrücken gestartet. 22 Unternehmen machen schon mit, und es sollen weitere dazu kommen. Gemeinsamhandel-Chef Andreas Michel ist sehr optimistisch.

Seit Jahren tobt der Kampf zwischen Online- und stationärem Handel. Kunden drängen von den Innenstädten ins Netz und zwingen den Einzelhandel, kreativ zu werden. So auch Andreas Michel. Einiges hat der Unternehmer in den vergangen sechs Jahren seiner Amtszeitz als Gemeinsamhandelchef versucht, dem immer größer werdenden Onlinehandel die Stirn zu bieten. Teils mit Erfolg, manchmal leider auch nicht. Vor gut zwei Jahren, im Juli 2019, hatte er einen letzten größeren Vorstoß unternommen: die „ZWapp“. Eine spezielle App sollte Einkaufsbummlern in Zweibrücken via Handy das Sammeln von Rabatten ermöglichen. 34 beteiligte Händler gab Michel als Mindestzahl aus. Letzten Endes waren es dann aber nur 15. Zu wenig. Der Vorstoß war vergebens (wir berichteten).

Jetzt geht er mit einem neuen, durchaus erfolgversprechenden Projekt an den Start: „Keep local“ (auf Deutsch etwa: „Setze auf lokal“). Die Idee stamme nicht von ihm, gesteht Michel, sondern von einer bekannten Unternehmerfamilie in St. Wendel, die mehrere Modehäuser in der Stadt führe.

Der Kerngedanke dabei sei der Verkauf von Gutscheinkarten in den Läden, die bei „Keep local“ mitmachen. „Für sich selbst oder natürlich auch als schöne Geschenkidee. Man kauft zum Beispiel in einem Modegeschäft ein und erwirbt an der Kasse zusätzlich einen Gutschein, der in einem Geschäft, das Teil des Verbundes von „Keep local“ ist, eingelöst werden kann“, beschreibt Michel das Konzept.

22 Unternehmen in Zweibrücken nutzen bereits die Gutscheine von „Keep local“ und fördern so die lokale Vielfalt in der Rosenstadt. Seit Dezember gibt es zudem eine Kooperation mit der ZukunftsRegion Westpfalz. Das bedeutet ein Plus von über 100 Unternehmen in der Region. Gemeinsamhandelchef Andreas Michel ist begeistert: „Jetzt können die Zweibrückerinnen und Zweibrücker ihren „Keep-Local“-Gutschein auch in den teilnehmenden Geschäften und Unternehmen in der Region Westpfalz einlösen, ein wunderbarer Zugewinn für die Aktion“, freut er sich.

Der „Keep-local“-Gutschein hat aber noch einen weiteren Vorteil: „Unternehmen können ihren Mitarbeitern jeden Monat eine Zuwendung in Höhe von inzwischen 50 Euro pro Kopf zukommen zu lassen, ohne dass der Mitarbeiter dies versteuern muss. „Steuerfreier Sachbezug nennt das Finanzamt das“, erklärt Michel. Für den Mitarbeiter sei es steuerfrei – und der Unternehmer könne die Zuwendung steuerlich geltend machen.

Einer, der gleich von der Idee überzeugt war, ist Viktor Krieg von Viktors Genussladen. „,Keep local‘ ist eine gute Werbung für den Einzelhandel und eine Möglichkeit für die Kunden, sich mit ihrer Stadt und der Region zu identifizieren. Und es wird bereits angenommen“, verrät er. Einige Kubota-Mitarbeiter hätten in den Tagen nach Weihnachten ihre Keep-local-Gutscheine bei ihm eingelöst. „Jetzt ist es natürlich wichtig, dass möglichst viele mitmachen“, wünscht er sich, „warum nicht auch der Dönerladen um die Ecke!“

Andreas Michel jedenfalls ist bereits in Gesprächen mit weiteren, potenziellen Teilnehmern, darunter auch ein großer Gastronom. „Ich bin mir sicher, da werden noch einige dazu kommen“, ist er überzeugt. „Von St. Wendel oder Saarlouis wissen wir, dass die Gutscheine ordentlich Kaufkraft in die Städte gebracht haben. Das stimmt mich auch für Zweibrücken optimistisch.“ Gerade diese Beispiele zeigten auch, dass „Keep local“ keine Fantasterei sondern eine richtig gute Idee sei, die sich in der Praxis bereits bewährt habe. Michel appelliert daher weiterhin an alle, die jetzt noch unentschlossen sind: „Wir müssen etwas machen, wir müssen dem Online-Handel etwas entgegensetzen, bevor er uns ganz an die Wand drückt. Ich kann nicht den ganzen Tag im Geschäft stehen und aus dem Schaufenster schauen. Dann kommt kein Kunde. Ich muss selber aktiv werden!“