Urteil des Landgerichts Zweibrücken Vater und Onkel müssen hinter Gitter

Zweibrücken · Jahrelang hatten die beiden Männer ihre Tochter beziehungsweise Nichte sexuell missbraucht.

Zu neuneinhalb und fünf Jahren Haft hat das Landgericht Zweibrücken zwei Männer verurteilt, die ihre Tochter beziehungsweise Nichte sexuell missbraucht hatten.

Zu neuneinhalb und fünf Jahren Haft hat das Landgericht Zweibrücken zwei Männer verurteilt, die ihre Tochter beziehungsweise Nichte sexuell missbraucht hatten.

Foto: Rainer Ulm

„Eine ganz, ganz üble Sache“, nannte der Vorsitzende Richter Michael Schubert die Taten des Brüderpaares, das am Freitag von der Großen Jugendkammer des Landgerichts Zweibrücken zu teils langen Gefängnisstrafen verurteilt wurde. Die beiden 61 und 70 Jahre alten Männer hatten sich an ihrer Tochter beziehungsweise Nichte vergangen. Jetzt wurde der ältere Angeklagte wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in mehreren Fällen zu neuneinhalb Jahren und der jüngere wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in mehreren Fällen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

„Vertrauensvolles Verhältnis“ ausgenutzt

Zu Beginn des Prozesses am 21. Mai hatte Staatsanwältin Lena Bonn dem älteren der beiden Zweibrücker zur Last gelegt, seine Nichte vom 1. Februar 2015 bis 14. März 2019 in mindestens 25 Fällen in einem Haus im Stadtteil Bubenhausen missbraucht zu haben. Dort hatte der Onkel damals gemeinsam mit dem Mädchen, deren Eltern und Geschwistern gewohnt und das, wie es hieß, zunächst „vertrauensvolle Verhältnis“ schließlich für „einen jahrelangen Missbrauch ausgenutzt“. Als der Vater mitbekam, dass sich sein Bruder an seiner Nichte verging, soll er ihn zwar von seiner Tochter ferngehalten haben, um dann jedoch an dessen Stelle zu treten. Vom 15. März 2019 bis 8. Dezember 2023 soll er laut Anklage in mindesten zehn Fällen „regelmäßig, teils mehrfach am Tag“ gegenüber seiner Tochter „sexuell übergriffig“ geworden sein. In zwei der zehn Fälle soll der Vater mit seiner Tochter, die sich seinerzeit zu ihm ab und an „zum Kuscheln“ ins Bett gelegt hatte, „den Beischlaf vollzogen“ haben.

Beim ersten Übergriff durch den Onkel soll das Mädchen erst acht Jahre, beim ersten Missbrauch durch ihren eigenen Vater 13 Jahre und bei der letzten Vergewaltigung durch den Vater im Dezember 2023 17 Jahre alt gewesen sein.

„Nur“ ein Missbrauchsfall pro Jahr

Die Jugendkammer habe ihrer Entscheidung den Sachverhalt der Anklageschrift zugrunde gelegt, sei nun aber von „nur“ einem Missbrauchs-Fall pro Jahr ausgegangen, erläuterte Richter Schubert in seiner Urteilsbegründung. Zudem habe die Kammer das „nicht beschönigende, vollumfängliche Geständnis“ des angeklagten Vaters berücksichtigt. Der 61-Jährige habe sich damit „eine Menge Jahre“ hinter Gittern „erspart“. Gleichwohl wögen „die Vielzahl der Delikte“, die Bedrohung seiner Tochter und der Umstand schwer, dass er hinsichtlich des Missbrauchs seinerzeit quasi an seines Bruders statt gehandelt habe. Auch habe die Kammer „nicht den geringsten Zweifel“ daran, dass sich das Geschehen „so zugetragen hat“, wie von dem inzwischen 18 Jahre alten Missbrauchsopfer „erlebnisfundiert“ geschildert. „Warum sollte sie der Wahrheit zuwider ihren Vater und ihren Onkel belasten? Dafür gibt es kein Motiv“, war der Vorsitzende überzeugt. „Es war ein rundum stimmiges Bild.“ Zumal ein Missbrauchs-Fall durch eine Video-Aufzeichnung belegt worden sei,

Härtere Strafe für Onkel

Hingegen sei der ältere Bruder wesentlich härter zu bestrafen gewesen, obwohl dessen „Taten schon länger zurückliegen“, erläuterte Richter Schubert. Vor allem deshalb, weil er schon einmal wegen Missbrauchs einer anderen Nichte zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war und sich nach der vorzeitigen Entlassung noch während der Bewährungszeit an der nächsten Nichte vergriffen hatte. Dennoch habe die Kammer – entgegen dem Antrag von Staatsanwältin Bonn – von einer dauerhaften Sicherungsverwahrung nach Verbüßung der Haftstrafe abgesehen, obwohl „einiges dafür spricht“, sagte Richter Schubert.

Das Urteil für den Vater des Missbrauchsopfers, der von dem Zweibrücker Rechtsanwalt Max Kampschulte verteidigt wurde, ist bereits rechtskräftig, weil der 61-Jährige, die Staatsanwältin und die Tochter als Nebenklägerin kurz nach der Verkündung des Urteils erklärten, nicht dagegen vorgehen zu wollen. Hingegen kann der 70-jährige Bruder, der von dem Zweibrücker Rechtsanwalt Markus Freyler verteidigt wurde, noch Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) einlegen, der allerdings nur auf Verfahrens- und Rechtsfehler hin prüft.